Firebird / Grand Union
Grand Union Spielzeit: 48:15
Medium: CD
Label: Rise Above Records, 2009
Stil: Blues Rock / Rock

Review vom 29.05.2009


Andrea Groh
Wer den Namen Bill Steer kennt, assoziiert damit Grindcore und Death Metal, da er Gründungsmitglied von Carcass war und auch durch seine Zeit bei Napalm Death bekannt wurde. Man denkt also an derbe Pathologenmeucheltexte oder heftiges Geprügel, unterlegt mit politischen und sozialkritischen Inhalten.
Bei seiner neuen Band Firebird, die 2007 bei dem Tapestry Festival ihren ersten Auftritt hatte, aber schon lange vorher existierte, sollte man diese Gedanken schleunigst vergessen. Wer das Debüt Hot Wings kennt, ist ja schon vorgewarnt. An alle anderen: Vorsicht! Unbedingt vorher reinhören, sonst ist die Verwunderung (und wahrscheinlich auch Enttäuschung) groß.
Denn Bill Steer hat wohl den Plattenschrank seiner Eltern entdeckt und lieben gelernt und schwimmt nun auf der Blues-/Classic Rock-Retro-Welle mit. Ja, richtig gelesen. Nicht nur Jungspunde wandeln auf den Spuren von Led Zeppelin und Co., auch ein legendärer britischer Grindcoreler hat sich schon vor Jahren in diese Richtung weiter- bzw. zurückentwickelt.
Damit stieß er natürlich auf Begeisterung bei Lee Dorian, mit dem er 1987-1989 bei Napalm Death zusammengespielt hat, der die Grinder verlassen hatte, um bei Cathedral tempomäßig das Gegenteil auszuleben und dann das Label Rise Above gründete, für das er mit Vorliebe entweder superlangsame Doom-Bands, oder Musik aus der Zeit der Schlaghosen und Hippies signierte.
Firebird gehen teilweise sogar noch weiter an die Wurzeln, greifen nicht nur auf die 70er zurück, wie es im Moment recht angesagt ist, sondern scheuen sich auch nicht vor den 60ern. Ihre Beschäftigung mit dieser Zeit zeigt sich sogar in gleich drei Coverversionen: "Fool For You" von James Taylor, "Worried Mind" von Duster Bennett und "Four Day Creep" von Humble Pie. Alles eher unbekannte Songs, keine Singlehits. Daher als Geschichtslektion interessant, wobei die Coverquote mit 3 von 12 Songs, also ein Viertel, schon recht hoch ist.
Denn die eigene Musik sollte ja auch nicht zu kurz kommen. Diese klingt trotz Vergangenheitsbezug zwar absichtlich angenehm altmodisch, dennoch nicht etwa altbacken oder angestaubt, sondern hat fette Riffs und ist heavy. Es rockt, es hat Feeling, schöne Gitarrenparts - wer auf knackigen alten Hard Rock mit Blues-Einschlag steht, sollte in "Grand Union" ruhig mal reinhören. Witzigerweise kann ich dazu das erste ("Blue Flame") und letzte Lied besonders empfehlen, mein Favorit ist dabei "Caledonia" .
Problem ist hierbei allerdings: Wer Bill Steer mit seiner Vergangenheit kennt und mag, wird daran vielleicht nicht unbedingt Gefallen finden, je nach Offenheit, Toleranz und Bandbreite im musikalischen Spektrum. Hingegen diejenigen, die solche Musik gerne hören, werden sie nicht gerade bei jemandem suchen, der in Krachknüppel-Bands gespielt hat. Schade, wenn sie sich abschrecken lassen und Firebird gar nicht erst kennen lernen (wollen), weil sie nicht über den Tellerrand schauen (werden).
Der 'Feuervogel' ist kein Pleitegeier geworden, auch kein bunter Paradiesvogel - was er sicher auch nicht sein wollte -, er ist ein etwas seltsames und dennoch interessantes Wesen, dem es gelingt, mit seinen Schwingen die Jahrzehnte zu überspannen und sie in der "Grand Union" zu vereinigen.
Line-up:
Bill Steer (vocals, guitar)
Ludwig Witt (drums)
Smok Smoczkiewicz (bass)
Tracklist
01:Blue Flame
02:Jack The Lad
03:Lonely Road
04:Fool For You
05:Silent Stranger
06:Release Me
07:Wild Honey
08:Cold Label
09:Worried Mind
10:See the Light
11:Four Day Creep
12:Caledonia
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