Kannemann / Flache Wasser sind still
Flache Wasser sind still Spielzeit: 46:02
Medium: CD
Label: Moonsound, 2009
Stil: Deutsch Prog Rock

Review vom 24.11.2009


Sabine Feickert
'Seemannsromantik', das war das Erste, was mir dazu durch den Kopf ging. 'Ein Liedermacher der klassischen Sorte' war das Zweite. Nils 'Kannemann' Manske ist ein Musiker der eher leisen Töne. Doch bei denen lohnt es sich, genauer hinzuhören.
Über die Seemannsromantik hinaus, sind in seinen Texten jede Menge Wortspiele und sozialkritische Anmerkungen zu finden. Er pendelt von Lied zu Lied zwischen den maritimen Themen, von Klabautermann, Schiff und Hafen zur Sozialkritik mit Ghetto, Großstadthorror und Penner. Dabei lassen sich die Texte durch die Reihe metaphorisch auslegen, so dass das gesamte Album dadurch stimmig wirkt.
Sehnsucht nach der Ferne und einer besseren Welt zieht als Leitmotiv durch die Platte. Es klingt ein bisschen wie Straßenmusik und verrät Kannemanns musikalische Herkunft: die seit 12 Jahren existierende Straßenband Rock Die Straße, die Kannemann mit seinem Bruder Mike Manske und dem Kontrabassisten Wolfgang Ahrends gegründet hat. Silvia Kohl vervollständigte die Truppe ein halbes Jahr später mit Gesang und Tanz.
Doch zurück zu Nils 'Kannemann' Manske. Vor vier Jahren begann er, eigene Lieder zu schreiben, "Flache Wasser sind still " ist schon sein drittes Soloalbum. Auch wenn der Silberling recht aufwendig instrumentiert ist - fast alle Instrumente sind von Kannemann persönlich eingespielt - ist doch ein 'Akustik'-Flair dominierend. Alle Songs würden auch nur mit Akustik-Gitarre und Gesang funktionieren.
Ziemlich schnörkellos und direkt bringt er die Sache auf den Punkt. Er schildert eindringlich Alltagsszenen und beschäftigt sich dabei auch mit denen, die in der Gesellschaft im allgemeinen nicht sonderlich gut angesehen sind. Der tote Penner, der an einem kalten Wintertag unbeachtet unter dem Dach eines Ladens liegt und keine Spuren hinterlässt, niemanden hat, der sich an ihn erinnert und nach ihm fragt. Oder die Szene in der Hafenkneipe, in der zwei Liebende darauf warten, dass er am nächsten Morgen an Bord muss.
Mein ganz persönlicher Favorit auf diesem Silberling ist jedoch "Incity", eine herrlich zerrissene, leicht bluesige Liebeserklärung an Kannemanns Heimatstadt Hamburg, die mich ein bisschen an
Klaus Lage denken lässt.
Damit jetzt aber kein falscher Eindruck erweckt wird - Kannemann hat einen sehr eigenen Stil. Vergleiche fallen schwer und beziehen sich mehr auf meine Assoziationen beim Hören, denn tatsächliche Ähnlichkeit.
Einflüsse aus allen möglichen Ecken sind hörbar und doch zu einem ganz individuellen Sound verwoben. Neben Folk und Blues sind auch Flamenco und Jazzelemente und das, was so hässlich neudeutsch 'Liedermaching' genannt wird, erkennbar.
Auf der Instrumentalnummer "Ochseninselsuite" präsentiert Kannemann zum krönenden Abschluss seinen autodidaktisch entwickelten Gitarrenstil ganz intensiv.
"Flache Wasser sind still" ist genau das Richtige für alle, die gern mal die leiseren Töne mögen, sich für Liedermacher begeistern können und dabei Neuem aufgeschlossen sind.
Line-up:
Nils 'Kannemann' Manske (Gesang, Akustikgitarren, E-Gitarren, Bass, Klavier, Mundharmonika, Harmonium, Schlagzeug, Percussion)
Julia Voigt (E-Bass, Kontrabass, Cello)
Tracklist
01:Wenn der Klabautermann es will
02:Das Paradies auf Erden
03:Incity
04:Seemann
05:Jessi
06:Mir fehlt nix
07:Das Ghetto ohne Zukunft
08:Nur ein Penner
09:Halt mich fest
10:Ochseninselsuite
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