Deborah Henriksson / Traces
Traces Spielzeit: 42:56
Medium: CD
Label: DHP Records, 2014
Stil: Celtic Folk

Review vom 31.10.2014


Sabine Feickert
"Traces" Spuren, so heißt das mir vorliegende, aktuelle Album der in Schweden lebenden Amerikanerin Deborah Henriksson. Spuren hatte bei mir schon die vorhergehende Platte
The Heart's Cry hinterlassen. Waren auf dieser noch einige Coversongs und Traditionals zu finden, hat sich Deborah auf "Traces" gemeinsam mit Produzent und Multiinstrumentalist Mats Nyman auf eigene Songs und Texte konzentriert. Die Lyrics stammen aus Deborahs Feder, Mats vertonte sie. Die Zusammenarbeit der beiden bewährt sich seit Jahren und entwickelt sich immer weiter.
Eine kleine Kostprobe dieser Veröffentlichung konnten RockTimes-Leser bereits in unserem letztjährigen Adventskalender kennenlernen, den Song "Snow Falls" durften wir in diesem Rahmen ganz frisch aus dem Studio präsentieren. Das Gesamtwerk bekam Zeit zum Reifen und Ausfeilen, digital wurde es im Juni der Öffentlichkeit vorgestellt, als CD ist es seit August erhältlich.
Mittlerweile hat der Herbst wieder ganz kräftig Einzug gehalten und dieses Album passt ausgesprochen gut zu den dunkleren, langsameren Tagen, die jetzt anstehen. Es ist ein Album, das zu Kaminfeuer, Kerzenlicht und gemütlichen Abenden zu Hause passt. Es lädt dazu ein, sich Zeit und Muße dafür zu nehmen. Eine Decke über die Beine, die Katze auf dem Schoß und zuhören. Sich darauf einlassen und mitnehmen lassen, wohin auch immer dich als Hörer diese Reise hinführt. Die Texte lassen viel Spielraum, in dem jeder sich selbst und seine eigene Geschichte wiederfinden kann. So wie schon im Opener "Trains", einem Song, der rein musikalisch so ein bisschen Aufbruchstimmung verbreitet, etwas Beschwingtes in sich trägt. Er geht ziemlich schnell ins Ohr und bleibt hängen. Ein total schönes Lied mit Tiefgang, toller Stimmung und bezaubernder Stimme. Stimmungsvoll geht es mit "Fly" weiter, man sieht förmlich eine weite Landschaft vor dem inneren Auge, eine einsame, verlassene Gestalt in der Ferne laufen und bei aller Melancholie kommt doch ganz stark das Gefühl rüber, dass das doch auch irgendwie dazugehört. Loslassen, wieder frei werden.
Es ist ein Album übers Weggehen und Ankommen. Über Spuren, Wege und Verluste. Über Verlassenwerden und Reue. Über Erfahrungen und Gedanken, die 'frau' ab einem gewissen Alter bewegen. 'Mann' ganz sicher auch, nur vielleicht anders.
Es ist ein Album, das zu einem Abend mit einer guten Freundin passt (und auch unter ihren Weihnachtsbaum). Es hält sich unauffällig im Hintergrund und gibt dabei doch Themen wieder, die auch im Gespräch auftauchen. Ich habe das Gefühl, viele dieser Lieder sind aus einer gewissen Distanz geschrieben. An dem Punkt, an dem der schlimmste Schmerz vorbei ist und alles doch irgendwie einen Sinn ergibt.
Es ist aber auch ein Album über "Fallen Disguise", das Weglassen von Maske und Fassade, über die Freude und das Erstaunen, sich selbst dahinter finden. Darüber zu sich selbst zu stehen. Frieden mit sich selbst und der Welt gemacht zu haben. Das Leben, sogar den Winter, und die Liebe genießen zu können. Mit dem offensichtlich richtigen Partner ("Only You").
Die Grundstimmung von "Traces" wirkt nachdenklich, manchmal auch ein wenig wehmütig, dann aber wieder voller Harmonie oder gar Aufbruchstimmung. Und insgesamt doch irgendwie sehr optimistisch. Angekommen. Ausgeglichen und zufrieden. Die Klarheit des Vorgängers wurde beibehalten, wenn nicht noch stärker ausgearbeitet. Eine keltische Linie zieht sich immer noch mehr oder weniger stark durch, doch auch andere Einflüsse lassen sich finden. Dann beispielsweise, wenn der Opener "Trains" überraschend amerikanisch klingt, sich aber trotzdem perfekt ins Gesamtgefüge einpasst. Oder die so schön entspannte Seelenlandschaft "Soulscape", die ganz leicht angejazzt vor sich hinfließt, zwischendurch aber auch eher südliches Temperament und Tempo entwickelt.
Die Texte lassen der Fantasie genügend Raum. Wer sich in diesen Themen finden mag, dem wird das gelingen. Wenn euch nach einem besinnlichen, gemütlichen Abend ist, dann hört mal rein. Ich hol derweil den Rotwein und die Kerzen aus dem Keller. Die Katze witscht dann garantiert auch gleich mit ins Haus...
Line-up:
Deborah Henriksson (vocals)
Mats Nyman (all instruments)
Additional musicians:
Bengt Andersson (guitar - #1,4-10)
Kent Ihrén (backing vocals - #1,4,7,12)
Tracklist
01:Trains
02:Fly
03:Traces
04:Evening Star
05:Eveline
06:Always Near
07:Fallen Disguise
08:Only You
09:Snow Falls
10:I Feel
11:Soulscape
12:Calling
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