Phil Hamilton / Renegade Rock N Roll
Renegade Rock n Roll Spielzeit: 39:02
Medium: CD
Label: Winding Road Music, 2012
Stil: Red Dirt

Review vom 18.02.2012


Joachim 'Joe' Brookes
"Renegade Rock N Roll" ist Phil Hamiltons zweiter Streich, nachdem der Vorgänger "Nothing To Lose" schon so einiges an Aufmerksamkeit erhalten hatte. Der Mann mit dem Bart aus Fort Worth (Texas) bläst uns mit seinen bestens aufgelegten Musikern den Red Dirt ins Gesicht. Mit seiner Geige zieht Fiddler Josh More die gesamte Chose immer wieder schön in die Country-Scheune und bei den Gitarren gibt es nicht nur einen ordentlichen Twang, sondern auch Bottleneck-gesteuerte Saitenfahrten der Extraklasse.
Hamilton hat den Red Dirt Rock und wie es im Album-Titel steht, auch den Rock'n'Roll. Was mit dem rockigen Groover "Willie's Bus" und Gitarren im Doppelpack herrlich beginnt, endet in "Workin Man's Son", dem der Blues mit der dicken Injektionsnadel verabreicht wurde. Dazwischen gibt es vorzügliche Unterhaltung, die dem Country-/Roots-Gelände neue Prägungen verpasst.
"Bad" ist eine hinreißende Ballade, in der sich die Sechssaiter aus den beiden Kanälen die Klinke in die Hand geben. Dazwischen agiert Herr Hamilton mit seiner sympathischen Stimme. Wer sich bei dem gegen Ende gespielten Harp-Solo nicht wohl fühlt, ist fehl am Platz. Der Protagonist und seine tollen Mitstreiter bringen es auf den Punkt. Neben dem umtriebigen Rock beherrscht auch die Melodie die Szenerie.
Gleich nach "Bad" folgt noch so ein magnetischer Song namens "Back To Mobile". Ein leichthändig gespieltes E-Piano, das schwer nach Ray Manzarek klingt, macht Laune und dann dreht die Slide-Gitarre an der Spaßschraube. Abermals hat man sich bei dieser Nummer für einen tollen Fußwippen-Groove entschieden.
Phil Hamilton ist erst mit seiner zweiten Platte am Start. Dabei darf allerdings festgestellt werden, dass er im Kreis der anderen verdächtigen Vertreter des Genres richtig gut mitmischt und durchaus ein ernstzunehmendes Wort mitzureden hat. Es gibt noch eine wunderschöne Ballade, die einem mit Haftungscharakter ans Herz wächst... "Washed Away" heißt sie und verlangt geradezu nach mehrfachen Durchläufen. Hier verfehlen die Backing Vocals von Kylie Harris nicht ihre Wirkung und die Akustische passt so schön ins blumige Arrangement.
Hamilton macht Musik, als wäre es die größte Selbstverständlichkeit der Welt. Ungezwungen rockt er drauflos, oder drückt in "Love Comes And Goes" abermals auf die Tränendrüse, allerdings mit etwas gelockerter Handbremse.
"Back Of A 73" hat bei ansteigender Dynamik ein sonniges Feeling und Josh More sorgt für die passenden Farbtupfer zu den umtriebigen Gitarren. Wenn der mit von der Partie ist, dann schlüpft er nicht nur in die Rolle des dezenten Begleiters. Das Stück lebt ebenfalls von so einigen gut gesetzten Rhythmuswechseln.
Diesen Mann muss man im Auge behalten. Firmierte er noch auf seinem Erstling mit der Combo The Backroad Drifters, steht er nicht minder erfolgreich nun auf eigenen Füßen. Zu Beginn hat er durch den Twin-Sound bei "Running" auch noch Southern-Flair ins Spiel gebracht.
Füller sind auf "Renegade Rock N Roll" Fehlanzeige. Alle Tracks stammen aus der Feder von Hamilton. Hier und da hat er gemeinsame Sache mit seinem Gitarristen/Keyboarder/Produzenten Beau Bedford gemacht. Anspieltipps gibt es viele. Wer es rockig mag, sollte sich den Titelsong anhören. Bei den besinnlicheren Momenten sei "Washed Away" empfohlen.
Tja, da ist mal wieder eine kleine Perle auf dem Schreibtisch gelandet und die fügt sich perfekt in die Phalanx anderer Red Dirt-Künstler ein.
Line-up:
Phil Hamilton (guitar, vocals)
Franklin Huezo (guitar)
Austin Morgan (guitar)
Beau Bedford (electric guitar, acoustic guitar, mandolin, Hammond B3)
Josh More (fiddle)
Aden Bubeck (bass)
Scott Lee (bass)
Nate Coon (drums)
Bill Ramsey (drums)
Kylie Harris (backing vocals)
Tracklist
01:Willie's Bus (3:46)
02:Running (3:32)
03:Back Of A 73 (4:09)
04:You Can Have Me (4:02)
05:Renegade Rock'n Roll (3:07)
06:Love Comes & Goes (3:37)
07:Bad (4:52)
08:Back To Mobile (4:00)
09:Washed Away (4:39)
10:Workin Man's Son (3:20)
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