Bert Jansch / The Black Swan
The Black Swan Spielzeit: 44:48
Medium: CD
Label: Sanctuary Records, 2006
Stil: Folk

Review vom 21.10.2006


Norbert Neugebauer
Der Herbst kommt und mit ihm die Musik zum Zuhören, die leiseren Töne, die speziellen Stimmungen - it's folktime, folks!
Muss ich Bert Jansch vorstellen? Einen der unbestritten einflussreichsten Gitarristen seit den Sechziger Jahren, der selbst zu den Vorbildern eines Jimmy Page zählt? Ein Mann der allein an die 30 Solo-Alben veröffentlicht, mit der einzigartigen Formation Pentangle Folk-Geschichte geschrieben hat und längst eine Institution seines Genres ist?
Der kauzige Schotte bewegt sich in eigenen Sphären. Nein, nicht als Zauberer vertrackter Rhythmen und aberwitziger Griffe in Lichtgeschwindigkeit, gepaart mit engelsgleicher Stimme oder satanischer Röhre. Jansch spielt hauptsächlich seine akustische Gitarre unspektakulär genial und sein Organ klingt mal knautschig, mal knorrig. Das Gegenteil von Belcanto. Die Songs sind einfach, die Arrangements sparsam, oft sperrig und außerhalb jeder Mode. Jansch spielt Jansch. Und das Album für Album, nur der eigenen Intuition folgend. Aber nicht immer stilsicher und von gleichbleibend hoher Qualität.
Zuletzt hat sich der bald 63-Jährige mit jüngeren Mitmusikern umgeben, die ihn nach kreativem Ruhezustand offensichtlich zu neuen Taten beflügelten. Auch auf "The Black Swan" findet sich eine derartige Riege, darunter Sohn Adam. Das Nichtmitwirken der Ehefrau, wie auf der letzten Produktion, ist zu verschmerzen. Markanteste Erscheinung im Line Up ist die englische Sängerin und Gitarristin Beth Orton (Jahrgang 1970), deren kratzige Stimme sich bestens mit der Janschs ergänzt. Und der Rest ist auch erste Sahne.
Bereits beim ersten Hördurchgang entfaltet der schwarze Vogel seine Schwingen und lässt das Gefieder in der Herbstsonne glänzen. Der Titeltrack entführt in mystische Gefilde, Janschs Gitarre ist der nebelverhangene See, über den das Cello von Helena Espvall den Schwan lautmalerisch seine Bahnen ziehen lässt. "High Days" und das abschließende "Hey Pretty Girl" sind Jansch pur, klassische Folk-Balladen nur mit Klampfenbegleitung (aber wie!).
Dann kommt erstmals Beth Orton auf die Tonfläche. Mit brüchiger Stimme intoniert sie "When The Sun Comes Up", während die Leadgitarre und die Slide von David Raback einen glühenden Sonnenaufgang heraufbeschwören. So könnte sich Pentangle heute anhören (sofern Jacquie McShee zwischenzeitlich reichlich mit Whisky gegurgelt hätte). Mit "Katie Cruel" folgt eine weitere Ballade (Traditional), diesmal die Orton mit Devendra Banhart, als fast geisterhaftes Duett, dazu die Gitarre und eine leicht orientalisch klingende Percussion von Otto Hauser und Kevin Barker - voll seltsamer Schönheit. Ähnlich dann auch "A Woman Like You", diesmal allerdings der Meister selbst am Mikro und mit Paul Wassif an der Slideguitar. Ganz typisch Jansch'sche Tradition sind die bluesigen "My Pocket's Empty" und "Texas Cowboy Blues" im Midtempo, letzterer wirkt wie eine Mischung aus Pentangle und Bob Dylan.
Das eingängigste Stück ist das wunderbare "Watch The Stars", bei dem Orton und Jansch gemeinsam singen und spielen; ein weiteres Traditional gekonnt als moderner Folk Pop-Song mit Ohrwurmqualitäten umgesetzt. Auch dem hinlänglich runtergenudelten "The Old Triangle" kann der Barde mit außergewöhnlichen Gitarrenarrangements neues Leben einhauchen. Mit psychedelischem Touch überrascht "Bring Your Religion" in großer Besetzung, wobei neben der Slide (diesmal Richard Good) das Hammond-artige Keyboard von Adam Jansch für leicht beklemmende Gefühle sorgt. "Magdalina's Dance" zeigt, dass es möglich ist, anno 2005/6 einen Song zu schreiben, der ganz in der keltischen Musiktradition steht, nach Thymian und Torffeuer duftend und das Innerste berührend. Das Instrumental wird von den beiden Autoren Jansch und Wassif auf Banjos vorgetragen, die Melodie spielt Maggie Boyle auf der Flöte.
Bert Jansch mag zwar, wie des öfteren berichtet wird, ein seltsamer Zeitgenosse sein. Aber Humor hat er auch:

»Well rock and roll is such a crazy drug
It wraps you up in a great big hug
Drives you on and drives you wild
Turns you into a rock and roll child

Well he searched high and he searched low
Where on earth did his woman go?
His neighbour cried "God bless my soul"
She's out on the road singing rock and roll

Well she won't come back to be your wife
She won't come back to a loveless life
If you care for her you must understand
She fell in love with a rock and roll band«


(aus "Hey Pretty Girl")
"The Black Swan" ist ein weiterer Höhepunkt im Schaffen des Altmeisters. Sein bestes Album seit langer Zeit, da gehe ich durchaus konform mit der Riege der Kritikerkollegen. Für Folkfriends führt da kein Weg vorbei!
Tracklist
01:The Black Swan
02:High Days
03:When The Sun Comes Up
04:Katie Cruel
05:My Pocket's Empty
06:Watch The Stars
07:A Woman Like You
08:The Old Triangle
09:Bring Your Religion
10:Texas Cowboy Blues
11:Magdalina's Dance
12:Hey Pretty Girl
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