Andy Houscheid / Von hier aus weiter
Von hier aus weiter Spielzeit: 55:00
Medium: CD
Label: Timezone Records, 2013
Stil: Deutsch-Pop

Review vom 22.02.2014


Sabine Feickert
»Etwas feingeistigen, melancholischen Deutsch-Pop« hat uns die Promoterin angekündigt und mir damit erstmal kräftiges Stirnrunzeln beschert. Nur zu oft hat sich unter diesem Deckmäntelchen schon bedeutungsschwangeres bis peinliches Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Geträller in meinen Player geschlichen. Wirklich gute Scheiben in diesem Genre sind nicht unbedingt dicht gesät, oft fehlt es an der eigenen Linie, am erforderlichen Können, speziell bei den Texten. Vielleicht bin ich mittlerweile aber auch zu voreingenommen, mag sein. Jedenfalls bin ich mit einer gehörigen Portion Skepsis an Andy Houscheids "Von hier aus weiter" rangegangen.
Vielleicht auch nicht die schlechteste Haltung, denn wer wenig erwartet, kann auch angenehm überrascht werden. So wie hier zum Beispiel. Zwar erfindet Houscheid beileibe nicht das Rad neu, doch er vermag mich zu überzeugen. Die Informationen über ihn sind eher sparsam gehalten. Jahrgang 1983 ist er, hat mit 13 Jahren begonnen in Ensembles und Bands zu singen und Klavier zu spielen. An Konservatorien in Luxemburg, Brüssel und Leipzig studierte er Jazzpiano, unterrichtet es heute selbst an der 'Ecole de musique de Dudelange' in Luxemburg. Als Jazztrio ist er mit Max Malkomes am Kontrabass und Olivier Chavet am Schlagzeug aktiv, dieser Silberling wurde allerdings mit der Andy Houscheid Band in deutlich größerer Besetzung aufgenommen.
Was beim ersten flüchtigen Hören noch wie durchaus gut gemachter, aber relativ unspektakulärer Deutsch-Pop vor sich hin plätschert, zeigt beim genaueren und intensiven Zuhören tiefere Qualitäten. Der Pop wird mit ganz zart dosierten, ganz leicht jazzig angehauchten Anklängen verfeinert, genau so viel, dass die Chose zwar durchaus eingängig und melodisch, niemals aber billig vorhersehbar daherkommt.
Als Grundstimmung zieht sich Nachdenklichkeit durch die 55 Minuten Laufzeit, die Songs sind weitgehend eher langsam, teils melancholisch, variieren aber innerhalb dieser Befindlichkeit durchaus und sind erfreulich weit von Mannheimer Weinerlichkeit weg. Also zumindest von der, die aus der Pelham/Naidoo-Ecke kommt, denn ab und an gibt’s bei mir leichte Assoziationen zu Laith Al Deen. Schon beim Opener "Schweben" glaube ich, eine ganz leichte Ähnlichkeit (ganz allgemein) zu vernehmen, trotz Duett mit Anke Filbrich. "Auf ihren Reisen" lässt mich an Al Deens "Kleine Helden" denken, präsentiert sich aber wesentlich raffinierter und tiefschichtiger. Das soll nun aber niemanden abschrecken, der den nicht mag oder nur die Radiohits von ihm kennt. Andersrum wird aber wahrscheinlich ein Schuh draus – wer den mag, könnte hier vielleicht eine echte Entdeckung machen.
"Kleine Welt", ein weiteres Duett mit Anke, bringt eine noch wärmere Nuance ein – überhaupt 'warm' ist eine gute Charakterisierung für die Musik. Sehr wahrscheinlich ist das auch ein Grund, warum sich diese CD so positiv gegen viele Genrekollegen abhebt.
Okay, das Argument mit dem musikalischen Können lassen wir natürlich auch gelten, genauso wie die beiden ausgesprochen gut harmonierenden, aber auch allein überzeugenden, Gesangsstimmen. Nicht zu vergessen die gekonnt und songdienlich gespielten Instrumente.
Als Anspieltipps lege ich euch mal "Kind" ans Herz, das mit Pianogeklimper und Ankes Gesang seinen Charme spielen lässt; saisonal bedingt dürfen natürlich die "Frühlingsträumereien" nicht fehlen und auch die Fernwehnummer "Fahrtwind" lässt die Gedanken schweifen.
Alles in allem eine wirklich angenehme, hochwertige Deutsch Pop-Scheibe mit viel schönem Piano, zwei tollen Gesangsstimmen und gehobenerem Niveau. Sehr schön gemacht!!
Line-up:
Olivier Chavet (Schlagzeug)
Daniel Chavet (Gitarren)
Manfred Hilgers (Bass)
Anke Filbrich (Gesang)
Andy Houscheid (Piano, Keys, Gesang)
Alfred Krauss (Akkordeon - #14)
Tracklist
01:Schweben
02:Noch immer die Träume
03:Auf ihren Reisen
04:Kleine Welt
05:Nicht für jeden
06:Das Beste
07:Kind
08:Frühlingsträumereien
09:Zwischen Zeilen
10:Freier Fall
11:Nichts zu verlieren
12:Es bleibt
13:Fahrtwind
14:Kein schlechter Mensch
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