Chris Kramer & Band / 26.10.2013, Cafe Country, Kleve
Rocktimes Konzertbericht
Chris Kramer & Ban
Cafe Country, Kleve
26. Oktober 2013
Stil: Blues
Konzertbericht


Artikel vom 02.11.2013


Joachim 'Joe' Brookes
Chris Kramer & BandDer Mann aus dem Ruhrpott war zu Gast am Niederrhein. Chris Kramer und seine Band rockten das Cafe Country in der Kreisstadt Kleve. Die Mischung aus älteren Songs und den ganz frischen vom Album "Unterwegs zur Sonne" hatte die perfekten Zutaten um zu belegen, welchen Standort der Harpspieler, Sänger, Produzent und Komponist in der Blues-Szene einnimmt. Mit seinen in deutscher Sprache gesungenen Liedern befindet er sich ganz weit oben in der Phalanx der besten Musiker dieses Genres. Der Streifzug durch seine Alben Chicago Blues, unterwegs, Komm mit! oder Chris Kramer Kramer kommt! waren eindeutige Belege für das hohe musikalische Niveau eines Chris Kramer. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Künstler darüber hinaus auch noch beste Noten als Entertainer bekommen konnte. Seine Begleitmusiker Dennis Hormes (Guitar), Martin Engelien (Bass, Backing Vocals) und Schlagzeuger Charly T. agierten auf Augenhöhe mit dem Protagonisten und so entwickelte sich von der ersten Minute an ein Konzert, das die Zuschauer wohl nicht so schnell vergessen werden.
Chris Kramer & BandWenn man als Auftakt eine instrumentale Eigenkomposition wie den "Harp Boogie" im Köcher hatte, dann brachte das Quartett alleine damit schon die Stimmung ans Köcheln. Warmspielen war hier ein Fremdwort. Die Combo befand sich von der ersten Sekunde an voll auf Betriebstemperatur und das Publikum erlebte nicht nur den Frontmann als beseelt aufspielenden Unterhalter. Wie schön ein "Betriebsurlaub" sein konnte, zeigte sich im Anschluss. Dennis Hormes rockte die Location mit seinem vom Bottleneck angetriebenen Arbeitsgerät und die Rhythmusabteilung ließ es ordentlich krachen. Das energetische Solo des Gitarristen traf ohne Umwege direkt ins Herz und man muss den fachkundigen Lesern nicht sagen, dass Chris Kramer auch bei diesem Gig ein phänomenaler Sänger war. Seine Texte stammen mitten aus dem Leben, sind kritisch und mit so manchem Augenzwinkern versehen. So weit das Mikrofonkabel für seine Harps reichte, verbrachte Chris Kramer während seiner furiosen Soli auch einige Zeit nicht auf der Bühne, sondern ganz nah bei den Zuschauern. Auch so wurde der Kontakt zum Publikum intensiviert. Klasse! Nebenbei geschrieben war der Frontmann ebenfalls ein heißer Kandidat für einen Luftgitarren-Wettbewerb.
Chris Kramer & BandDie meisten Songs hatten den Charakter eines Wirbelsturms, in dessen Auge definitiv genügend Zeit für herrliche balladeske Momente war. Chris Kramers Begeisterung für den Chicago Blues teilte er mit den Zuschauern und nicht nur Peter Maffay, mit dem er bereits tourte, ist mittlerweile ein großer Fan des Künstlers. "Unterwegs zur Sonne" verfügte über einen Drive, den man selbst auf einem Golfplatz noch nie erlebt hatte. Diese Nummer entwickelte sich zu einem Hammer-Rocker und im "Gangster Blues" war Dennis Hormes' Solo so gefährlich, dass es stante pede zur Fahndung ausgeschrieben wurde. Mit dem kurzen Songtitel "Bo" zog man mit einer längeren Spielzeit den Hut vor Bo Diddley. Chris Kramer begeisterte auf seinem kleinen Instrument durch herrliche Klangvariationen und bei "Du gabst mir sieben Kinder" durfte man beide Augen zum Zwinkern schließen. Auch wenn er seine Kappe etwas aus dem Gesicht schob, konnte man sich auf ein feuriges Solo freuen, besonders, wenn die Band, wie in "Drachenblut", in die Funk-Allee einbog. "Soweit das Auge reicht" glänzte durch differenzierten Groove und einer ansteigenden Dynamik. Einzigartig sind wohl Chris Kramers beeindruckende Harp-Feedback-Orgien am Verstärker und man muss ihn live erlebt haben, wenn er sein Instrument spielt, ohne es festzuhalten. Einmalig!
Chris Kramer & BandWar weiter oben bereits die Rede von Fahndung, dann kommt bei "Weitergehen" auch noch Entführung hinzu. Herrlich-luftiger Groove, strahlender Sonnenschein, blaues Meer, weißer Strand und ein cooler Cocktail ... alles inklusive Blues serviert von Chris Kramer und seiner Band. Diese Wunderbar musste sich irgendwo in der Karibik befinden. Apropos Karibik ... da passte das folgende "Wind in unseren Segeln" ja perfekt in den Ablauf. Im Auge des Orkans befand man sich nun im wunderschön-entspannten Balladen-Modus. Mit Chris Kramers authentischem Zwölftakter kam man echt in der Welt rum, denn von der Weite es Ozeans ging es hinüber, in die so zirka zwei Steinwürfe entfernte "Biggis Bier Bar". Mit einer großen Schippe Funk und einem Hammer-Groove versehen gab es zunächst einen langen Alleingang vom Bass-Spezialisten Martin Engelien. Es waren Zaubereien aus den tiefen Ton-Zonen und geschickt ließ er ein wenig königliches Feeling einfließen. Da ließ sich der Rhythmus-Experte Charly T. nicht zweimal bitten ... er solierte, dass sich die Balken bogen, trommelte unterwegs ohne Stöcke und auch hier wurde pure Begeisterung ausgelöst. Wieder mit allen Musikern an Bord war es in "Biggis Bier Bar" so richtig schön. Nicht nur beim Rock'n'Roll von "Lass uns tanzen gehen" wurde mächtig die Fußwippe aktiviert und eine Zugabe war so gewiss wie das Amen in der Kirche. In "Du musst gehen" war der Frontmann abermals am Verstärker psychedelisch in Aktion und "Bis wir uns wiedersehen" war dann eine gigantische Power-Ballade als Dank an das Publikum. Bei einem solch hinlangenden, in allen Bezügen beeindruckenden Konzert von zwei Stunden wird es irgendwann definitiv ein Wiedersehen geben. Chapeau!
Wir danken Martin Engelien für die problemlose Akkreditierung.
Line-up:
Chris Kramer (vocals, harmonica)
Dennis Hormes (guitar)
Martin Engelien (bass, backing vocals)
Charly T. (drums)
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