Greenshape / Storyteller
Storyteller Spielzeit: 34:09
Medium: CD
Label: Sober & Gentle, 2012
Stil: Singer/Songwriter / Indie

Review vom 15.09.2012


Sabine Feickert
Schönes Beispiel, welche Erwartungen der erste optische Eindruck wecken kann:
Rein anhand des Coverbilds war ich auf Alternative Rock der etwas härteren Sorte eingestellt.
Eine echte Überraschung war dann das, was aus den Boxen perlte einfach schöne Musik. Sehr cool aber melodiös, dabei jedoch frei von allen kitschigen Verschnörkelungen oder kommerziell ausgerichteten Verpopungen.
Musik zum Eintauchen und gut dabei fühlen, die nicht nur beim ersten Hören Bestand hat, sondern auch ganz viele Durchläufe schafft, ohne Überdruss zu erzeugen.
Und viele, sogar sehr viele Durchläufe hat die Scheibe bei mir schon jetzt hinter sich. Was zum einen an der (leider wieder mal) recht kurzen Spielzeit liegt. Zum anderen daran, dass ich die ganze Zeit das komische Gefühl hatte, da ist noch was. Was dieses 'Was' ist, konnte ich ganz lang nicht ausmachen.
Deshalb und auch weil die Musik wirklich schön ist und sich total gut hören lässt durfte sie wieder und wieder im Player rotieren. Und wieder und wieder rotierte in meinem Hinterkopf die Frage, was dieses 'was' ist, das dieses komische Gefühl bei mir erzeugt überhaupt kein ungutes, einfach nur so ein neugieriges Hängenbleiben.
Das französische Label Sober & Gentle, das schon unsere Grit mit Hey Hey My My in Luxuslaune versetzte, hat uns die Scheibe geschickt und gibt an, Greenshape habe »mit seinem Debüt ein sehr fragiles Konstrukt zwischen Singer/Songwriter und fein austariertem Indie Pop« abgeliefert. Die stilistische Einordnung ist nicht unpassend und so ganz allmählich komme ich meinem komischen Gefühl auf die Spur. Es hängt ein Wölkchen französischen Flairs über "Storyteller". Aber auch das ist es noch nicht ganz.
Der wiederholte Blick ins Booklet bringt dann so allmählich die Erkenntnis, was dieses Hängenbleiben verursacht. Die (englischen) Texte!!
Die Worte selbst sind schon (zumeist) ganz richtig, doch Satzbildung und Sprachmelodie sind kein Stück englisch oder amerikanisch. Man kann, guten Willen vorausgesetzt, durchaus erkennen, was gemeint ist. Aber es klingt irgendwie quer und kreuz. Was den Stücken aber durchaus einen ganz eigenen Charme verleiht und der Musik nicht wirklich schadet. Dennoch hört es sich so ungewohnt und ungewöhnlich an, dass es bei mir dieses undefinierbare Gefühl verursacht hat.
Nichtsdestotrotz ist das Album ein wirklich schönes und auf jeden Fall eine handfeste Empfehlung wert.
Und wer ist dieser Musiker, den man sich merken sollte?
Der 27-jährige Regis Israel alias Greenshape wurde vom Stiefvater, der ihm die 60er und 70er Jahre nahe brachte, musikalisch geprägt. Die Seattle-Szene beeinflusste seine Jugend. Zu Weihnachten gab es irgendwann eine Gitarre, die sich als Geschenk des Himmels entpuppen sollte. Doch zunächst macht er Erfahrungen mit Drogen und Alkohol, startet eine Karriere als Amateurboxer, die durch eine unglückliche Verletzung vorzeitig beendet wird das nächste Geschenk des Himmels?
Im POP IN in Paris wird er von Stéphane Gille von Sober & Gentle entdeckt und mit nach Austin, Texas genommen. Im Studio-Boot von Tore Johansson in Schweden wurde das vorliegende Album aufgenommen. Doch nicht etwa hoppladihopp, sondern die Songs durften sich entwickeln und von der Zusammenarbeit mit dem Produzenten Tore und dem Pianisten Martin Gjestad profitieren.
»Suddenly, the songs take on a new dimension and quality that I never dreamed possible« meint Greenshape dazu.
Da gesellte sich dann noch wohltuende Professionalität zu Talent, Gefühl und Sensibilität. Das Ergebnis ist ein richtig feines Teil - wer mal reinhören mag, dem sei "Feel Better" oder "Everglades" ganz besonders ans Herz gelegt.
Line-up:
Greenshape (vocals, acoustic guitar)
Tore Johansson (bass, electric guitar, banjo)
Martin Gjestad (keyboards)
Petter Lindgard (drums, clave)
Amelia Jakobsson Boyarsky (cello)
Filip Runesson (violin, viola)
Peter Minorsson (backing vocals - #10)
Vilma Johansson (backing vocals - #9)
Susanne Johansson (backing vocals - #9)
Inez Johansson (backing vocals - #9)
Ella Johansson (backing vocals - #9)
Ruben Gjerstad (backing vocals - #9)
Samuel Steen (backing vocals - #9)
Lona Malmenborg Sundin (backing vocals - #9)
Tracklist
01:Storyteller
02:Seed And Sand
03:Pound After Pound
04:Everglades
05:Feel Better
06:In Your Land
07:Chloe's House
08:Please
09:Overlord
10:No Reason
11:When
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