Jeff Healey / Mess Of Blues
Mess Of Blues Spielzeit: 51:09
Medium: CD
Label: Ruf Records, 2008
Stil: Blues Rock

Review vom 16.03.2008


Joachim 'Joe' Brookes
Die Nachricht von Jeff Healeys Tod am 02.03.2008 verschlug nicht nur der RockTimes-Redaktion die Sprache.
Ein weiterer Vollblutmusiker ist, viel zu jung, von uns gegangen und nun wird "Mess Of Blues" sein letztes Vermächtnis an die Fans und Blues-Gemeinde.
Nicht einfach, aus einer solchen Situation heraus eine Review zu schreiben.
Vielleicht sollte man das letzte Wort der von Jeff Healey im Booklet abgedruckten Liner-Notes hernehmen, um einen Bogen zum Inhalt des Albums zu schlagen:
»Enjoy!!!«
Das kann man wirklich, denn Healey hat mit den Musikern gespielt, die ihn in seinem eigenen Club Roadhouse zur Seite standen. Wie aus dem Text im Booklet auch hervor geht, war die Auswahl der Songs sehr einfach: » the songs here are those that get the greatest crowd reaction in our travels around the world.«
Nach einer sehr jazzlastigen Phase, unter anderem mit dem Posaunisten Chris Barber auf "It's Tight Like That", hat der Protagonist mit "Mess Of Blues" nach acht Jahren zurück zum 12-Takter gefunden.
Somit befinden sich einige Überraschungen auf der Platte, mit denen man nicht unbedingt rechnen konnte, wie zum Beispiel "It's Only Money", "Shake, Rattle And Roll" oder der Hank Williams-Song "Jambalaya".
Mit einem furiosen "I'm Torn Down" wird das Album live und perfekt eröffnet. Es bluest an allen Ecken und Kanten. Der Protagonist spielt eine herrlich groovende Gitarre, Solo eingeschlossen. Dave Murphy hat seine Keyboards auf Piano gestellt und liefert eine tolle Einlage auf den Tasten. Healeys Gitarre klingt schön verzerrt und über seinen Gesang braucht man eh keine Worte mehr verlieren.
Nach diesem treibenden Opener kehrt mit dem neunminütigen Slow-Blues "How Blue Can I Get" Ruhe ein. Sparsames, aber akzentuiertes Drumming von Al Webster begleitet den Gitarristen auf seiner Fahrt über die Saiten. Auch hier wechselt er sich mit Murphy solierend ab. Eine klasse Interpretation dieses Klassikers, der sehr deutlich von der Spielweise des Kanadiers geprägt ist.
Ui, welch eine verzerrte Gitarre in "Sugar Sweet"! Healey lässt sein Arbeitsgerät flüstern, schreien und heulen. Mehr davon, kann man nur schreiben!
Dave Murphy singt "Jambalaya" mit näselnder Stimme. Die Band shuffelt mit einem honky Piano-Sound und hier wird deutlich, dass Healey seinen 6-Saiter auch mit Twang spielen kann. Kommt gut, der Track, wenn auch nicht unbedingt so spektakulär wie die vorherigen Nummern.
Für den Rock'n'Roller "It's Only Money" überlässt er dem Bassisten Alec Fraser das Mikrofon und der Herren-Chorus ist wunderbar. Roll on, Jeff!
Eine weitere Überraschung ist bestimmt auch der nächste Track: Neil Youngs "Like A Hurricane" mit knarziger Gitarre sowie einem sehr überzeugenden Dave Murphy an den Tasten. An diesem Song werden nicht nur Neil Young-Fans ihre Freude haben. Klar, eine solche Nummer hat verdammt viele Freunde.
Wer auf mächtig viel Groove steht, wird mit Doc Pomus' "Mess O' Blues" in gut drei Minuten bestens bedient. Dafür hat Healey fast alle Effektgeräte ausgeschaltet und auch so bringt er mit seinem Instrument Stimmung in die Bude. Da darf man schon einmal an Alvin Lees In Tennessee erinnert werden.
Mit welcher, fast schon frechen Leichtigkeit die Band "Sittin' On Top Of The World" rüberbringt ist äußerst Gänsehaut-produzierend. Healeys Solo hat eine umwerfende meisterliche Frische. Einfach zurück lehnen, die Augen schließen, auch in mehreren Repeat-Schleifen.
Den Song von The Band kann man ohne Kommentar durchwinken, weil "The Weight" auf seine Art tolle Stimmungsmache ist.
Jeff Healey hat zum 12-Takter und Blues-Verwandtem zurück gefunden und mit "Mess Of Blues" ein herrlich abwechslungsreiches Album zusammengestellt: 8 von 10 RockTimes-Uhren.
Rest in peace, Jeff.
Line-up:
Jeff Healey (guitar, vocals)
Dan Nordermeer (guitar, vocals)
Dave Murphy (keyboards, vocals - #7)
Al Webster (drums)
Alec Fraser (bass, acoustic guitar, vocals - #4)
Holger Petersen (backing vocals)
Tracklist
01:I'm Torn Down (5:27)
02:How Blue Can I Get (8:55)
03:Sugar Sweet (3:46)
04:Jambalaya (4:00)
05:The Weight (4:26)
06:Mess O' Blues (3:24)
07:It's Only Money (3:09)
08:Like A Hurricane (6:32)
09:Sittin' On Top Of The World (6:58)
10:Shake, Rattle And Roll (4:28)
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