Dave Kelly und Paul Jones gehören inzwischen zu den 'alten Hasen' im Musikbusiness der Britischen Inseln. Dabei spielte der Blues sehr häufig eine wichtige Rolle in ihrer Karriere.
Die Zwei sind den meisten Musikfans wohl als nicht mehr wegzudenkende Stützen der Blues Band bekannt, mit der sie seit über zwanzig Jahren über die Bühnen der Welt tingeln.
Doch auch zuvor waren sie nicht untätig. Schon im Jahr 1969 war Kelly Mitglied der John Dummer Blues Band und startete nach deren Trennung sein eigenes Bandprojekt, bei dem er zunächst alte Blues-Standards aufmöbelte. Nach einiger Zeit wuchs der Anteil an Eigenkompositionen immer weiter an, was dem Repertoire der Blues Band nach deren Start sehr gut zu Gesicht stand.
Paul Jones war in seiner Anfangszeit noch vielseitiger. In den frühen Sechzigern tummelte er sich als Leadsänger von Manfred Mann jahrelang mit schöner Regelmäßigkeit in den Pop-Charts und konnte auch als Solist einige kleinere Erfolge verbuchen. Außerdem bekam er als Schauspieler in dem Film "Privileg" sehr gute Kritiken. Doch seine Liebe blieb die Bluesmusik. Es folgten Engagements für Powerhouse Four (an der Seite von Eric Clapton, Steve Winwood und Pete York), der Jazzpianistin Carla Bley, den Radio Stars und Gerry Rafferty. Schließlich wirkte Paul Jones noch auf dem "Party Album" mit, mit dem Alexis Korner seinen 50. Geburtstag feierte.
So entwickelte er sich zu einem der gefragtesten Bluesharp-Spieler der britischen Szene. Im Jahr 2004 standen Kelly und Jones im Ram Jam Club, Kingston, Surrey, zusammen auf der Bühne und ließen den traditionellen Acoustic Blues wieder aufleben, der inzwischen etwas in Vergessenheit geraten war.
In diesem zweiten Teil des Konzertes kümmern sich die Beiden vorwiegend um die alten Legenden dieses Genres. So gibt es hier unter anderem sehr interessante Cover-Versionen von Muddy Waters ("I Can't Be Satisfied"), Jimmy Reed ("Baby What You Want Me To Do") und Charlie Patton ("Moon Going Down") auf die Lauscher.
Zusätzlich werden aber auch Eigenkompositionen eingestreut, die sich auf dem gleichen, qualitativ hochwertigen Level bewegen. Dabei überzeugen die beiden Musiker durch ein unglaublich feinfühliges Spiel auf ihren Instrumenten und ergänzen sich nahezu perfekt. Besonders beeindruckt bin ich von den Songs, bei denen Dave Kelly den Flaschenhals überstreift und so besonders klagende Laute auf der Gitarre produziert. Wenn dann noch die traurige Harp dazu stößt, dann bin ich schon fast wieder ganz unten im Delta und sehe die Menschen vor mir, die nach einem harten Arbeitstag auf den Baumwollfeldern jetzt ihren wehmütigen Gedanken an die Heimat nachhängen.
Dazu passen auch die Stimmen von Kelly und Jones, mit denen sie die Ausdrucksstärke der Songs noch weiter verstärken.
Mein persönlicher Anspieltipp ist der Blind Willie Johnson-Titel "Nobody's Fault But Mine", der schon in der wesentlich härteren Version von Led Zeppelin zu meinen Favoriten gehörte.
Dieser Konzertmitschnitt ist ideal für Alle, die den Blues nicht nur mit heulenden Stromgitarren genießen können, sondern auch Freude an der ursprünglichen Form dieser Musik haben.
Dieser Auftritt ist übrigens auch als DVD auf den Markt gekommen, weist jedoch eine abgeänderte Tracklist auf, was den Kauf beider Tonträger noch interessanter machen dürfte.
Keep The Blues Alive!
Line-up:
Paul Jones (vocals, harmonica)
Dave Kelly (vocals, guitar)
Rob Townsend (washboard on "Few Short Lines")
| Tracklist |
01:I Can't Be Satisfied (3:50)
02:Baby What You Want Me To Do (3:59)
03:Moon Going Down (3:28)
04:Without You (3:18)
05:Velocity And Love (3:58)
06:Mr. Estes Said (3:52)
07:Nobody's Fault But Mine (4:30)
08:Few Short Lines (4:26)
09:Noah Lewis Blues (3:36)
10:Skin Game Blues (6:03)
11:D. Day Blues (5:12)
12:Mean Old Frisco (4:04)
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