Herner Kreuz / Wunderland
Wunderland Spielzeit: 62:45
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2012
Stil: Deutschrock

Review vom 31.10.2012


Sabine Feickert
Vor gut zwei Jahren stellte ich die Frage: »Insgesamt eine rundum runde Sache also, die nur noch die Frage offen lässt - wann kommt die CD?«
Da isse nun und schon beim Zufahren der CD-Lade freut sich das Rezensentenherz - mehr als eine Stunde Spielzeit. Ein kurzer Abgleich das Line-up ist unverändert geblieben, wie schön. Schließlich war ja schon die EP ein feines Teil, ob Herner Kreuz das Niveau halten konnte?
Die grundlegende Richtung ist beibehalten worden.
"Jeder gegen jeden" gefällt nicht nur durch sozialkritischen Text, sondern vermag auch durch einen beinahe perkussiven Rhythmus zu begeistern. Auch der "Flüchtling" schlägt in diese Kerbe.
"Pass gut auf dich auf" hätte fast das Zeug zur Schnulze, doch Koslowskis markante, raue und leicht kratzige Stimme verhindert das erfolgreich. Der schmachtende Chorgesang kommt hier deutlich augenzwinkernd rüber.
"Ich muss hier raus" der Song für auseinandergelebte Ehepaare? »schwall' mich nicht zu, lass mich doch in Ruh, ich mach's dir eh nicht recht, bei uns da läuft's halt schlecht, ich muss hier raus, das halt ich nicht mehr aus, ich werd jetzt einfach geh'n und dann werd' ich weiterseh'n«. Zu wenig Geld, gegenseitige Vorwürfe und unterschwellige Aggressionen prägen diese Nummer, die sich so oder ähnlich ganz bestimmt jeden Tag in nicht wenigen Wohnungen und Häusern der gesamten Republik zutragen.
"Diva" hallt mit einer Penetranz, die mich für einen Moment an Falcos "Jeanny" denken lässt. Genau so leer und hohl mag es im Kopf der besungenen Diva klingen, die »die Haare schön« hat »und sonst nix«. Hier wie dort sehe ich diesen exzessiven Hall-Einsatz als Stilmittel, das verwendet wird, um eine Stimmung rüberzubringen und insofern seine Berechtigung hat.
Sozialkritische Aussagen in Musik umzusetzen, darin sehe ich den Schwerpunkt und die Stärke dieses Albums. Das ist kein belangloses 'Trallala', sondern Politrock in der Tradition der 70er und 80er Jahre. Immer wieder fällt mir dazu Klaus Lage ein oder auch mal ein bisschen Zeltinger. Musikalisch solide, wenn auch nicht unbedingt gefällige, leichte Kost, sondern mit Ecken und Kanten nix zum Nebenher-Plätschern lassen.
Den großen Radiohit wird Herner Kreuz damit wahrscheinlich eher nicht landen, dafür aber wahrscheinlich viel Zustimmung beim 'kleinen Mann auf der Straße' ernten, der angesichts des "Armseligen Daseins" wohl kräftig nickt und sagt »Jawoll! Genauso isses!!«.
Line-up:
Thomas Spickhofen (Keyboards und Gesang)
Andreas 'Zett' Zenker (Schlagzeug und Gesang)
Rainer A. Koslowski (Gesang)
Holger Schmoll (Gitarre und Gesang)
Jockel Hamann (Bass und Gesang)
Tracklist
01:Jeder gegen jeden
02:Flüchtling
03:Halt die Spur
04:Pass gut auf dich auf
05:Ich muss hier raus
06:Armseliges Dasein
07:Diva
08:Wunderland
09:Goldene Meile
10:Überraschung
11:Deinereiner
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