John Cipollina/Nick Gravenites Band
Rockpalast West Coast Legends Vol. 1
West Coast Legends Vol. 1 Spielzeit: 73:26
Medium: CD
Label: Fresh Fruit/SPV, 2009
Stil: Blues Rock, West Coast Rock

Review vom 11.08.2009


Joachim 'Joe' Brookes
West Coast Rock trifft auf Chicago-Blues oder umgekehrt?
Die damalige amerikanische Szene war auch von Pendlern zwischen den Regionen geprägt. Die musikalische Verbindung von John Cipollina (1943 - 1989) sowie Nick Gravenites kam schon verdammt früh auf die Beine, denn Gravenites produzierte das erste Album von
Quicksilver Messenger Service, dessen Gründungsmitglied Cipollina war.
Der Gitarrist hatte einen unverwechselbaren Sound und zu einer engeren Zusammenarbeit kam es 1980 mit Gravenites' Album "Blue Star", auf dem übrigens ein gewisser Huey Lewis die Harp spielte.
Zu jener Zeit war der Rockpalast bereits in Deutschland auf Achse.
Wie Rüchel im Booklet zu vorliegender Platte schreibt, » gastierte der Rockpalast in den Clubs der Republik und nahm Dutzende von Konzerten auf: In der 'Markthalle' Hamburg, der 'Zeche' Bochum, dem 'Metropol' in Berlin, den 'Satory-Sälen' Köln und der 'Kleinen Westfalenhalle' in Dortmund.«
Eben dort wurde der Gig von der John Cipollina/Nick Gravenites Band aufgezeichnet. Auch wenn es eine kleinere Westfalenhalle gibt, kann man gerade nicht von einem Club sprechen. Das macht sich bei der Atmosphäre des Silberlings bemerkbar.
Die Setlist des Konzerts besteht zum überwiegenden Teil aus Gravenites-Kompositionen. "Pride Of Man" stammt aus der Feder von Hamilton Camp, zwei Titel wurden vom Bassisten Al Staehely geschrieben und die letzte Nummer ("Who Do You Love") ist natürlich vom unvergessenen
Bo Diddley.
Dieses Stück ist nicht gerade in der halbstündigen Version von QMS zu hören.
Immerhin brachte man es seinerzeit auf über elf Minuten. Hier zeigte Cipollina im Besonderen Gitarrenhalsfahrten und was er an Klängen aus seinem Arbeitsgerät herausholen konnte. Der Track entwickelt sich zu einem feinen Jam.
Nur unwesentlich kürzer kommt "Small Walking Box" daher, oder wie auf dem gemeinsamen Live-Album der beiden Gitarristen geschieben ist: "Small Walk-In Box".
Wenn Gravenites den Track ansagt, lässt sich eher auf die zweite Schreibweise schließen. Wie dem auch sei: Der Song entwickelt sich zu einem echten Sechssaiter-Monster mit Boogie und noch viel mehr. Nach einem ausgiebig spielenden Cipollina sollte man die Momente des Bassmann-Solos unbedingt genießen. Nicht nur wegen der Klasse eines Al Staehely, sondern auch wegen des Sounds an dieser Stelle. Ansonsten ist er leider nicht immer so sehr präsent. Bis auf die Gitarren und den Gravenites-Gesang ist der Klang irgendwie nicht überzeugend.
Ansonsten bekommt man allerdings eine sehr gut gefüllte Ladung Musik auf die Ohren.
Ein unzweifelhaftes Highlight ist auch "Buried Alive In The Blues", das Gravenites für Janis Joplin schrieb. Leider konnte sie den Song nie singen, denn sie verstarb am Tag vor dem Studio-Termin und auf "Pearl" gib es den Track nur als Instrumental. Feine Slide-Gitarre (auch solo gespielt) begleitet den Gesang und diese Nummer lässt man sich ebenfalls einiges an Zeit kosten. Das Stück ist schon lange ein Markenzeichen des 1938 in Chicago geborenen Musikers. Neben einigen anderen Tracks hat diese emotionale Komposition wohl den dicksten Blues-Anteil des Gigs.
Ein echter Cover-Song hat sich ebenfalls in die Setlist geschlichen: "Keep On Running" (nicht "... Rinning", wie abgedruckt) von der Spencer Davis Group bringt den Rock'n'Roll in die Hütte. Cipollina serviert den einen oder anderen ungewöhnlichen Ton während seines Spiels, was die Version echt interessant macht.
Mit dem Chicago-Blueser "Bad Luck Baby" trat die Band sozusagen in Vorleistung, denn dieser Song sollte erst 1982 auf dem Album "Monkey Medicine" erscheinen. Bei diesem Track stimmt der Sound.
Insgesamt bekommt der Konsument ein klasse Konzert geboten. Nick Gravenites hat wirklich tolle Songs geschrieben, die in Kooperation mit John Cipollina und viel Bottleneck-Einsatz zu echten Hinhörern werden.
Wenige Abstriche, was den Klang anbelangt, müssen leider gemacht werden. Ansonsten sorgen die Protagonisten für viel Stimmung, auch heute noch. Keep on rockin'!
Line-up:
John Cipollina (guitar)
Nick Gravenites (guitar, lead vocals)
Al Staehely (bass, vocals)
Marcus David (drums)
Tracklist
01:Rockpalast Caption (0:14)
02:Southside (2:52)
03:Junkyard In Malibu (7:45)
04:Signs Of Life (4:10)
05:My Party (4:07)
06:Small Walking Box (10:15)
07:Pride Of Man (4:38)
08:Bad Luck Baby (7:09)
09:Hot Rods And Cool Women (4:11)
10:I'll Pull The Trigger (3:51)
11:Keep On Running (4:27)
12:Buried Alive In The Blues (8:14)
13:Who Do You Love (11:26)
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