Fleetwood Mac / Shrine '69
Shrine '69 Spielzeit: 43:42
Medium: CD
Label: Rykodisc, 1969
Stil: Blues


Review vom 22.12.2010

    
Wolfgang Giese
Eigentlich könnte ich die Rezi mit diesen einleitenden Worten dergestalt beenden: Haben müssen! Kaufen!
'Schrein': »ein auf den Sarkophag zurückgehendes Reliquiar in der Grundform eines Kastens, Hauses oder Sakralbaus«, so Wikipedia. Was hat das nun mit dieser Live-Aufnahme von Fleetwood Mac vom 25.Januar 1969 zu tun? Nun ja, vielleicht belassen wir es damit, dass wir diese Aufnahmen doch als wertvoll und in gewisser Weise als heilig betrachten, oder? Aber ich will es verraten: Der Ort, an dem dieses Konzert aufgezeichnet wurde, hieß ganz schlicht und einfach Shrine Exposition Hall.
Noch vor den legendären Aufnahmen aus Boston (die fanden 1970 statt), ist diese Live-Einspielung also entstanden, und das hört man auch. Anders als bei den Boston-Gigs, wo sich die Band bereits für lange Improvisationen und eine Hinwendung zum Rock auszeichnete, spielt hier der Blues noch eine größere Rolle. Straffere Arrangements und das mit 6:59 Minuten längste Stück belegen dieses. Die Soundqualität ist, relativ gesehen, unter Berücksichtigung des Standards jener Tage, gut.
Nach dem Einstimmen ("Tune Up") mit Ansage, geht es dann mit einem Slow Blues voller Inbrunst, für die Peter Green und Danny Kirwan hier die Garanten sind, los. "If You Be My Baby" ist wirklich klasse dargeboten!
Kirwan darf seine emotionale Stärke sogleich mit seinem Stück "Something Inside Of Me" zur Schau stellen. Meine Güte, da laufen einem ja kalte Schauer über den Rücken! In diesem Umfeld geht es weiter und mit "Albatross" sowie "Need Your Love So Bad" werden zwei damalige Hits in packenden Live-Versionen dargeboten. Vor allem beim zweiten Song kniet sich Green derart hinein, dass auch dieser Titel zum Gänsehautsong wird. Nur bei "Rollin' Man" und dem mir bis dato unbekannten "Lemon Squeezer" wird es etwas uptempo und beim Finale kommt Jeremy Spencer mit "Great Balls Of Fire" dann endlich, seiner Leidenschaft gemäß, rock'n'rollend am Piano zum Zuge.
Ansonsten slidet Spencer gekonnt, wie man es seinerzeit von ihm gewohnt war. Auf "My Sweet Baby" allerdings auch sehr zurückhaltend sanft, im Gegensatz zu seinen sonst eher kraftvollen Darbietungen, ferner singt er diesen Titel auch.
Im Gegensatz zu vielen Live-Veröffentlichungen, die oft mittelmäßig vom Sound, als auch von der musikalischen Qualität waren, ist diese Show für mich eines der wichtigsten dokumentierten Konzerte mit einem hohen Qualitätsanspruch. Gut, dass das ein gewisser Dinky Dawson damals aufgezeichnet hat!
Mit diesem Gig jedenfalls haben Fleetwood Mac unterstrichen, eine der damaligen besten weißen Bluesbands gewesen zu sein. Und das Beste ist sicherlich, dass Peter Green hier noch mental voll auf der Höhe zu sein scheint, er lieferte eine brillante Vorstellung - gesanglich wie an der Gitarre.
Line-up:
Peter Green (guitar, mouth harp, vocals)
Jeremy Spencer (slide guitar, piano, vocals)
Danny Kirwan (guitar, vocals)
John McVie (bass)
Mick Fleetwood (drums)
Tracklist
01:Tune Up (2:10)
02:If You Be My Baby [Adams, Green] (4:28)
03:Something Inside Of Me [Kirwan] (4:03)
04:My Sweet Baby [Williamson] (4:26)
05:Albatross [Green] (3:26)
06:Before The Beginning [Green] (3:05)
07:Rollin' Man [Adams, Green] (5:33)
08:Lemon Squeezer [Lane] (5:29)
09:Need Your Love So Bad [Little Willie John] (6:59)
10:Great Balls Of Fire [Blackwell, Hammer] (2:59)
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