Guru Guru - Live On Tour 2008
Live On Tour 2008 Spielzeit: 70:47
Medium: CD
Label: Trance Music, 2009
Stil: Krautrock


Review vom 14.04.2009


Tom Machoy
Die neueste Guru Guru-CD ist da!
Keine neuen Titel??
Warum auch?
Wer kann schon auf 40 Jahre Tourjubiläum schauen? Wer kann von sich sagen, seit 32 Jahren eines der, tja, wie sag ich's nun... besten? stärksten? GEILSTEN Festivals in diesem Rahmen durchzuführen?
FinkenbachFestivals mit Guru Guru, Manis Projekten (z.B. Lover 303) und Bands aus dem Guru Guru-Umfeld wie z.B. Kraan, Birth Control (auch solche Felsen [da hast du eben noch mal die Kurve gekriegt, mit deinem Klammertext. Anm.: Ulli, absoluter Nossi-Fan]), Damo, Dissidenten, Grandmothers, aber auch Louisiana Red oder Champion Jack Dupree. Und das mit ziemlicher Regelmäßigkeit. Denn zum 26. Mal jährte sich das Finkenbach-Festival im vergangenen Jahr. Also - da muss man einfach nicht permanent Neues produzieren.
Und da komme ich auch schon zur Musik, ansatzlos. So ähnlich, wie auf dem Finkenbach Festival, gab es das Konzert am 3. Juli Wochenende auf dem Burg Herzberg Open Air (mit Spezialgast Herrn Kawabata Makoto von den Acid Mother Temple). Einfach grandios, wie diese Männer diese Musik zelebrierten. Die hielt nichts auf, es gab keine technische Schwierigkeiten (wie batterielose/-leere Mikrofone (?)), die Mani nicht bewältigen konnte - nahm er eben mal sein Mikrofon, hüpfte und tanzte zu den 'Bedürftigen' (Hans Reffert) und ehe es sich die Techniker versahen, sang eben jener in Manis Mikro (so geschehen bei "Pow Wow", ist wahr!!). Ja, Improvisation zeichnet gerade diese Musiker aus; da wird weitergespielt… lass es doch regnen!
Guru GuruEingespielt bis in den letzten Ton und nicht ein bisschen leise, kommen die alten und neuen Titel daher, wobei aber keinesfalls die Routine überwiegt, dafür ist viel zu viel Spiel- und Experimentierfreude dabei. Und das nicht allein: Wenn der Reisende zwischen den Erdwelten und Zeiten, Mani Neumeier, seinen Jutesack mit all den Schellen, Zimpeln und und und… auf der Bühne ausbreitet und einen genialen Percussionssound ZAUBERT - jedes Mal ein Leckerbissen für Auge und Ohr ("Ooga Booga Special").
Und wer kennt es nicht, das »Bum, BumBumBum - I'm a forestman, I'm living in the woods«, wenn Mani mit der Trommel am Bühnenrand steht. Das ist Tradition, das ist ganz einfach wahrer KULT! Und dazu zählt diese Band!!
Was, kein Guru Guru-Konzert gesehen? Tja, da haste was verpasst im Leben (mitleidiger Blick)! Oder besagtes "Pow Wow", mit diesem wahnsinnig-guten indianischen Gesang von Hans Reffert an seiner Lapsteel-Gitarre. Da läuft es mir jedes Mal den Rücken runter, das ist einfach nicht zu toppen. So viel Stimme, so viel Inbrunst! Jeder weiß, was geschehen wird und eben das geschieht; unglaublich gut. Peter Kühmstedt am Bass ist nicht zu überhören (z.B. "Dark Blue Star", "Izmiz") und man kann ihn auch nicht überhören. Meist stoisch stehend, oft in Miles-Davis-Manier mit dem Rücken zum Publikum, ringt er seinen Saiten die tiefen Töne ab, hammermäßig, eindringlich, Rhythmus-bestimmend.
