Herner Kreuz/ Heimweh
Heimweh Spielzeit: 22:19
Medium: EP
Label: Baumhaus Records, 2009
Stil: Deutschrock

Review vom 07.07.2010


Sabine Feickert
Total eingängige, 80er inspirierte Rockmusik - das war mein erster Eindruck von diesem Silberling.
Ich hatte ihn im Auto laufen, als EP läuft das Teil ja schnell ein paar Mal durch und schon nach kürzester Zeit waren die fünf Nummern für mich wie gute alte Bekannte. Nun ist Herner Kreuz zwar eine ziemlich neugegründete Gruppe (Januar 2009), die Musiker selbst sind jedoch schon bis zu 30 Jahre im Geschäft.
Frontmann Rainer Koslowski war 1982 mit seiner damaligen Band Herne 3 ein großer Hit mit "Immer wieder aufsteh'n" gelungen. Damit war Herne 3 jedoch nicht nur eine kurzlebige und schnell vergessene Erscheinung - 8 Singles, 4 LPs und 3 CDs bis ins Jahr 2002, zeigen das kontinuierliche und musikalisch ergiebige, wenn auch von längeren Pausen unterbrochene, Schaffen der Band auf. Nach einigen Jahren ohne öffentliche musikalische Aktivität traf Koslowski auf den Gitarristen Holger Schmoll und den Schlagzeuger Andreas 'Zett' Zenker, die nach der Trennung von ihrer bisherigen Band Sinister Urge auf der Suche nach neuen musikalischen Herausforderungen waren. Mit Jockel Hamann an Bass und Gitarre und Thomas Spickhofen an den Keyboards war das Herner Kreuz dann vollständig besetzt und verschwand im Proberaum. Im September 2009 begannen dann die ersten Studioaufnahmen und am 26. Dezember 2009 gaben sie ihren ersten Liveauftritt, dem im Jahr 2010 weitere folgen werden.
Auf der EP "Heimweh" zeigen sie einen Überblick über ihre Bandbreite, die von Rock, Rock und nochmal Rock über Country- und Funkeinflüsse bis hin zu Balladen und Hymnen reicht.
Der Opener "Nach vorne los" geht dann auch wirklich gleich nach vorne los - druckvoll und nach vorn drängend sind in diesem 80er Ruhrpott-Rock deutliche Country-Elemente mit verarbeitet.
"Nur für Dich" brachte mich ins Grübeln, an irgendwas erinnert mich die Nummer. Die Hirnwindungen gequält - es ist kein Cover, auch kein dreistes Plagiat. Aber die Atmosphäre, die in diesem Lied mitschwingt, kenne ich sehr ähnlich, vor allem auch das Textfragment "für Dich". Der Groschen fällt, Rio Reisers "Für immer und Dich" ist es, das mir im Hinterkopf rumspukt.
"Verlaufen" - dieser Song hat sich musikalisch ganz stark in die 80er Jahre verlaufen, die Keyboards und Gitarren bringen eine Stimmung rüber, die an alte Grönemeyer-Lieder denken lässt, zum Glück ganz ohne dessen wehleidig-weinerliche Stimme.
Stimme - das ist ein Stichwort: Koslowski, der mit angegebenen 56 Jahren nun ganz sicher kein Jungspund mehr ist, stellt so Manchen aus dieser Kategorie ganz locker in den Schatten. Volltönend, rockig und mit einer ganz enormen Power verleiht sein Gesang den Songs eine spürbare Energie und reißt mit. So wie auch die ganze Musik von einer Kraft und Spielfreude zeugt, dass es eine echte Freude ist. Der Funke springt beim Zuhören über, da steckt Dynamik und Authentizität drin. Und wenn auch äußerlich schon teilweise ergraut, hat die Band mehr Dampf als so manche jüngere Combo. Als ganz besonderen Bonus empfinde ich auch die Inhalte der Lieder als passend und stimmig.
Insgesamt eine rundum runde Sache also, die nur noch die Frage offen lässt - wann kommt die CD?
Line-up:
Thomas Spickhofen (Keyboards und Gesang)
Andreas 'Zett' Zenker (Schlagzeug, Percussion und Gesang)
Rainer A. Koslowski (Gesang, Percussion und Bluesharp)
Holger Schmoll (Gitarren und Gesang)
Jockel Hamann (Bass, Gitarre und Gesang)
Tracklist
01:Nach vorne los
02:Nur für Dich
03:Verlaufen
04:Wenn Dein Herz nicht mehr blutet
05:Heimweh
Externe Links: