Feine Herren / Gedankenspiel
Gedankenspiel Spielzeit: 39:37
Medium: CD
Label: STF-Records, 2011
Stil: Punk Rock

Review vom 05.04.2012


Moritz Alves
Hinter dem leider extrem einfallslosen Coverartwork von "Gedankenspiel" (das muss doch jemand völlig verkatert mal eben schnell am PC zusammengeschustert habenů!) verbirgt sich eine ganz gutklassige Deutschpunk-Scheibe der Feinen Herren aus Brandenburg - Punk 'N Rock nennen sie ihre Musikrichtung und möchten damit wohl explizit den rockigen Aspekt hervorgehoben wissen - wenn sie damit meinen, dass ihre Songs eher eingängig-moderat denn wild und aggressiv klingen, dann hat das unbedingt seine Berechtigung.
Textlich deckt der Vierer die üblichen genretypischen Aspekte ab - neben Songs über sich selbst (z.B. "Wir", "Feine Herren" inklusive Bandnamen-Dropping) und den Lebensalltag (z.B. "Abgrund der Nacht", "Vendetta") gibt's Gedanken zur Suche nach dem Sinn und Lebenskrisen (z.B. "Koma", "Grausames Tun", "Carpe Diem") - es fehlen hier allerdings die politischen Themen, denn die Feinen Herren setzen eher auf die persönliche Ebene und sind textlich, so viel sei hier verraten, nicht unanspruchsvoll.
Musikalisch gesehen regiert ein unkomplizierter, geradliniger, kompromissloser Punk Rock-Sound, der - wie gesagt - keine wilde Schlagseite hat, dafür aber unterschwellig immer nachdenklich wirkt. Etwas dumpf und eine Spur zu 'retro' produziert dringen die Songs aus den Lautsprechermembranen. Hier hätte der Mensch am Mischpult doch etwas mehr Klarheit und Moderne einfließen lassen können, dann wäre der insgesamt leider recht gleichförmige Gesang von Matze sicher auch etwas spannender rübergekommen. Live wird die Chose sicherlich derbe gut funktionieren, aber auf Albumlänge finde ich das "Gedankenspiel" dann doch etwas zu eintönig.
Eigenständig ist diese Scheibe zweifellos, und gerade die bittersüße Halbballade "(Un)Glück", die ihrem Titel sehr gerecht wird, sowie der rhythmische Opener "Jetzt erst recht!" stechen hier genauso heraus wie das Trinkerlied "Wir" mit seinem gnadenlos guten Refrain sowie das Stakkato-artige "Narzissmus" mit schneidendem Gesang. Ihr kompositorisches Meisterwerk hat die Band mit "Carpe Diem" aber bis zum Schluss aufgehoben. Fragt sich nur, ob der Hörer bis dorthin durchhältů
Unterm Strich bleibt nämlich ein nur mittelmäßiges Punk Rock-Album, das sicherlich mit einigen guten Ideen punkten kann, insgesamt allerdings viel zu unspektakulär ist, um sich dauerhaft in den Gehörgängen einnisten zu können. Ich wünsche mir, dass die Feinen Herren weiter an sich arbeiten und besonders in Sachen Produktion und Optik (dieses Coverů argh!) demnächst etwas mehr auf der Pfanne haben.
Line-up:
Bane (Schlagzeug)
Ben (Lead-Gitarre)
Matze (Gesang, Bass)
Christian (Rhythmus-Gitarre, Zweitgesang)
Tracklist
01:Jetzt erst recht! (4:08)
02:Wir (4:12)
03:Abgrund der Nacht (4:07)
04:Vendetta (3:27)
05:Feine Herren (1:31)
06:Koma (3:24)
07:Grausames Tun (5:28)
08:(Un)Glück (5:14)
09:Narzissmus (4:08)
10:Carpe Diem (3:58)
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