In vielen Teilen dieser Welt zu Hause, kommen die dort gesammelten und erworbenen musikalischen Erfahrungen absolut zum Tragen. Gesanglich wie instrumental werden alle Register gezogen und alle Instrumente eingesetzt. Da trötet Roland Schaeffer in "Izmiz" auf der Nadaswaram indischen Sound. Multiinstrumental will ich ihn mal nennen, denn neben diesem Blasinstrument gibt er alles am Saxofon (und in "Tribes And Vibes" gibt es wahrlich viel Saxofon zu blasen) und an der Gitarre. Und das ganz abgesehen von seinen vokalistischen Einlagen. Der Bass hat neben den Duckstimmen, in denen auch die Band vorgestellt wird (jedes Mal witzig) durch seine Vordergründigkeit schon fast so etwas wie einen Solopart. Es ist immer was los, nie wird es langweilig, was auch an der Vielschichtigkeit der Musik liegt: Rockig, funkig, jazzig, schräg, eben die besondere Art von Krautrock. Alles Könner, jeder ein Unikum, es ist eine Freude ein solches Konzert erleben zu können, ganz, ganz großartig.
Guru GuruUnd was ist kein Klassiker bei Guru Guru? "Ooga Booga Special" ist mit seinen jedes mal anders klingenden Schlagzeug- und Percussionssoli (hier ist Mani Neumeier in Höchstform - »... you want more?«), mit experimentierfreudigen, wabernden Gitarrengewittern und dem hämmernden Bass als tragendem Instrument schon lange zum Klassiker geworden. Oder ich sag nur - "Elektrolurch (hier: "Mutation").
Jeder weiß, wo er wohnt: in der Lüsterklemme! Was er ist: »Volt, Watt, Ampere, Ohm, ohne mich gibt's keinen Strom!« Da werden die alles entscheidenden Fragen gestellt, wie zum Beispiel: »Was bedeutet eigentlich der Name Guru Guru?« Und da gibt es -zig Antworten, weil das nämlich eine sehr schwere Frage ist. Und das geht von »…täglich fit mit drei Gramm Shit«, bis »…täglich fit auch ohne Hit«. Oder: »Was macht Ihr eigentlich, wenn Ihr mal älter seid?« Eine sehr gute Frage übrigens. Und zu all dem Manis Kostüme oder besser Verkleidung? Da muss auch schon mal ein Weißkraut als Hut herhalten - Krautrock eben.
Auf der "Live On Tour 2008" gibt es abschließend drei Bonus-Titel, die in Karlsruhe von Eckhard Gallus (ich sag bloß Wallbreaker oder Birth Control) aufgenommen wurden und auf denen Herr Jan Lindquist (z.B. Gitarrenlehrer und Mitspieler bei Hans Refferts Zauberfingern) an der Gitarre tätig ist. Neben "Incarnation Stomp" (irre rockig) und "Red Air", (irgendwie ein typischer Mani Neumeier-Titel: schnell und abgedreht) kommt meine Lieblingsnummer: "Space Baby". Die ist so psychedelisch klasse und glücklicherweise gibt es die auch in längeren Versionen (man nehme sich einen CD-Rohling und brenne sich "Space Baby" so lange in allen Varianten zurecht, bis das Teil voll ist - auch als MP3).
"Space Baby" sagt dir die Wahrheit über dich und nimmt dich mit auf eine weite Reise - was für eine großartige Vorstellung.
Mach die Augen zu und du erlebst es, wenn du Guru Guru hörst!!
Die Musik bekommt von mir die Volle Punktzahl, wie viel das auch immer sind.
[10 Uhren sind das, lieber Tom. Die Red.].
Line-up:
Mani Neumeier (drums, percussions, vocals)
Jan Lindquist (guitar-Bonus)
Roland Schaeffer (guitar, sax,vocals, Nadaswaram)
Peter Kühmstedt (bass)
Hans Reffert (guitar, lapsteel guitar, vocals)
Tracklist
01:Dark Blue Star
02:Wonderland
03:Living In The Woods
04:Izmiz
05:Pow Wow
06:Tribes And Vibes
07:Ooga Booga Special
08:Electrolurch Mutation
09:Incarnation Stomp
10:Read Air
11:Space Baby
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