Killerton / Unsere Welt
Unsere Welt Spielzeit: 55:59
Medium: CD
Label: Burnout Records, 2012
Stil: Deutschrock

Review vom 17.10.2012

       
Sabine Feickert                  Nadja Feickert
Ein Debütalbum da lässt man als Rezensent ja eigentlich gern Gnade walten. Junge Bands brauchen Zeit, um ihren Stil zu finden, zu reifen und sich zu entwickeln. Sie orientieren sich oft an Vorbildern, nicht wenige fangen mit Coversongs an, aus denen sich dann der eigene Stil entwickelt. Die Fans rekrutieren sich zunächst aus dem erweiterten Freundeskreis und nehmen wenn's gut läuft - allmählich zu. