Glyder / Playground For Life
Playground For Life Spielzeit: 40:06
Medium: CD
Label: Bad Reputation, 2007
Stil: Rock

Review vom 04.02.2008


Norbert Neugebauer
Anderthalb Jahre nach ihrem (dank entsprechender Promotion) vielbeachteten Debüt legen die Thin Lizzy-Epigonen Glyder aus Irland nach. "Playground For Life" heißt der Nachfolger und ist mit 40 Minuten nur unwesentlich ausführlicher geworden. Das Mehr wurde gleichmäßig auf die zehn Songs verteilt, die also alle im kompakten Format liegen. Diesmal haben wir auch das reguläre Album statt eines abgespeckten Promo-Produkts bekommen und so können wir die schöne Artwork auf dem Cover und im Booklet mit den Texten würdigen. Sehr ansprechend, was Mark Wilkinson da gestylt hat. Wie in den guten alten LP-Tagen, als auch darauf viel Wert gelegt und zu Markenzeichen vieler Bands wurde. Ja, lang ist's her
Und genau da machen Glyder weiter, die uns ja auf ihrem Erstling mit einem 70er Jahre-Hardrock-Mix mit Schwerpunkt Thin Lizzy beglückt haben. Allerdings bei weitem nicht mehr so 'verdammt nah am Original' und zitatenhaft, sondern schon wesentlich eigenständiger. Aufgenommen wurde in Nordirland, diesmal zeichnet die Band selbst mit Alwyn Walker für die Produktion verantwortlich. Ziehvater Chris Tsangarides mischte das Ganze nur noch ab, genauso erstklassig und druckvoll wie das erste Album.
Auch nach mehreren Hördurchgängen über einen längeren Zeitraum ergibt sich jedoch kein rundum geschlossener Eindruck. Zeitweise liegt ein unterkühlter, melancholischer Touch über dem Album. Der Opener "Gamblers Blues", gleichzeitig das längste Stück, gibt die Richtung vor. Hardrock mit den klassischen Zutaten - Riffgitarren, Pumpbass, Großformat-Schlagzeug, Rhythmuswechsel, Solopassagen, melodischer Chorus . Aber schon mal bemerkenswert durch das über die Tom Toms wirbelnde Drumming und die markante Stimme von Tony Cullen. Dieses rauchige Timbre, das nur noch streckenweise nach Phil Lynott klingt, hat was Entscheidendes. Ein starker Auftakt! Der unmittelbar in "Sweets" übergeht und das schmeckt nun doch deutlich nach Lizzy mit Sabbath-Soße. "Puppet Queen" ist dagegen die reine irische Rock-Lehre. Beim krachenden Titeltrack wird's mit tiefen Gitarren deutlich heavier und komplexer. Klasse die hallenden Basskugeln (Vorsicht bei schwachen Boxen!) und das Outro mit akustischer Gitarre. Eine ausgesprochen gut gemachte Nummer!
Vernünftigerweise legen Glyder dann erstmal eine Atempause ein, "For Your Skin" ist schätzungsweise das, was die werten Kollegen aus der Rüstkammer gern als 'Halbballade' bezeichnen. Die Gitarre könnte gut von Leslie West stammen, als er noch drei Zentner wog. Dann kommen die nächsten reinrassigen Lizzy-Nummern. Die erste heißt seltsamerweise ausgerechnet "Walking My Own Ground" »( I won't walk in no mans shoes)«. Und auch beim folgenden "Dark Meets Light" können wir im Geiste Crazy Phil mit seinen wechselnden Sidemen aufmarschieren sehen. Mit flächigen Keyboards in den langsameren Passagen bringt "Sleeping Gun" neue Farben ins Spiel. Dafür knüppelt "Over and Over" mit einer satten Metal Axe wieder kräftig auf die Trommelfelle. Und schon wären wir beim Finale. "The Merrygoround" ist ein seltsam melancholischer Song mit Chorgesang, der durch kurze metallische Brett-Riffs kontrastiert wird.
Wieder ein gutes Album, ein klarer Fortschritt gegenüber dem keineswegs schwachen Debüt. Aber noch sind Glyder nicht aus den Lizzy & Konsorten-Schuhen heraus. Die Band nimmt durchaus eigene Konturen an und wir bleiben gespannt! Was "Playground For Life" auszeichnet, ist das intelligente Songwriting, Variabilität im Stil und bei der Instrumentierung (die wohl dosierten Keyboards von Alwyn Walker und Chris Tsangarides auf diversen Tracks sind willkommene Ergänzungen) sowie der satte Sound. Professionalität in jeder Hinsicht. Ihr Hardrock ist keineswegs mehr der der siebziger Jahre, das klingt durchaus aktuell. Kein Wunder, dass Glyder altgediente wie jüngere Rockfans anturnen, wobei sich der Rezensent keineswegs ausnimmt. Wenn die Iren so weitermachen und sich irgendwann ganz von ihren Schatten lösen, dann könnten wir uns mal wieder auf eine richtig große 'klassische' Rockband von jenseits des Kanals freuen!
Line-up:
Tony Cullen (vocals, bass)
Bat Kisane (guitar)
Pete Fisher (guitar)
Davy Ryan (drums)
Tracklist
01:Gamblers Blues
02:Sweets
03:Puppet Queen
04:Playground For Life
05:For Your Skin
06:Walkin' My Own Ground
07:Dark Meets Light
08.Sleeping Gun
09:Over And Over
10:The Merrygoround
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