Fahrenheit 212 / Vaka Teatea
Vaka Teatea Spielzeit: 56:00
Medium: CD
Label: Soundfire Records, 2016
Stil: Heavy (Deutsch)Rock

Review vom 11.04.2016


Ulli Heiser
Das sind die spannenden Momente im Leben eines Musikliebhabers, wenn er eine Scheibe in den Player legt, deren Inhalt er nicht mal erahnen kann, da ihm die Band unbekannt ist. Was wird es auf die Lauscher geben? Was kann man entdecken?
Im Falle von Fahrenheit 212 assoziiere ich erst mal eine Temperatur. 100° Celsius, um genau zu sein. Da kocht das Wasser, es brodelt. Und genau so beginnt die Scheibe. Instrumental, metallisch, mit einem leicht progressiven Touch. Dann plötzlich und unerwartet, knallen brachial die ersten Worte aus den Lautsprechern:

»Ein Vater der säuft
eine Mutter die brüllt
eine Schwester die kokst
und die Zukunft verhüllt«
[...]
Es wird also in deutscher Sprache gesungen, was ein Blick ins ausführliche, toll aufgemachte, wenn auch etwas schwer lesbare, Booklet bestätigt. Nun die Sichtung der liebevoll erstellten Begleitdokumente des Labels Sound Fire Records: Und ja, die Namen der Musiker bestätigen die Herkunft der Band. Dass sie ihre Stücke in ihrer Muttersprache intonieren ist beachtenswert, denn man kann sie verstehen und muss sich den Hörern somit nicht nur handwerklich an den Instrumenten stellen. Englische Lyrics haben den Vorteil, dass man sich erst mal nur auf die Musik konzentrieren kann. Wenn man der Sprache zudem nicht so mächtig ist, jeden gebrüllten Fetzen zu verstehen, dann ist das oftmals ein Segen.
Die Band aus Brandenburg wurde 1992 gegründet und hat mit Carsten F. Hiller sowie Patrick Lyhs noch zwei Gründungsmitglieder im Line-up. Es gab ein paar Besetzungswechsel und seit 2008 steht mit Oliver Kranz ein Sänger am Mikro, dessen Wurzeln im Southern Rock und Grunge liegen. Seine markant rauchige Stimme harmoniert perfekt mit dieser Mischung aus Metal und Rock.
"Vaka Teatea" ist ein Konzeptalbum, inspiriert durch Musizieren auf der Osterinsel - als erste europäische Rockband übrigens. Zusammen mit Folkloremusikern der Insel und begleitet von einem Dokuteam hat sich laut Bandseite die Sichtweise der Musiker sowohl persönlich als auch musikalisch verändert. Gesprochen wird auf der Insel Rapanui, und der Name des Albums "Vaka Teatea" bedeutet in dieser Sprache 'weißes Schiff'. Dieses Schiff, dessen Kapitän Hoffnung heißt, treibt in "Rapa Nui", dessen Anfangstext ich weiter oben zitiere, auf die Insel zu und lässt die Kinder hoffen...
Geschichten der Inselbewohner, immer irgendwie mit dem weißen Schiff verbunden ziehen sich durch das Album, welches musikalisch auf harten Schienen fährt. Heavy und schwer brodelt es zu Texten, die es verdient haben, verfolgt zu werden. Rockigen Gitarrenpassagen stehen metallisch düstere Strukturen gegenüber. Bass und Schlagzeug treiben und peitschen das Schiff erbarmungslos durch die Wellen. Im Titeltrack gibt es gar einen Chor, der uns auf Rapanui zeigt, wie diese Sprache klingt.
Fahrenheit 212 hat alles richtig gemacht, das Konzept ist außerdem in weiten Teilen portierbar, also nicht nur auf die Folklore der Osterinsel beschränkt. "Ihr Paradies" ist zum Beispiel so ein Song, der wohl in allen Ländern dieser Welt zustimmendes Nicken erzeugt. Noch dazu besitzt er einen dermaßen mitreißenden Refrain, dass man einfach nicht umhin kommt, mitzutönen.
Bei 100° Celsius kocht das Wasser - Fahrenheit 212 kocht auch, mit diesen vorwärtstreibenden Geschichten von der Osterinsel.
Line-up:
Carsten F. Hiller (Schlagzeug)
Oliver Kranz (Gesang)
Kay Gerling Bassmann (Bass)
Patrick Lyhs (Gitarre)

Natalya Flach (Saxofon - #15)
Chor - #6:
Andra Strutzke, Andy Kühne, Angelina Dühring, Anna Strutzke
Anne Anders, Annika Borkowski, Bianca Petr, Conny Mühlbach
Emma Kühne, Falco Weinhold, Heidi Petr, Juliette Simon, Marco
Gallus, Marco Kuhnert, Marcel Schlüter, Nadjeschda Johanna
Peggy Döring, Sophie Marian Lyhs, Tobias Ziegler, Gutschi
Tracklist
01:Mana
02:Rapa Nui
03:Sein Paradies
04:Spiessrutenlauf
05:Ich will raus
06:Vaka Teatea
07:Bunte Träume II
08:Ihr Paradies
09:Ra'a
10:Die Flucht
11:Aufbruch
12:Iorana Rapa Nui
13:Dieser Weg
14:Anakena
15:Nach dem Sturm
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