Jeff Healey / Songs From The Road
Songs From The Road Medium: CD & DVD
Spielzeit: 57:06 (CD), 52:00 (DVD)
Label: Ruf Records, 2009
Technik DVD:
Sound:DSS 5.1
Bild:16:9
Sprache: Englisch
Ländercode:0;
FSK: ohne Altersbeschränkung
Stil:Blues Rock

Review vom 17.08.2009


Norbert Neugebauer
Knapp ein Vierteljahr nach der Veröffentlichung der Compilation Legacy Vol. 1, die auch Live-Aufnahmen auf CD und DVD enthielt, nun bereits das nächste 'Nachlass-Werk' mit Konzertmitschnitten Jeff Healeys???
"Legacy Vol. 1" ist eine von der Healey-Familie nicht autorisierte Produktion, die der frühere Schlagzeuger und Business-Manager Tom Stephens wegen Tantiemen-Forderungen aus seiner Zeit mit der Band herausgebracht hat. Cristie Healey hatte die Fans aufgefordert, aus Respekt gegenüber ihrem 2008 verstorbenen Mann und seiner Familie auf einen Kauf zu verzichten. Nun bringt der Clan seine eigene 'offizielle' Zusammenstellung aus dem Nachlass des Künstlers mit Live-Tracks auf den Markt, erschienen auf dem deutschen Ruf Records-Label. Dies hatte auch die letzte Studio-Scheibe Healeys, Mess Of Blues , veröffentlicht, die mit dem renommierten Blues Music Award in der Kategorie 'Bestes Rock-Blues-Album' des Jahres ausgezeichnet wurde.
Nun, zu den leidlichen Streitigkeiten können und wollen wir uns nicht äußern. Aber, wie schon zu "Legacy Vol. 1", haben wir auch zu den "Songs From The Road" was zu sagen.
Die erste Scheibe ist ein Video-(Teil-)Mitschnitt seines 2006er Auftritts beim Notodden Blues Festival in Norwegen und zeigt den Kanadier in Topform. Der damals 40-Jährige, der noch immer wie ein großer Junge wirkt, sprüht nur so vor guter Laune und das überträgt sich auch sofort auf das dichtgedrängte Publikum. Auch wenn man es schon oft gesehen hat, seine einzigartige Spieltechnik, mit der Gitarre auf den Knien, verblüfft doch immer wieder. Und er hatte durchaus einen eigenen Ton auf seiner gängigen Stratocaster. Dazu seine tiefe und kräftige, wenn auch nicht sehr variable Stimme - der Mann war schon etwas Besonderes auf der Bühne und hatte zweifelsohne Charisma.
Sein Set in Notodden bestand aus wenigen eigenen Nummern sowie alten und neuen Coverversionen der unterschiedlichsten Vorlagen. Auf die eröffnende R'n'R-Nummer ließ er den nächsten Klassiker "How Blue Can You Get" folgen, aber auch den interpretierte er gewohnt locker und keineswegs als Leidensmann. Bei Youngs gefühlvoll angespieltem "Like A Hurricane" bleibt die Magie des Songs nicht aus, aber trotzdem scheint sich Healey auch irgendwie über das Pathos, das sein berühmter Landsmann immer wieder heraufbeschwört, zu amüsieren. Jedenfalls lacht er mittendrin lauthals heraus und schrubbt dann seine Klampfe wie »good ol' Neil«. Das nächste Highlight ist "Highway To Hell" mit Keyboarder Dave Murphy in beeindruckender Bon Scott-Manier. Nicht unbedingt wegen einer außergewöhnlichen Version (im Gegenteil ziemlich straight), sondern weil hier die Band mit dem stehend und 'in der Normalauslage' Rhythmus-Gitarre spielenden Jeff einfach richtig Spaß hat und das Publikum dazu.
Sein wohl erfolgreichstes Stück, "Angel Eyes", und die Eigenkomposition "See The Light" sind anständige Nummern, reißen aber nicht unbedingt vom Hocker. Zum Finale rockt die Band mit dem nach wie vor bestens aufgelegten Boss den "Soul Man" von Isaac Hayes ansprechend. Die Aufnahmen sind sehr gut gemacht und kommen auch ohne 'Zappelschnitte' aus, was den knapp einstündigen Film, zusammen mit dem sauberen Sound, zu einem echten Genuss macht. Bonusmaterial ist nicht vorhanden und wird auch nicht vermisst.
Im Audioteil finden wir einen Zusammenschnitt von weiteren Aufnahmen des Notodden-Sets sowie aus London und Toronto (aus seinem eigenen Club Roadhouse) aus dem Jahr 2007. Überschneidungen mit Songs der DVD gibt es, bis auf "Angel Eyes", nicht. Eigene Titel fehlen hier völlig, die Jeff Healey Blues Band covert weiter querbeet mit teils bekannten, aber auch für diese Formation recht ungewöhnlichen Nummern. Healey fühlte sich dabei weniger als Chef, sondern als Bandmitglied, wie in den Liner Notes nachzulesen ist. Und das drückt sich auch darin aus, dass er sich nicht nur bei den Soli, sondern auch bei den Vocals mit den Kollegen abwechselt. Seine Rolle ist ganz und gar nicht die des Stars und er wird auch in der Abmischung nicht überbetont. Die Versionen bleiben meist nah am Original, abgesehen von den Titeln, die er praktisch seit Beginn seiner Karriere schon im Repertoire hat und die zu seinen eigenen Trademarks wurden.
Herausragend auch hier das von den Fans gekonnt mitgesungene "While My Guitar Gently Wheeps" (das er jetzt sicher mit dem Verfasser im Duett auf Wolke 7 spielt ). Weiterhin stark der satte Bluesrocker "Stop Breaking Down", bei dem die beiden Gitarren qualmen. Beim gejamten "Hoochie Coochie Man" ist Kumpel Randy Bachman mit von der Partie und Dave Murphy bläst eine astreine Harp. Die Aufnahmen sind von sehr guter Tonqualität und an der Aufbereitung gibt es ebenfalls nichts auszusetzen - Live vom feinsten!
Jeff Healey gehörte sicher nicht zur ersten Riege der Blues Rocker, dazu fehlte es ihm an potentiellem Eigenmaterial und auch bei seinen meisten Coverversionen vermisst man die kreative Handschrift. Aber er war ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Gitarrist, Musiker und Bühnenkünstler, der sich aus dem Gros seiner zahlreichen Kollegen heraushob.
"Songs From The Road" sind noch mal eine schöne Erinnerung an den am 2. März 2008 verstorbenen Mann aus Toronto, der auch in der RockTimes-Redaktion sehr geschätzt wurde.
Line-up:
Jeff Healey (guitar, vocals)
Dan Noordermeer (guitar, vocals)
Dave Murphy (keyboards, vocals, harmonica)
Alec Fraser (bass, vocals)
Al Webster (drums)

Guest:
Randy Bachman (guitar)
Tracklist
DVD:
01:Shake Rattle And Roll
02:How Blue Can You Get
03:Like A Hurricane
04:I Am Ready
05:Highway To Hell
06:Angel Eyes
07:See The Light
08:Soul Man
CD:
01:I Think I Love You Too Much (5:36)
02:I'm Ready (5:21)
03:Stop Breaking Down (5:57)
04:Angel Eyes (5:54)
05:Come Together (5:22)
06:Hoochie Coochie Man (7:09)
07:White Room (5:35)
08:While My Guitar Gently Weeps (5:13)
09:Whipping Post (5:59)
10:Teach Your Children Well (2:48)
11:Santa, Bring My Baby Back (To Me) (2:09)
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