FX3 / Spacemusic
Spacemusic Spielzeit: 42:38
Medium: CD
Label: AreaDB, 2013
Stil: Space Rock

Review vom 23.10.2013


Joachim 'Joe' Brookes
Wo "Spacemusic" drauf steht, ist Space Rock drin. Die Lokführer Sandro und Bine von der Formation D-Zug wechseln das Gefährt und werden bei FX3 gemeinsam mit Dadel sowie Der Schneiderer zu Astronauten, die sich in den Weltraum aufmachen, dabei aber auch die Kirche im Dorf lassen. Warum die letzte Formulierung so gewählt wurde, hat unter anderem mit zumindest einer Konzert-Location des Quartetts zu tun. Die St. Maria Magdalena Kirche in Menden-Bösperde war in der Vergangenheit Ort zweier Auftritte von FX3. Bei einem Track auf "Spacemusic" kommt man fast von ganz alleine auf die Idee, dass diese Musik auch in einer Kirche ihren Platz haben kann, denn "Voyager" haftet ohne Zweifel ein kathedrales Ambiente an der Kutte. Der Kreis zum Space Rock schließt sich, denn schließlich steht die Kirche ja auch als Symbol für etwas Höheres, was durchaus auch finanzielle Aspekte betrifft.
Der Bandname FX3 klingt so steril, nach Labor, künstlich erzeugten, chemischen Stoffen. "Spacemusic" ist fernab von diesen Sprühnebeln und steht für flirrende, extrovertierte, elektrisierende Klänge, bei denen »no synthesizers were used! « Die Songs wurden in Sandro Szabos Baywindow Studio eingespielt und nun sollte das Instrument von Dadel nicht länger ein sakrales Geheimnis bleiben, denn er setzt das Didgeridoo ein. Hey, es gibt eine deutsche Band, die zwar andere Musik macht, diese wird allerdings auf Alphörnern präsentiert. Space Rock mit Didgeridoo-Einsatz ... eine Variante, die einem nicht alle Tage in den Player kommt.
Mit 'Prolog' sowie 'Epilog' und seinem Hauptteil "New World" nimmt das dreiteilige, über fünfzehnminütige Stück eine zentrale Position auf der vorliegenden Platte ein. Relativ schnell kommen aus der Stille des Weltraums wabernde Kirchenorgelklänge auf den Hörer zu, die sich dann ganz langsam zu einem von der Gitarre angedeuteten Thema auf den Weg zum Space Rock machen. Das Didgeridoo akzentuiert die Hintergründe und sehr gut passt die Percussion in den ersten Eindruck von FX3. Nicht nur mit einem ausgedehnten, toll arrangierten Songfinale erweckt die Vorgeschichte zu "New World" Aufsehen und macht neugierig.
"New World" selbst beginnt mit einem von Bines Bass gezauberten sphärisch-schwebenen Ambiente und wird in seinem Verlauf immer dynamischer und intensiver. Sandros Gitarren-Exkurse driften in extrem rockende Dimensionen und dabei spielt sich Dadels Didgeridoo, mal mehr, mal weniger, in den Vordergrund. Festzustellen bleibt, dass "New World" den Kosmos rockt und FX3 davon so manche Space Jam-Band durchaus einen Raketenantrieb ausleihen könnte. Am Schluss der Scheibe dann das Nachwort des Vierers zu dieser Nummer. Modulierende Klänge werden von einem Cello-/Streicher-Sound abgelöst und diese bilden die zentrale musikalische Aussage der letzten vier schwebenden Minuten.
Mit "Electrifire" präsentiert die Combo das wohl härteste Instrumentalstück der Scheibe. Hier feiert Sandros E-Gitarre zum Teil schon freakige Urstände. Da gibt es keinen begrenzenden Zaun für die Emotionen. Die Sechssaiterklänge drängen in den Himmel und drüber hinaus, wobei die Rhythmusabteilung für eine erdende Bodenhaftung sorgt. Phasenweise agiert Sandro hier solo. "Echoes" steht ganz im Zeichen des Groove. Fantastisch ist hier das Bassarrangement von Bine. Diese weitere instrumentale Nummer ist lebt von dem organischen Zusammenspiel aller FX3-Mitglieder. "Hertzschlag", so steht es auf der Rückseite des fein gestalteten Digipak. Im Informationsblatt zur CD heißt es "Herzschlag". Bei dem richtig geradeaus rockenden Stück würde aus meiner Sicht die eine oder auch andere Schreibweise passen. Hertz ist unter anderem die Einheit für Schwingungen und darüber verfügt die Nummer definitiv. Hier kommt, maßgeblich vom Didgeridoo begleitet, Der Schneiderer mit solistischen Ausflügen zum Zug. Auf diesem Tonträger mag "Das Licht" so etwas wie ein Querverweis zur Band D-Zug sein.
FX3 hat mit "Spacemusic" eine sehr abwechslungsreiche Platte auf den Markt gebracht und auch die Livevideos der Band sind sehr interessant. Das Album macht Appetit auf mehr Klangcollagen aus dem Hause FX3.
Line-up:
Sandor (guitar, vocals)
Bine (bass)
Dadel (didgeridoo)
Der Schneiderer (drums)
Tracklist
01:New World [Prolog] (5:23)
02:Echoes (6:14)
03:Voyage (3:44)
04:Electrifire (5:33)
05:New World (6:02)
06:Das Licht (5:30)
07:Hertzschlag (6:11)
08:New World [Epilog] (4:01)
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