Fooled Again / Pieces
Pieces Spielzeit: 45:52
Medium: CD
Label: BTM Musikverlag, 2016
Stil: Blues Rock

Review vom 24.04.2016


Joachim 'Joe' Brookes
Der Bandname Fooled Again hat nichts mit dem The Who-Hit "Won't Get Fooled Again" zu tun. »David Geis (Gitarre/Gesang), Tobias Becker (Bass) und Oliver Kölsch (Schlagzeug) trafen sich Ende 2015, um Gefühl, Energie, Leidenschaft, reichlich Spaß und ihre Idee von handgemachter Musik in die Pipeline zu geben.«
Das Debütalbum "Pieces" gibt einen ersten, umfassenden Eindruck von all dem, was im Zitat Erwähnung fand. Neun Eigenkompositionen stehen auf dem Programm der vorliegenden Platte und selbstredend möchte man dem präsentierten Blues Rock seinen eigenen Stempel aufdrücken.
In einem Booklet-Bild springt das Power-Trio aus der Pfalz mit geballter Faust im Gegenlicht in die Höhe. Dieses Foto ist schon symbolträchtig, denn Fooled Again hat es drauf. Der Blues Rock, auch in verlangsamter Fassung, ist sehr gut gereift und kann sich sehen, oder besser hören lassen.
Schon der Opener "One Of A Kind" lässt Hoffnungen für die nächsten acht Tracks der CD aufkeimen. Was das Trio in der ersten Nummer bietet ist pumpend-treibender Blues Rock der Schwergewichtsklasse. Toll auch die phasenweise verfremdeten Vocals von Frontmann David Geis. Solche Arrangements haben was für sich. Die Riffs fliegen einem förmlich um die Ohren und das Gitarrensolo kommt direkt aus dem Zentrum des Genres. Die Eröffnung ist sehr gut gelungen und hält den Hörer definitiv bei der Stange.
Von der Spielzeit her gesehen stechen zwei Tracks hervor. Einerseits ist es "Harder Than", andererseits "By Your Side". Fooled Again kredenzt uns zwei Slow-Blueser erster Kajüte. Da weiß der Hörer ziemlich schnell, wo der 12-Takter-Hammer beim Trio hängt, denn diese beiden Lieder sind auch Sahnestücke der Scheibe. David Geis' Stimmbänder sind mit feinem Schmirgelpapier bearbeitet worden und seine Stimme hat das Timbre der leichten Rauheit. So etwas passt natürlich gut zur Musik des Trios aus dem Südwesten der Republik. Oliver Kölsch (nein, hier gibt es kein Wortspiel bezüglich seines Nachnamens) hält den Track mit einem sensiblen Drumming am Köcheln und David Geis zeigt feinste Qualitäten auf dem Sechssaiter. Gefühlvoll gleiten seine Finger quasi über das Fretboard. Bassmann Tobis Becker zupft einen melodischen Tieftöner, der in allen Belangen von Emotionen gekrönt ist. Der Werdegang der Combo ist zwar noch verdammt jung, aber eine Nummer wie "Harder Than" könnte zukünftig zu einem Klassiker werden.
Da fragt man sich, ob das abschließende "By Your Side" auch dieses Niveau hält? Gut sieben Minuten befinden sich unter der Kritiker-Lupe. Hey, wo kommt denn der Gesang her? Klingt jetzt in gewisser Weise wie eine Art Fremdkörper in der Song-Struktur. Gegenüber der Stimme steht die Musik etwas zu sehr im Vordergrund. Musikalisch kann man allerdings auch hier nicht meckern. Das Lied ist gut und auf der Gitarre werden Emotionen im Sekundentakt geboten. Mit seinem Solo fliegt David Geis in höheren Sphären. Dieses Stück lebt von einer ordentlichen Dynamik.
Fooled Again hat so manche Überraschung auf Lager. Da gibt es zum Beispiel eine Komposition namens "Wintertime", ebenfalls in ruhigerem Fahrwasser angesiedelt. Herrlich der Groove, herrlich das leicht-locker-swingende Jazz-Ambiente und zwischendrin hat man tolle Tempo-Varianten eingebaut. Das Stück strahlt Wärme aus und endet nachdenklich.
Aber Fooled Again steht ja für den Blues Rock und davon bekommt der Hörer in den anderen eine gehörige Portion geliefert. "Last Song" hat ein wenig Southern-Flair und bei "Finger On You" nimmt die Formation die Einfahrt zum Highway des Blues. Mit steigendem Tempo befindet man sich zunächst auf der Beschleunigungsspur und dann geht es direkt auf die Überholspur. Klasse! Das Titelstück "Pieces" ist zu Beginn verhalten. Man erwartet eine weitere Ballade, aber dann kommt eine gehörige Dynamik ins Spiel. Ein vom Wah Wah-Pedal gesteuertes Solo macht den Braten fett.
Fooled Again präsentiert mit "Pieces" ein Debütalbum, das mit ausschließlich Eigenkompositionen eine sehr gute Mischung aus Blues Rock und langsamen Nummern bietet. Man darf gespannt sein, wie sich das Trio weiterentwickelt. Aus meiner Sicht ist mit den neun Songs ein erster, aber entscheidender Schritt nach vorne gemacht worden.
Line-up:
David Geis (guitar, vocals)
Tobias Becker (bass, vocals)
Oliver Kölsch (drums)
Tracklist
01:One Of A Kind
02:Kept This Song
03:Harder Than
04:Spiderman
05:Pieces
06:Last Song
07:Wintertime
08:Finger On You
09:By Your Side
Externe Links: