Emmylou Harris & Rodney Crowell / 30.05.2013, Admiralspalast, Berlin
Admiralspalast Emmylou Harris & Rodney Crowell
Admiralspalast, Berlin
30.05.2013
Stil: Alternative Country



Konzertbericht vom 06.06.2013

       
Markus Kerren                  Sabine Feickert
Emmylou Harris & Rodney CrowellHoher Besuch hatte sich angesagt: Für gerade mal zwei Konzerte (in Berlin und Hamburg) kamen die beiden Alternative Country-Ikonen Emmylou Harris und Rodney Crowell nach Deutschland, um ihr erstes gemeinsames Album
Old Yellow Moon zu promoten. Diese starke Scheibe versprach bereits sehr viel, doch selbst wenn es sie gar nicht gegeben hätte, wären es die beiden Protagonisten mehr als wert gewesen, eines ihrer Konzerte zu besuchen. Und selbst wenn Crowell in unseren Landen nicht ganz so bekannt ist, ist er in den USA bereits seit Jahrzehnten ein Star.
Die Spannung war auch deshalb groß, weil man sich natürlich fragte, wie sich das Programm außer den Songs der gemeinsamen Platte zusammensetzen würde. Der Admiralspalast war an diesem Abend zwar nicht ausverkauft, aber immerhin zu etwa 95 % gefüllt. Als die Saallichter schließlich erloschen, wurde die Band bzw. vor allem die gute Emmylou erstmal frenetisch begrüßt.
Emmylou Harris & Rodney CrowellMit dem Gram Parsons-Song "Return Of The Grievous Angel" begann die Show dann direkt mit einem absoluten Hammer. Gefolgt von "Wheels" (ebenfalls Gram Parsons bzw. The Flying Burrito Brothers) und der Townes Van Zandt-Nummer "Pancho And Lefty". Alles erstklassig und mit tonnenweise Feeling gebracht, sodass der Verfasser dieser Zeilen nach nur drei Tracks emotional bereits in seine Einzelteile zerlegt war. Emmylou Harris kündigte dann an, dass im zweiten Set die Songs des neuen Albums gespielt würden, während man im ersten (als Support Band für sich selbst sozusagen) zunächst auf die Lieblingssongs der beiden aus vergangenen Jahren zurückgreifen werde.
Und so folgte dann ein Klassiker nach dem anderen, bei denen manchmal Emmy, manchmal Rodney, aber allermeistens beide zusammen die Lead Vocals übernahmen. Weitere Stücke waren beispielsweise "San Antone Rose" (Susanna Clark), "If I Needed You" (Townes Van Zandt), "Houston Kid" Guy Clark, oder "Until I Gain Control Again" (von Emmylous zweitem Soloalbum "Elite Hotel", 1976). Über die nach wie vor tiefe Verbundenheit zwischen der Harris und Gram Parsons wurde bereits ausgiebig geschrieben, aber dass sie auch knappe vierzig Jahre nach dessen Tod noch sechs Songs an einem einzigen Abend brachte, die entweder von ihm oder im direkten Zusammenhang mit ihm stehen, hinterließ zumindest bei mir dann doch nachhaltigen Eindruck.
Emmylou Harris & Rodney CrowellNachdem das erste Set mit "Luxury Liner" und einem abartig guten Gitarrensolo von Jedd Hughes (im Country Picking Style a la Albert Lee) beendet worden war, startete das zweite Set nach einer kurzen Pause eher besinnlich, als zunächst Emmylou alleine, dann mit Rodney Crowell ein paar Stücke ohne Band zum Besten gab. Jetzt war es Zeit für die Songs von "Old Yellow Moon", die auch sehr zahlreich dargeboten wurden. Lediglich ein paar wenige Tracks wurden ausgelassen, während sowohl "Bluebird Wine", "Hanging Up My Heart", "Chase The Feeling"
(Kris Kristofferson) sowie der Titelsong die Hütte bzw. den Admiralspalast zum Kochen brachten.
Emmylou Harris & Rodney CrowellUnbedingt muss auch die Verfassung aller beteiligten Musiker erwähnt werden. Die waren nämlich brillant, spielten nicht nur traumwandlerisch zusammen, sondern man konnte fast schon greifen, was für eine hohe Qualität da bei der Arbeit war. Emmylou schaffte zwar die ganz hohen Töne nicht mehr, war gesanglich als Mittsechzigerin aber nach wie vor unglaublich stark. Immer wieder gelang es, mit ihrer doch sehr einzigartigen Stimme auch eine hohe Emotionalität zu vermitteln. Auch die Kommunikation mit dem Publikum war sehr gelungen und bei den Songansagen wie auch den ganz ruhigen Titeln hätte man eine fallende Stecknadel hören können.
Sehr ergreifend wurde der Abend mit Emmylous "Boulder To Birmingham" (das sie für und über Gram Parsons direkt nach dessen Tod geschrieben hatte) beendet und ein etwa zweieinhalbstündiges Konzert war leider schon wieder Vergangenheit. Ein großartiges Erlebnis mit einer superstarken Band und zwei sehr inspirierten Protagonisten, das wahrscheinlich einzigartig war. Beide haben schließlich parallel zu diesem Projekt ihre Solokarrieren am Laufen. Ein Abend, der so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird.
Wir bedanken uns bei Moderne Welt für die angenehme Zusammenarbeit.
Bilder vom Konzert
Emmylou Harris & Rodney Crowell   Emmylou Harris & Rodney Crowell   Emmylou Harris & Rodney Crowell   Emmylou Harris & Rodney Crowell
Externe Links: