Holde Fee / Malaga
Malaga Spielzeit: 49:28
Medium: CD
Label: Sirena Records, 2008 (1976)
Stil: Rock


Review vom 15.06.2008


Olaf 'Olli' Oetken
Ich kann als Kind der 80er-Jahre manchmal einfach nur noch staunen!
Da gab es doch tatsächlich eine Band namens FEE, die 1982, also das Jahr meiner ersten großen (Schul)Feten mit Bölkstoff, diversen anderen, mir inzwischen längst entfallenden Substanzen, Mädels und populärer Mucke, einen kleinen Hit im Zuge des damals krass grassierenden NDW-Phänomens zu verzeichnen hatte, der auf den wunderschönen Titel "Schweine im Weltraum" hörte und wegen eines anzüglichen Wortes mit 'f' von den Rundfunkanstalten (welch altmodischer Begriff, heute wohl unter 'gleichgeschalteter, formatkompatibler, komplett fremdbestimmter Dudelfunk des kleinsten gemeinsamen Nenners' firmierend) boykottiert wurde. Brav und angepasst, wie wir damals in einer biederen Realschule in einer noch viel biederen Stadt waren, ist uns dieser 'Skandal' selbstredend vollkommen entgangen.
Volle 26 Jahre später stolpere ich nun im Auftrag der RockTimes über ein CD-Release mit dem Titel "Malaga", erstmals 1976 in Deutschland als Privatpressung herausgekommen, da die Musik für das Major-Label Phonogram angeblich zu rhythmusbetont und damit nicht kommerziell genug war, eingespielt von einer Band mit dem tollen Namen Holde Fee. Und genau diese Formation aus Braunschweig war der Vorläufer von besagten FEE!
Eines vorweg, wer durch diese Rezension neugierig werden sollte, kann sich dank eines erstklassig gestalteten Mehrfachfalt-Booklets noch näher informieren. So sollten heute CD-Veröffentlichungen auf den Markt kommen, liebevoll gemacht, von Liebhabern für Liebhaber, eigentlich fehlt in letzter Konsequenz nur das Digi-Pack-Format, wo doch schon der Silberling an sich auf seiner Oberseite wie eine gute alte Langrille bedampft ist.
Und beim Liebhaber sind wir beim Stichwort, denn der musikalische Inhalt richtet sich letztendlich ausschließlich an selbigen.
Wieso allerdings Phonogram damals zu dem Schluss kam, mit der Holden Fee sei kein (finanzieller/kommerzieller) Staat zu machen, erschließt sich meinen Ohren überhaupt nicht. Die Band wandelt nämlich in einer rhythmischen Leichtigkeit auf Pfaden, die ich persönlich so gar nicht mit dem Begriff 'verquaster' Krautrock assoziieren kann. Aber vielleicht war ja gerade das das Problem.
Wir Deutschen brauchen halt unsere Schubladen und die Holde Fee passte mit ihrem Mix aus Latin-Rock à la Santana, tanzbarem funky Soul-Discoeinschlag à la Hot Chocolate, eingängigem Rhythmus-Groove à la Doobie Brothers, esoterischem Jazzrock light und leichtem Progressiv-Pop-Einschlag à la Steve Winwood in keine und saß somit zwischen den berühmten Stühlen. Zudem ist die Scheibe offenbar als Konzeptalbum angelegt, beinhaltet eine ganze Suite (die komplette zweite Seite der ehemaligen LP) mit Text in deutscher Sprache und viel instrumentaler Experimentierfreude, welche mit disharmonischen Intermezzi den rhythmischen Fluss aufbricht und somit dafür sorgt, dass sich kein geschlossener Gesamteindruck einstellen mag. Nicht zuletzt fällt auf, dass sich Gitarrist Hartmut Frenk zu häufig in seinem Spiel an Carlos Santana orientiert und dabei deutlich den Kürzeren zieht.
Dafür knüpfen Tastendrücker Lothar Brandes, Stöckeschwinger Reinhard Lewitzki und Percussionist Thomas Ruhstorfer des Öfteren einen schwungvollen, manchmal mitreißenden Teppich, zusammengehalten durch den swingenden Tieftöner Gerhard Reulecke. Dies findet alles mit einer gewissen Luftigkeit statt, abgesehen von den etwas verunglückten Jazz-Experimenten. Ähnlich wie die zeitweise zu deutlichen Santana-Affinitäten kranken diese daran, dass zu der Zeit etliche Acts diesbezüglich mit ganz anderen Qualitäten aufwarten konnten.
Fazit:
Trotzdem liegt mit dieser Veröffentlichung ein sympathisches Kleinod vor, eine nette Anekdote bundesdeutscher Rockmusikhistorie, ergänzt durch die beiden Seiten einer für Phonogram in Hamburg eingespielten Promo-Single. Letztere fällt klanglich etwas ab, ansonsten wird ein wunderbar authentischer 70er-Jahre-Analogsound geboten, dynamisch, transparent, mit guter Räumlichkeit und kleinen Schwächen bei der Abmischung des Gesangs. Eine schöne Ausgrabung, nicht essentiell, aber mit einer überraschend hohen Radiokompatibilität ausgestattet, wohlgemerkt, für das Radio von vor 32 Jahren! Anscheinend sitzen nicht nur heutzutage völlig ahnungslose Nasen bei den Major-Companys. Waren dereinst nicht gar die Beatles von einem Großlabel abgelehnt worden? Kann das irgendwie trösten?
Sei's drum, die Holde Fee möchte in Zukunft wieder auftreten, sofern sich genügend Leute per E-Mail melden. Neugierig geworden? Dann groovt euch nach "Malaga" und schreibt der Band unter folgender Adresse: holde-fee@web.de.
Der Rezensent vergibt derweil für die Musik sehr solide 6,5 von 10 RockTimes-Uhren und legt für die Ausführung der CD-Premiere noch eine halbe oben drauf - als 7 RockTimes-Uhren.
Tracklist
01:Love Not Yet (7:13)
02:Sweet January (6:20)
03:Maffords (4:00)
04:Julie (3:31)
05:Malaga Suite: Reisefieber (3:13)
06:Malaga Suite: Unterwegs (1:55)
07:Malaga Suite: Sierra (3:25)
08:Malaga Suite: Malaga (8:27)

Bonus:
09:Did You Ever Wonder Why (5:41)
10:Come And Lead My Mind (5:04)
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