Hop Along / Get Disowned
Get Disowned Spielzeit: 40:09
Medium: CD
Label: Big Scary Monsters/Alive AG, 2013
Stil: Indie

Review vom 09.05.2013


Sabine Feickert
Kennt ihr solche Tage? Alles beschissen, aber vom Allerübelsten. Ich sprech nicht von bisschen mies drauf, sondern von solchen Zeiten, in denen die Gefühle zwischen grenzenloser Wut, rasendem Zorn, Fassungslosigkeit und abgrundtiefer Traurigkeit Achterbahn fahren. Dazwischen funkelt der Hauch der Normalität und verspricht, es sei schon alles wieder gut... bevor mit voller Wucht wieder die Faust der Gefühle in den Magen reinhaut, volle Lotte. Wie? Du liegst schon am Boden? Es geht noch tiefer...
Dabei fängt es erstmal halbwegs unverfänglich an: mit einer akustischen Gitarre. Der einsetzende Gesang hat zwar schon leichte Dissonanzen in sich, aber die ersten paar Takte von "Some Grace" sind noch einigermaßen 'normal'. Im weiteren Verlauf wird die Nummer dissonanter, um dann in ein fast beschwingtes 'Dammdadadammdadada' überzugehen, das ratlos macht.
"Tibetan Pop Stars" eröffnet mit Getrommel, zu dem sich dann auf- und abschwingender, langgezogener Sprechgesang gesellt, der brüchig und anklagend rüberkommt. Anklagend ja, das zieht sich übers Album, immer wieder anklagende, mit dem Schicksal hadernde Gesänge.
Doch nur ein jammeriges Klageweib ist Quinlan, die Hop Along-Sängerin, keineswegs. Nein, sie bringt auf der Scheibe auch Wut rüber und zwar eine ganz gewaltige Portion, eine "Diamond Mine" voll und noch mehr, die da mit belegter, krächzender, manchmal auch verhaltener Stimme, einzeln oder als Chor übereinandergemixt, rausgepresst wird.
"No Good Al Joad" wechselt zwischen Kakophonie und ganz zarten Gesangspassagen, Peitschenklängen, Geschrei und immer wieder elektronisch wirkenden Verzerrungen hin und her und transportiert dabei ein Wechselbad der Emotionen.
Immer wieder schleichen sich Passagen dazwischen, in denen Quinlan ganz sanft, zerbrechlich und verletzlich wirkt, um dann wieder umzukippen in heisere Verzweiflung. Das zumindest sind die Eindrücke, die rein über die Musik bei mir ankommen, denn die Texte... hm, vielleicht hängt mir die verwendete Metaphorik einfach zu hoch? Oder sie sind so biografisch oder 'speziell', dass ich als Außenstehende sie nicht verstehen kann?
»How content are with ones with simple demands? They meet their fiancés cherry picking out in Canada. While cursing the river, a seven fingered man, his three sleepless wives all equally sick of him.«
Aber egal, wie dem auch sei, das Alles klingt anstrengend, aber durchaus interessant, ist definitiv nicht jedermanns Sache, bringt aber die Gefühlsachterbahn solcher Zeiten wie oben beschrieben sehr gut zur Geltung. Für mich persönlich ist Musik ganz extrem stimmungsabhängig und diese hier passt (für mich!) zu solchen mentalen Ausnahmezuständen, zu diesen Zeiten, in denen die Welt einzustürzen scheint.
Wenn aber die Sonne wieder scheint und das Leben mein Freund ist, dann wird diese Scheibe wohl in die allerhinterste Ecke des Regals wandern und dort vor sich hinstauben.
Line-up:
Frances Quinlan (vocals, guitar)
Mark Quinlan (drums)
Tyler Long (bass)
Tracklist
01:Some Grace
02:Tibetan Pop Stars
03:Diamond Mine
04:No Good Al Joad
05:Kids On The Boardwalk
06:Laments
07:Trouble Found Me
08:Sally II
09:Young And Happy
10:Get Yourself Disowned
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