The Horrible Porno Stuntmen / Same
Same Spielzeit: 42:17
Medium: CD
Label: Go Down Records, 2012
Stil: Rockabilly

Review vom 13.04.2012


Joachim 'Joe' Brookes
Okay, mit den Bandnamen ist es heutzutage so eine Sache. Die werden immer verrückter und sind zum Teil in ihrer Länge nicht zu ertragen. So ist es auch bei diesem Trio, das bereits 2009 in der italienischen Ausgabe der Casting-Show X-Factor mit dem Soft Cell-Hit "Tainted Love" aufgetreten ist. Auffallen um jeden Preis? The Horrible Porno Stuntmen! Den vielleicht interessierten Musik-Fan irreführen? Das gesamte Coverbild ist ein Griff ins Klo. Das Püppchen mit Superman-Posing sowie Brustwarzen-Pflaster und die Schriftart gehen nicht konform mit dem Inhalt der gut zweiundvierzig Minuten, verteilt auf zwölf Tracks. Man könnte eher vermuten, dass sich musikalisch alles um irgendeinen sterilen Electro Rock, Synth Pop oder so dreht.
Öffnet man allerdings das Booklet, dann wird stante pede klar, dass sich The Horrible Porno Stuntmen um etwas ganz anderes kümmern. Zwischen nackten männlichen und weiblichen Schaufensterpuppen posieren drei in schwarzen Klamotten gekleidete Jungs mit Kontrabass sowie E-Gitarre. Der Mann am Sechssaiter hat einen Haarstil zwischen Punk und Bill Haley-/
Elvis Presley-/Bryan Ferry-/Götz Alsmann-Schmalzlocke. Die drei Coversongs von The Clash, Talking Heads und Lily Allen sorgen da auch nur für zusätzliche Verwirrung.
Zwanzig Sekunden "I Love Breaking My Bones" reichen aus, um The Horrible Porno Stuntmen dingfest zu machen ... Rockabilly ist angesagt. Und wie! Der Kontrabass schnurrt, die E-Gitarre rockt und das Schlagzeug groovt wie auf spiegelglatt polierten, schwarzen und weißen Bodenfliesen, die im Schachbrettmuster verlegt wurden. In der Tradition von Gene Vincent und Eddie Cochran macht der flotte Dreier modern ausgelegten Rock'n'Roll mit eingeschobenem Psychobilly-Faktor. Die Stray Cats lassen grüßen. The Horrible Porno Stuntmen-Bassist Mr Sinister zupft die dicken Saiten auch bei den Boppin' Kids. 1984 gegründet, wurde diese Combo 1991 aufgelöst und 2008 reanimiert.
Die noch verdammt jungen Musiker von The Horrible Porno Stuntmen hobeln Kanthölzer rund und kennen (fast) nur eine Richtung ... mit geölten Gelenken geradeaus. Was diese Band zu bieten hat, ist überzeugend gespielt und macht einfach Spaß. Das Album-Debüt ist ein ganz wildes Ding, bei dem der Petticoat bereits nach dem ersten Hördurchgang in Fetzen runterhängt, die Pikes zu eng werden und die tanzenden Fans nach Luft hecheln. Old School ist hier höchstens der Platten-Sound und die Orgel von Gast Andrea Cordella.
Auch bei dieser Band bestätigt die Ausnahme die Rockabilly-Regel. "Space Invader" ist eine locker groovende und gleichzeitig swingende Nummer mit Erholungs-Faktor. Die Lily Allen-Komposition ist in den Händen der Italiener eine Highspeed-Nummer mit Tex Mex-Pfeffer im Arsch und das Feeling verstärkender Cordella-Trompete. Talking Heads' "Psycho Killer" rotiert hier in gefühlten achtundsiebzig Umdrehungen und Flamin' Felipe Ortega wirft knackige AC/DC-Riffs in den Ring. Genial! Bei "London's Burning" schwingen Joe Strummer, Mick Jones & Co. zu eingeflochtenen Kinks' "All Day And All Of The Night"-Riffs das Tanzbein.
Geht die Rechnung bei den Coversongs schon mit großem Erfolg auf, beeindrucken The Horrible Porno Stuntmen auch mit den Kompositionen aus dem eigenen Garten. "Pleased To Milk You!" ist der freche Schlusspunkt des Albums und mit "Coffee Is God" überschreitet man jede Geschwindigkeitsbegrenzung. Flamin' Felipe Ortega liebt rockig-knackige Riffs. Man ist überrascht, mit welcher Überzeugungskraft die Band ihren Power-Billy an den Mann und die Frau bringt.
Drei versierte Musiker lassen den Rockabilly hochleben. Mit einem Dutzend Songs unter dem Arm bringen sie mächtig viel Stimmung in die Bude und live stellen The Horrible Porno Stuntmen definitiv die Hütte auf den Kopf.
Line-up:
Flamin' Felipe Ortega (vocals, guitar)
Mr Sinister (bass, theremin, vocals)
Huber The Stomper (drums, percussions, harmonica, vocals)

With:
Andrea Cordella (organ - #7,10, trumpet - #11)
Tracklist
01:I Love Breakin' All My Bones (3:24)
02:Tryin' To Get Lost (3:31)
03:Psychokiller (3:02)
04:C'mon (2:35)
05:Porno Bop (3:59)
06:Our Bass Player Is A Rocker (3:39)
07:London's Burning (2:46)
08:Coffee Is God (2:10)
09:Idiot Rampage (5:12)
10:Space Invader (4:31)
11:It's Not Fair (3:53)
12:Pleased To Milk You! (3:38)
(all tracks written by Pritelli, Battistini, except #3 by Byrne, Frantz, Weymouth, #7 by Strummer, Jones, #11 by Allen)
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