Jim Ford / Big Mouth USA
(The Unissued Paramount Album)
Big Mouth USA (The Unissued Paramount Album) Spielzeit: 33:49
Medium: CD
Label: Bear Family Records, 2009 (1973)
Stil: Country Soul
 

Review vom 25.06.2009


Markus Kerren
Also, wer mal einen höchsteffizienten und garantiert zum Erfolg führenden Kurs in Sachen 'Wie ruiniere ich meine eigene Karriere' absolvieren will, der sollte sich unbedingt die Lebensgeschichte von Jim Ford zu Gemüte führen. Wie in einem vorherigen Review bereits ausgeführt, veröffentlichte der Texaner mit "Harlan County" (1968) einen absoluten Country Soul-Klassiker, nur um danach kurz vor der Fertigstellung seines zweiten, gleichnamigen Albums so dermaßenů ähemů schlagartig bei den Bossen seines neuen Arbeitgebers Capitol Records in Ungnade zu fallen, dass die Produktion der Scheibe und jeglicher Kontakt zu Ford umgehend abgebrochen wurde.
Ein wahres Trauerspiel, denn Jim Ford (1970) hatte jede Menge zu bieten. Im Jahr 1973 unterzeichnete er schließlich seinen nächsten Deal, dieses Mal mit Paramount Records. Es ging also wieder ins Studio und Jim Ford konnte (laut Booklet) einmal mehr die Crème de la Crème der L.A.-Studiomusiker um sich versammeln. Drei der Songs des unveröffentlichten Vorgänger-Albums fanden ihren Weg auch wieder auf "Big Mouth USA" ('Großmaul USA'). Allerdings in vollkommen anderen und überarbeiteten Versionen.
Der größte Unterschied bei dem hier zu besprechenden Album liegt darin, dass der Country-Anteil wesentlich höher ist, als das noch zuvor der Fall war. Allerdings war Jim Ford kein Mann für Nashville-Schmalz über Liebe, Religion und die Schönheit der Natur ("Big Bouquet Of Roses" sollte mit einem heftig zwinkernden Auge verstanden werden). Sehr beherzt, mit Ellenbogen und Dreck unter den Fingernägeln geht es zu, was den qualitativ einmal mehr großartigen Songs allerdings überhaupt nichts anhaben kann. Vielmehr gibt es ihnen sogar noch ein Stück mehr Atmosphäre und Aussagekraft. Natürlich trägt auch die damals nicht vollständig abgeschlossene Produktion ihr Scherflein bei.
Der erste Track, der es aus der Capitol-Episode auch auf dieses Album geschafft hat, ist der Titel-Song, der hier jedoch kaum soulig bzw. gospelig, sondern als harte Country-, am Country Rock grenzende Nummer gebracht wird. Auch in dieser Form ein absoluter Killer und mitreißend. Das komplette Album kann allerdings keinesfalls als reine Country-Scheibe angesehen werden, denn Ford kann auch hier seine Soul-Wurzeln nämlich so gar nicht verbergen. Deutlich festzustellen zum Beispiel auf "If There's A Will There's A Way", "Mixed Green" oder auch "I Call Her Baby".
Außer "Big Mouth USA" wurden von dem Vorgänger noch "Rising Sign" und "Whicha Way" (zuvor "Wonder What They'll Do With Today" betitelt) neu aufbereitet. Auch hier gilt wieder mal: Einen richtig starken Track kriegt man nicht kaputt, egal in welcher Stilrichtung man ihn bringt. Bei unter anderem "If I Go Country" wird wieder stark mit dem Funk geflirtet und mit "He Turns My Radio On" ist ein weiterer, sehr starker und hitverdächtiger Song vertreten.
Speziell wenn man sich vor Augen führt, wie sehr die Singer/Songwriter-Szene in den frühen Siebzigern boomte, ist es nicht auszumalen, was für einen umwerfenden Erfolg Jim Ford damals sehr wahrscheinlich gehabt hätte, hätten ihm sein Lebensstil und seine menschlichen Umgangsformen nicht immer und immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen.
Auch das Album "Big Mouth USA" wurde aus Gründen, auf die im Innencover dieses schönen Digi-Paks schon erst gar nicht mehr eingegangen wird, nie veröffentlicht. Lediglich die Single "Big Mouth USA"/"Rising Sign" erschien damals im Jahr 1973, bevor auch Paramount Records recht schnell den Mantel des Schweigens über Jim Ford legte. Von nicht zu unterschätzendem Wert ist daher wieder einmal die Arbeit von Bear Family Records, ungehobene Schätze wie z.B. die Alben dieses Musikers wieder entdeckt zu haben.
Wenn man auch bei diesem Jim Ford-Album nicht von einer glasklaren Studio-Produktion heutigen Standards ausgehen darf, so kann ich diesen Musiker und jedes einzelne seiner, auf Bear Family Records erschienenen Alben dennoch ohne Einschränkung empfehlen. Jim Ford, der vor wenigen Jahren vollkommen verarmt in einer Wohnwagensiedlung tot in seinem Auto aufgefunden wurde, ist ein bisher unentdeckter Schatz. Ein Juwel, das sich zeitlebens aus, wohl nur ihm selbst bekannten Gründen, weigerte zu glänzen und stattdessen das Leben im Straßengraben vorzog.
Tracklist
01:Big Mouth USA
02:He Turns My Radio On
03:Family Tree
04:Mixed Green
05:Rising Sign
06:I Call Her Baby
07:If There's A Will There's A Way
08:If I Go Country
09:Big Bouquet Of Roses
10:Whicha Way
Externe Links: