Heljareyga / Same
Same Spielzeit: 48:01
Medium: CD
Label: Black-Bards Entertainment, 2010
Stil: Progressive Folk Metal

Review vom 24.11.2010


Andrea Groh
Was flattert mir da ins Haus? - Viking Metal von den Färöer Inseln? So wird es angepriesen.
Da denke ich spontan an Týr, die zu meinen Favoriten in dieser Sparte gehören, da sie im Gegensatz zu vielen anderen nicht wie besoffene Trolle, die ums Feuer hüpfen, klingen. Ihre Mischung aus altnordischen Melodien und epischem Metal ist recht eigenständig, teilweise eher schleppend, fast schon doomig, dann folkig, manchmal sogar leicht progressiv angehaucht. Auf dem letzten Werk "By The Light Of The Northern Star" wurde das Tempo deutlich angezogen, gleichzeitig die Eingängigkeit durch hymnenhafte Melodien gesteigert.
Týr hatten auch immer einen Sympathiebonus, da ihre Beschäftigung mit der lokalen Vergangenheit glaubwürdig, doch nie übertrieben oder aufgesetzt wirkte. Doch was nutzen die besten Geschichten, wenn sie schlecht vorgetragen werden? Ein weiterer Pluspunkt bei Týr: Nicht nur die Songs überzeugen, auch die Stimme von Heri Joenson weiß (mich) zu begeistern.
Warum ich das alles erzähle? Eben jener Heri hat in den letzten drei Jahren Songs geschrieben, deren Texte ausschließlich färöisch sind (bei Týr kam dies nur manchmal vor) und sich mit Musikern aus anderen Bands (Synarchy und The Apocryphal Order) von den Inseln zusammengetan für sein neues Projekt Heljareyga.
Ein Heljareyga ist ein Loch im Felsen, durch welches die Brandung bei Flut oder schlechtem Wetter aufsteigt. Auf den Färöer Inseln gibt es davon fünfzehn, von 10 cm bis groß genug, dass man hineingehen kann. Manchen Sagen zufolge, kann man so in die Hel, die nordische Unterwelt gelangen.
Aha, mal wieder etwas gelernt. Da soll noch jemand sagen, Metal bildet nicht.
Kommen wir jedoch nun zu den musikalischen Heljareyga:
Beim Hören stellt sich mir die Frage: Wozu bedurfte es hier einer neuen Band? Das hätte doch auch unter dem Banner Týr erscheinen können - was den Vorteil gehabt hätte: Den Begriff hätte man sich besser merken und leichter aussprechen könnenů
Doch wie heißt es so schön: Namen sind Schall und Rauch - und bei einer CD ist es vor allem wichtig, dass sie gut schallt, sprich, gut anzuhören ist.
Genau das ist hier der Fall. Im Gegensatz zu den bisherigen Týr-Veröffentlichungen wird auf dieser Platte mehr auf komplexe, verschachtelte Songstrukturen gesetzt, die Musiker gehen etwas progressiver zu Werke. Das zeigt sich z.B. in langen (Gitarren-)Solo-Passagen, außerdem ist der Einfluss von klassischen Metal-Elementen erkennbar.
Dennoch ist die Basis wiederum im traditionellen nordischen Liedgut zu suchen. Sowohl die Melodieführung als auch Heris Gesang erinnern stark an seine Hauptband. Wer dies dort mochte, wird auch hier daran Gefallen finden können.
In beiden Fällen liegt die Stärke darin, ergreifende Harmonien zu erzeugen, die in ihrer erhabenen Schönheit über den flotten Gitarrenriffs und der Rhythmusbasis schweben.
Heljareyga sind filigran und majestätisch; wie klares Wasser, das durch ein Loch im Felsen aufsteigt - auf den ersten Blick sanft und fast schon zerbrechlich wirkend, doch dann brodelnd und stark durch den Sog.
Musik wie ein Naturschauspiel, eine klangliche Reise zu den Färöer Inseln, die in der nordischen See zwischen Norwegen, Island und den britischen Inseln liegen. Dieser Eindruck wird verstärkt durch die Texte, die ausschließlich in Färöisch gehalten sind, denen gemeinerweise keine Übersetzungen beigefügt sind.
Wer altnordisches Liedgut in einzigartiger metallischer Weise aufbereitet kennen lernen will, sollte mal einen Lauscher riskieren. Týr-Fans dürfen (müssen?) auf jeden Fall zugreifen.
Line-up:
Heri Joensen (vocals, guitar)
John Ivar Venned (guitar)
Amon Djurhuus (drums)
Ken Johannesen (guitar)
Ísak Petersen (bass)
Tracklist
01:Regnið (9:00)
02:Heljareyga (10:12)
03:Lagnan (8:56)
04:Feigdin (8:43)
05:Vetrarbreytin (11:10)
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