Faun / Akustiktour 2010/2011
18.03.2011 Kammgarn Kulturzentrum Kaiserslautern
Kammgarn Faun
Kammgarn Kulturzentrum Kaiserslautern
18. März 2011
Konzertbericht
Stil: Mittelalter
Fotos: © Nadja Feickert


Artikel vom 23. März 2011


Sabine Feickert
FaunWeniger ist mehr!
Erstaunlich, mit wie wenig ganz viel Atmosphäre entstehen kann, wenn jemand weiß, wie viel von diesem Wenigen er wie und wann einsetzen muss.
Die Faune beweisen auf ihrer Akustik-Tour, dass sie es meisterhaft verstehen, mit einem absoluten Minimum eine zauberhafte Stimmung zu schaffen. Vier Musiker auf der Bühne und zwei Magier an Licht und Ton versetzen das Publikum in einen Sommernachtstraum und das Mitte März!
FaunEin großer Samtvorhang, der je nach Beleuchtung von blau über rot bis grün erscheint, mit dem Bandnamen als Schriftzug, ein paar Efeuranken um die Mikroständer geschlungen, was in der reinen Beschreibung vielleicht lächerlich oder kitschig erscheint, ergibt auf der Bühne die vollkommene Illusion eines zauberhaften Märchenwaldes. Die Musiker tragen schlichte Gewänder, Männlein schwarz, Weiblein weiß und mehr ist gar nicht nötig. Das, was im Optischen seinen Anfang nimmt, setzt sich im Musikalischen fort. Neben dem gekonnten Zusammenspiel lässt Faun viel Raum für Soli.
Eine Flöte - und dem Zuhörer rieselt ein wohliger Schauer über den Rücken.
Eine Harfe - und die ersten Härchen stellen sich auf.
Die Percussion so sanft und sensibel gespielt - sorgt für Gänsehaut pur. Mit leichtem Klopfen und Streicheln der Trommelfelle zieht Rüdiger Maul die Zuhörer mit seinem Solo in seinen Bann und als die anderen Instrumente wieder einsetzen, entlädt das Publikum die Anspannung in einem spontanen Applaus, mitten im Lied.
FaunGanz spannend wird das Ganze durch die Kontraste der Musikerpersönlichkeiten. Während Oliver und Rairda eher extrovertiert und temperamentvoll agieren, stellen Rüdiger und Fiona zwei in sich ruhende Pole mit einer ganz klaren und starken Präsenz dar.
Dass das Ganze nicht in eine rein theatralische Inszenierung abgleitet, dafür sorgt Oliver s. Tyr mit seinen Ansagen, die vor trockenem Humor nur so strotzen und dabei auch den Bezug zur Gegenwart mit ihren Problemen wie Umweltverschmutzung, den aktuellen Vorgängen in Japan und der Gier der Menschen herstellen.
FaunEr vergleicht die Politiker mit einer alten Frau, die immer schneller strickt, weil sie befürchtet, dass ihr sonst die Wolle nicht reicht. Und doch kann er auch darin das Gute erkennen, nämlich dass derlei Unrecht durch alle Zeiten zu einem ergiebigen Fundus an schönen Protestliedern geführt hat, aus dem auch die Faune schöpfen können. Auch sein Märchen, das er vor der halbstündigen Pause erzählt, handelt von einem immer aktuellen Thema, nämlich durch welche Einflüsse wir zu Leistungen angetrieben werden können.
Halbstündige Pause?
Ach ja, ich vergaß...
FaunDie Faun Akustik Tour findet in ausgewählten, bestuhlten Locations statt, in Kaiserslautern ist das die Kammgarn, eine ehemalige Textilfabrik, die heute als stilvolles Kulturzentrum dient. Die Stuhlreihen standen recht eng und so war diese Pause durchaus sinnvoll, um Getränkenachschub, bzw. deren Entsorgung ohne ständige Störung des Programms zu gewährleisten. Bei der Gesamtdauer von fast drei Stunden (inklusive Pause) eine durchaus sinnvolle Sache. Der überwiegende Teil des Publikums konnte sich auf diese Rahmenbedingungen auch sehr gut einlassen und die melancholischen, romantischen Balladen in einem ruhigen und entspannten Ambiente genießen. Lediglich ein unermüdliches Selbstdarstellerpärchen wollte sich nicht auf diesen Rahmen beschränken und sorgte mit dissonantem Schellenkranz, Mitklatschen außer Takt und sonderbaren sphärischen Tänzen, die wohl den zuvor im Übermaß genossenen Substanzen Ausdruck verleihen sollten, für Unmut bei den anderen Konzertbesuchern.
Die restlichen etwa 300 Gäste bestanden zu einem großen Teil aus der schwarzen Szene, viele 'Normalbürger', einige wenige mittelalterlich 'Gewandete', einzelne Kerle im Kilt und andere Individualisten in der Altersspanne von fünf bis 85 Jahren.
FaunMit Standing Ovations forderten die Zuhörer die Zugaben ein und ganz sicher wird ein großer Teil sich wieder in der Kammgarn einfinden, wenn Faun dort im November das neue Album live vorstellen wird.
War mir selbst Faun bisher nur von der Konserve geläufig und dort bei den Alben angesiedelt, die zwar immer wieder in den Player wandern, aber nicht unbedingt zu den ganz heißen Favoriten gehören, hat sich meine Einschätzung mit ihrem Konzert in der Kammgarn jetzt doch deutlich geändert. Gerade im kleinen Setting beweisen sie ihr Können, ja ihre Kunst.
Um die Wartezeit bis zum neuen Album zu überbrücken und die Erinnerung an diesen unvergesslichen Abend aufzufrischen, werden die bisherigen Silberlinge jetzt ganz sicher sehr viel häufiger den Weg in die Anlage finden.
Ganz herzlichen Dank an Angelika Kuhn vom Kammgarn Kulturzentrum für die problemlose Akkreditierung.

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Line-up:
Oliver s. Tyr (Gesang, Schlüsselfiedel, keltische Harfe, irische Bouzouki, Mandocello & Laute)
Fiona Rüggeberg (Gesang, Flöten, Dudelsack, Hackbrett, Rebab, Chalumeaux & Fujara)
Rairda (Gesang, keltische Harfe, Flöten & Drehleier)
Rüdiger Maul (Perkussion)
Faun
Tracklist
01:Sao Roma
02:Ne Aludj El
03:Belle Dame sans Merci
04:Karuna
05:Zauberhaft
06:Hanter Dro
07:Herr Heinerich
08:Ballade des äußeren Lebens
09:Oliver erzählt ein Märchen
10:Da que deus
11:Königin
12:Adam Lay Ybounden
13:Polska
14:Brücke über den Main
15:Erkenekor
16:Cuncti Simus
17:Tinta
18:König von Thule
19:Fort
Externe Links: