Hamburg Blues Band feat. Arthur Brown
14.10.2011, Quasimodo, Berlin
Quasimodo
Hamburg Blues Band feat. Arthur Brown
Quasimodo, Berlin
14. Oktober 2011
Stil: Rock, Blues Rock
Fotos: Holger Ott


Artikel vom 20.10.2011


Mike Kempf
HBB Wenn mein Kollege Holger an einem Wochenendtag mit laufendem Motor vor meiner Haustür steht, dann heißt es für mich, schnell einsteigen, um irgendeine Band bei deren Berlin-Auftritt zu besuchen. Diesmal gab sich Gert Lange mit seiner Hamburg Blues Band die Ehre. Die Hanseaten hatte ich in den vergangenen Jahren etliche Male live erlebt und bin anschließend immer gut gelaunt nach Hause marschiert. Kein Wunder, so hat der Bandchef immer was Besonderes im Koffer, wenn er mit seiner Kapelle auf Tour geht. Ob Chris Farlowe, Mike Harrison, Maggie Bell oder aktuell noch Clem Clempson, um nur Einige zu nennen, Lange zauberte in der Vergangenheit immer wieder einen Star aus seinem Hut. Diesmal hatte er mit Arthur Brown einen absoluten Kracher, der 1968 mit "Fire" seinen wohl bekanntesten und erfolgreichsten Song herausbrachte, aus dem Ärmel geschüttelt! Ich weiß zwar nicht, wie es das Hamburger Ur-Gestein immer wieder schafft, solch großartige Musikveteranen zu verpflichten, aber egal, er erfüllte uns einen lang gehegten Wunsch, einmal 'The God of Hellfire'-Brown hautnah live zu erleben!
HBB Wie üblich gehörte der erste Teil des Gigs der Band allein, wurde mit "Rockin Chair" und "Make My Day" eröffnet, bestach gleich mit Langes tiefer Rockröhre und seiner soften, rhythmischen Gitarrenarbeit. Dazu die schwitzende und alles gebenden Drummer-Legende Hans Wallbaum, der Frauenschwarm und Bassexperte Michael Becker, der glänzend aufgelegte Keyboard-Spezi Adrian Askew und der erfahrene Edel-Klampfer Clem Clempson. Diese Konstellation reichte den Berliner Fans aus, um fortan die Hamburger mit wahren Beifallstürmen unermüdlich nach vorne zu treiben. Lange, der sich diesmal mit neuem Hut-Outfit und nicht mit gewohntem Basecap auftrat, führte, wie immer mittig platziert, glänzend Regie, freute sich mit unnachahmlichem Grinsen, wenn das Publikum ihr präsentiertes Songmaterial wohlwollend aufsaugte und anschließend mit reichlich Applaus quittierte! Zu den Highlights zählten auch die Duelle von Askew und Clempson, als sie versuchten, nachzuspielen. Im direkten Duell gab es nur einen Gewinner: Die Fans, die die Show-Einlagen mit tosendem Beifall honorierten! Bevor es zu einer für unseren Geschmack etwas zu langen Pause kam, gab es noch den Peter Green-Klassiker "Rattlesnake Shake" auf die Lauscher.
HBB Nach der Pause erzählte Lange den Anwesenden, wie irgendein Reporter versucht hatte, die uns bevorstehende Musikrichtung einzuordnen. So meinte er, dass dieser das von seiner Band mit Arthur Brown Darzubietende in eine Mischung aus Blues Rock und Psychedelic einstufte. Und in der Tat, die Einschätzung des unbekannten Experten traf den Nagel voll auf den Kopf! Als der 69-jährige Engländer die Bühne betrat, durchschwebte das Quasimodo ein Hauch von Magie des Mittelalters. Komplett in einen Umhang eingehüllt, der sogar sein Gesicht verdeckte, hauchte er "Hard Rain" ins Mikro und mein Kollege nutzte die Gelegenheit, sich an den zahlreich bietenden Motiven zu bedienen, jedenfalls drückte sein Zeigefinger fast im Sekundentakt auf den Auslöser seiner Kamera. Folgend erwischte ich mich selbst, als ich bemerkte, dass meine Sinnesorgane nicht mehr von Arthur ablassen konnten! Der Mann versprühte eine unglaubliche Energie, tanzte dermaßen verrückt, dass selbst professionelle Break-Dancer nicht schlecht gestaunt hätten. Und singen kann er! Wahnsinn! So eine kraftvolle, dynamische Stimme hatte ich ihm nicht zugetraut! Wenn sich zufällig unsere Blicke trafen, überzog mich immer ein leichter Rückenschauer, und die Freude von mir und Holger stieg ins Unermessliche. Es war klar, dass das Publikum auf seinen Klassiker "Fire" nicht verzichten wollte und Brown erfüllte ihm den Wunsch. Dabei legte er eine spektakuläre, athletische Performance hin, die wir ihm wegen seines Alters kaum zugetraut hatten. In der Tat, wirkte der Brite ausgesprochen fit, nur seine Falten, die man beim näheren Betrachten seines Gesichts wahrnahm, verrieten sein Alter. Wir malten uns aus, wenn jedes einzelne Fältchen eine Geschichte aus seinem Rockmusikerleben erzählen würde, es müsste eine sehr interessante Biografie entstehen. Dass er aber auch vor Nichts und Niemandem zurückschreckt, bewies er, als er seinen linken Zeigefinger in den Mund steckte, nicht etwa, um anschließend die Zugluft auszuloten, nein, um ihn umgehend auf den abgeranzten Teppich aufzudrücken und sich sogleich eine Kostprobe des Velours gönnte!
HBB Nach gut zwei Stunden reiner Spielzeit inkl. Zugaben, war die Messe, im wahrsten Sinne des Wortes, gelesen. Allein die Tatsache, dass uns Brown im jetzigen Leben vermutlich nicht noch mal über den Weg laufen wird, ließ uns schnurstracks in den Backstage marschieren. Dort angekommen, wurden schnell noch ein paar Erinnerungsfotos geschossen, und Langes freundlich formulierte Worte: »Ist gut jetzt Jungs, hier ist der Backstage, unser Privatbereich«, ließen uns umgehend das Terrain verlassen. Sorry Gert, aber so ist es halt, wenn die Berliner RockTimes-Redakteure jeglichen journalistischen Benimm-Status ablegen und nur noch als reine Fans durch den Club flitzen.
RockTimes bedankt sich bei Gert Lange und Band für die problemlose Akkreditierung, für ein tolles Konzert und dafür, dass wir Arthur Brown wenigstens einmal in unserem Leben live erleben durften!
Line-up:
Gert Lange (vocals, rhytm-guitar)
Clem Clempson (vocals, lead-guitar)
Michael Becker (backing vocals, bass)
Andrian Askew (backing vocals, keyboard)
Hans Wallbaum (backing vocals,drums)

Special Guest:
Arthur Brown (vocals)
Bilder vom Konzert
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