Impressionen / Art of Peace - Burg Herzberg Festival 2013
Plakat
Burg Herzberg Festival 2013
Art of Peace
18. bis 21.07.2013
Impressionen



Artikel vom 28.08.2013


Nadja Feickert
Strahlender Sonnenschein, ein staubtrockener Zeltplatz, Wohnwagen, Zelte, Pavillons, bunte Farben und Muster, langhaarige Zottelköpfe in ewig weiten Hosen, Barfüßige, Hunde, Kinder, Menschen jeder Altersklasse und Musik an jeder Ecke »Willkommen auf dem Burg Herzberg Festival 2013!«
Zu Beginn bleibt mir erst mal eins zu sagen: Wunderschön! Ich war selten auf einem so harmonischen Festival. Alle sind gut gelaunt, der Umgang miteinander funktioniert einwandfrei und es ist sauber. Keiner schmeißt seinen Müll in der Gegend herum und man muss sich nicht ständig Gedanken machen, ob der Campingstuhl wohl noch unterm Pavillon steht oder schon längst vom nächstbesten Langfinger abgegriffen wurde. Und es gibt sehr viel zu sehen. An jeder Ecke sitzen Leute und machen Musik. Alles ist friedlich und stimmig, trotz rund 10 000 Besuchern plus Kindern.
An insgesamt drei verschiedenen Bühnen kann man sich während der vier Festivaltage austoben. Mein persönlicher Favorit war die Freakstage, außerhalb des Konzertgeländes selbst, mitten im sogenannten 'Freakcity'. Freakcity macht seinem Namen alle Ehre: Man findet bunt zusammengewürfelte Stände mit Bekleidung, Speisen und Getränken verschiedenster Nationen, Schmuck, Platten, Teezelte, Hängematten zum Probe liegen, Süßigkeiten, Kuchen, Kaffee, ebenfalls noch Mental Stage, Lesezelt, und, und, und. Herrlich zum Rumtreiben, Quatschen und Entdeckungen machen. So zog es mich dort also des Öfteren hin.
Donnerstags saß ich vor der Mental Stage und hörte mir Space Invaders an, eine Psychedelic Space Rock Band, von der ich zuvor noch nie etwas gehört hatte. Die perfekte Musik zum Vor-sich-hin-Vegetieren. Danach ging es zur Freakstage zum Liedermacherabend mit Billy Rückwärts und Götz Widmann. Herrlich! Billy Rückwärts, zwei junge Männer mit Gitarre und eine junge Dame mit Geige. Das Trio überzeugt sowohl mit lustigen als auch mit ernsten Texten. Mein Favorit? "Du wolltest meine Socken bügeln". Direkt im Anschluss Götz Widmann mit seiner Gitarre. Wer seine Lieder kennt, den wundert es nicht, dass er früher in einer Band namens Joint Venture gespielt hat. So grüßt er also zum Beispiel sämtliche Zivilpolizisten, die sich mit Sicherheit unter das Publikum gemischt hatten, und singt über "Eduard den Haschischhund", darüber, wie er Sonntags nachmittags Zöllner auf der A4 vom Vollzug abhält ("Zöllner vom Vollzug abhalten auf der A4"), darüber, dass das Leben mit dem Tod beginnen sollte ("Das Leben sollte mit dem Tod beginnen"), wie sehr er sich selbst liebt ("Ich liebe mich"), und viele, viele mehr. Mein Bauch tat vom Lachen weh, deshalb war ich froh, nach der Show wieder am Zelt zu sein. War auch schon etwas später.
Am nächsten Tag dann der alte Mann in der pinkfarbenen Latzhose, kein Geringerer als Klaus der Geiger. Klasse Auftritt. Der etwa Mitt-70er fiedelte mit Gitarrenbegleitung fröhlich seine Lieder vor sich hin. Wer jetzt allerdings denkt, er wäre einfach nur ein Rentner, der Geige spielt, liegt falsch. Schon seit einigen Jahrzehnten verdient er als gesellschaftskritischer Straßenmusiker mit politischen Texten sein Geld und ich würde ihn mir wieder und wieder anhören und ansehen.
Nach einem Besuch im Teezelt und rumbummeln in Freakcity folgte gegen Abend dann mein nächster Programmpunkt. Rainer von Vielen. Ach, wie war das schön. Zu Beginn der Show beweist Sänger Rainer direkt, was er besonders gut beherrscht, und das ist Oberton- und Kehlkopfgesang. Mal klingt seine Stimme wie ein Didgeridoo, dann singt er zweistimmig mit sich selbst faszinierend! Ebenfalls begeisternd sind die Texte. Die Jungs sagen klar, was sie denken und machen eine wahnsinnig gute Stimmung, bei der keiner mehr still stehen kann. Sänger Rainer sieht man später am Abend nochmal auf der Bühne stehen, allerdings auf der Main Stage, auf der er mit seiner zweiten Band Orange ein zweites Mal überzeugt. Trommeln, Didgeridoo, Klangstäbe und einige andere außergewöhnliche Instrumente begleiten den fantasievollen Gesang und auch hier ist still stehen ein absolutes No-Go. Nach guten zwei Stunden ist es mitten in der Nacht und das Publikum müde getanzt.
Am nächsten Tag folgten natürlich noch einige weitere Bands, aber die genannten waren meine persönlichen Highlights. Wenn ich so zurückdenke, würde ich am liebsten sofort wieder hinfahren. Ein paar Tage einfach ganz entspannt und friedlich leben. Was bleibt mir da noch zu sagen? Bis nächstes Jahr, liebe Hippies! :-)

Bilder vom Festival gibt es hier .
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