G.O.D. / Celtic Shadows
Celtic Shadows Spielzeit: 75:45
Medium: CD
Label: DMG Germany/Broken Silence, 2009
Stil: Celtic Rock

Review vom 05.08.2009


Norbert Neugebauer
Seit zehn Jahren mit 1.400 Auftritten international (lt. Promotext) und als Vorband für namhafte Künstler unterschiedlicher Genres auf Tour, 15 Studio- + Livealben, dazu Hörspiele, Musicals und reichlich sonstige Aktivitäten - G.O.D. hat ganz schön was aufzuweisen. Umso erstaunlicher, dass diese Band aus dem hessischen Lautertal bei uns medial noch nicht aufgetaucht ist. Und auch der durchaus an keltischer Musik interessierte Rezensent hat davon bisher nichts mitgekriegt.
Nun, mit dem jetzt vorliegenden 16. Werk wollen wir diesen weißen Fleck auf der RockTimes-Landkarte tilgen. Hauptverantwortlich für das Bandgeschehen zeichnet Michael M. Jung, Mastermind, Bandchef, Produzent, Stückeschreiber, Arrangeur, Sänger, Gitarrist, Keyboarder, Comedian An seiner Seite bei dieser Produktion Dominik Roesch (violin, backing vocals), Sascha Lotz (acoustic guitar, guitar-keyboard system), Thomas 'Elton' Scharf (bass, backing vocals), Dunday (bass, backing vocals), Alex Golup (drums), Alex Heinz (drums) sowie als Gäste Milan Saros (percussion), Stefan Walker (sax), das Pete Sanders Trio (horns), Sean O'Donnell (pipes), Steffen Petri (flute) und Tony Megan (piano).
Die Musik von G.O.D. ist, wie unschwer auch am Albumtitel erkennbar, keltisch gegründet. Allerdings vermengt mit vielerlei Einflüssen, stilistisch wie genremäßig. Neben den typischen Irish und Scottish Basic Folk Tunes, bietet das Album Mittelalterliches, Reggae-Variationen und das Ganze gewürzt mit allerlei Ethno Pop-, Hard Rock- und Metal-Zutaten. Zu Beginn die typischen Celtic Rock-Balladen, die auch gleich ordentlich in die Beine gehen: "The Devil In The Candymanstore" (der "Drunken Sailor" lässt grüßen), "God And The Crown", "Dancing With The Polarbear" (mit seltsamen Blubber-Keyboards)". Dann wird's crossovernd, bei "King Or Rebel" tobt ein heißes Sax durch die Szenerie, "The Wild Lady" dubbt mit schwerem Ska-Riddim, bei "The One Night Stand" dröhnt die Balkan-Bläser-Abteilung. Schwülstige Borderlinestimmung mit "The Rattlesnakeman" (samt Santana-Intermezzo), Capercaillie-Feeling bei "10000 Miles", Metal-Äxte bei "Wild Dreams", Schräges bei "In Love With A Vampire" und entspannt Karibisches mit "I Don't Want To Loose You". "Tunnel Of Tears" wartet mit einem "Smoke On The Water"-Riff auf, mittelalterlich-speedig wird's mit "Loosing Myself" und dem instrumentalen "The Burning Witch". Einen grandiosen Abschluss hätte das Album mit dem psychedelisch-sphärigen "El Ray", einem Hammer-Stück mit fünf Minuten, bei dem sicher etliche Anlagen an ihre Dynamikgrenzen stoßen. Wenn, ja wenn dann nicht noch "Herbert" käme Was dieser Hesse-Comedy im Stil der Rodgau Monotones oder Badesalz auf so einer Platte soll, das wird nur der Herr M. M. Jung wissen. Überflüssig und zudem den ganzen guten Eindruck abturnend!
Das Jung'sche Projekt G.O.D. (angesichts der omnipotenten Präsenz des 'Masterminds' fällt es mir schwer, an eine echte Band zu glauben) zeigt sich auf dem 75-minütigen Werk äußerst vielfältig, der Obermacher samt seinen Mitstreitern gibt reichlich Proben seiner »unglaublichen Kreativität« (Promo-Text). Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer. Zumindest für den Rezensenten, der zum ersten Mal mit der Musik von G.O.D. konfrontiert wird. Jedes einzelne Stück für sich ist gut gemacht, abwechslungsreich arrangiert und gekonnt üppig instrumentiert. Aber auf diesem Album ist einfach zuviel gewollt und gemacht. Und die angeraute Erzählstimme von Jung passt gut für die Balladen, auf Dauer wirkt sie angestrengt, es fehlt ihr dann doch an Variabilität und Volumen. Live mag das sicher gut funktionieren, da wird es wohl unter der Gewandeten richtig abgehen. Aber zuhause erschlägt dann doch diese Opulenz an Stilen und Richtungen. Auf ein gängiges Maß von vielleicht Zweidritteln der Spielzeit konzentriert, hätte es wohl richtig gut gepasst. Aber so freuen sich sicher die Fans der Band und des populären Independent-Fantasy-Celtic Rock-Genres.
Unseren Lesern seien mal ein paar Anspieltipps ans Herz gelegt: "God And The Crown", "The Wild Lady", "The Burning Witch", "El Ray" (!).
Tracklist
01:The Devil In The Candymanstore
02:God And The Crown
03:Dancing With A Polarbear
04:King Or Rebel
05:The White Lady
06:The One Night Stand Polka
07:The Rattlesnakeman
08:10000 Miles
09:Wild Dreams
10:In Love With A Vampire
11:I Don't Want To Loose You
12:Tunnel Of Tears
13:Loosing Myself
14:The Burning Witch
15:El Ray
16:Herbert
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