Sleepy John Estes / On The Chicago Blues Scene
On The Chicago Blues Scene Spielzeit: 55:00
Medium: CD
Label: Delmark Records, (1969) 2007
Stil: Blues


Review vom 27.10.2007


Joachim 'Joe' Brookes
Country-Blueser Sleepy John Estes trifft auf eine Gilde von Chicago-Bluesern.
So könnte man eine Überschrift zum "On The Chicago Blues Scene"-Album formulieren. Am 3. und 5.12.1968 in den Sound Studios, Chicago aufgenommen, erschien es damals unter dem Titel "Electric Sleep". "Electric Sleep"? "Electric Mud" von Muddy Waters? Ok, die Entlehnung kann man gelten lassen, aber nur wegen des Titels, mehr auch nicht.
In dem Chicagoer Riverside Studio sind die originalen analogen Bänder durch die Hände von Steve Wagner gegangen und wurden von ihm remixed sowie remastered.
Mit "Drop Down Mama" und "Airplane Blues" enthält die vorliegende CD zwei der bekanntesten Estes-Songs, die er in der 30er-Jahren zum ersten Mal aufnahm.
Der Mann hat es in jungen Jahren nicht leicht gehabt. Er verdiente sein Geld als Farmer und spielte auf Houseparties in Brownsville. Dann zog er nach Memphis, traf den Harper Hammie Nixon und den Mandolinisten James Rachell und man verdiente sich seinen Unterhalt mit Straßenmusik.
Estes nahm für diverse Label (u.a. Decca, Bluebird, Ora Nelle) auf. 1952, wieder in Memphis, spielte er einige Titel für Sun Records ein, die von Sam Phillips aber nicht veröffentlicht wurden.
Als Spätberufener, dank des Folk-Revivals in den Sechzigerjahren, ging für Estes dann die Post ab. Er war Gast beim Newport Festival und mit dem American Folk Blues Festival in Europa unterwegs. Delmark Records nahm ihn unter Vertrag.
Der Country-Blueser wurde für "On The Chicago Blues Scene" von namhaften Blusern begleitet.
Allen voran der Gitarrist Jimmy Dawkins (*1936) und der großartige Earl Hooker (1929 - 1970), hier auf einigen Tracks die dicken Saiten zupfend. Sunnyland Slim (1907 - 1995) saß am Piano und Odie Payne, Jr. (1926 - 1989) hinter den Drums. Der Harper Carey Bell, erst vor kurzem am 06.05.2007 verstorben, gastiert auf zwei Stücken und Joe Harper am Bass komplettiert die Mannschaft.
John Estes, der den Spitznamen Sleepy von anderen Musikern erhielt, weil er wohl im Stehen einschlafen konnte, singt mit einer weinerlichen Stimme, die für ihn zu einem Markenzeichen werden sollte.
Ein Highlight über die gesamte CD hinweg sind das distinguierte Gitarrenspiel von Dawkins auf der Halbakustischen und die tollen Pianoläufe von Sunnyland Slim. Sie erweisen sich auch hier als wahre Meister an ihren Instrumenten.
Der Country-Blueser aus Tennessee zusammen mit einer am Chicago-Stil orientierten Begleitband, auch noch elektrisch verstärktů Puristen wenden sich entsetzt ab. Der gemeine Blues-Fan hat seinen Spaß beim Hören der Neuauflage und das nicht nur wegen der astreinen Klangqualität.
Es spielt keine Rolle ob es das groovende "Drop Down Mama" mit Bell an der Harp oder der "Airplane Blues" ist, die Kooperation haut hin.
Ob Slow-Songs der Klasse von "Divin' Duck Blues", "Sweet Little Flower" oder "Easin' Back To Tennessee", denen relaxte Songs wie "Laura Had A Dream", "Walking Down Beale Street", in dem sich Dawkins gefühlvoll Knoten in die Finger zu spielen scheint, gegenüber stehen oder das, aus Sicht des Rezensenten, herausragende "Need More Blues", alles bürgt für die Qualität eines Estes, aus dessen Feder alle 13 Songs stammen, und natürlich auch die der anderen Musiker.
Delmark Records hat mit der Neuauflage dieses Albums eine richtige Entscheidung getroffen. Mehr ist dieser akustischen Dokumentation mit Seltenheitswert nicht hinzuzufügen.
Line-up:
Sleepy John Estes (vocals, rhythm guitar)
Sunnyland Slim (piano)
Jimmy Dawkins (lead guitar)
Carey Bell (harp - #2, 4)
Earl Hooker (bass - #3, 9, 11, 13)
Joe Harper (bass - #1, 2, 4, 5, 6, 7, 8, 10, 12)
Odie Payne, Jr. (drums)
Tracklist
01:I Ain't Gonna Sell It (3:09)
02:Laura Had A Dream (4:03)
03:Divin' Duck Blues (4:22)
04:Walking Down Beale Street (2:58)
05:Everbody Oughta Make A Change (5:07)
06:Need More Blues (5:40)
07:Drop Down Mama (3:49)
08:Airplane Blues (4:22)
09:How To Sing These Blues (3:07)
10:Sweet Little Flower (3:43)
11:May West (4:57)
12:Easin' Back To Tennessee (3:56)
13:Newport Blues (5:05)
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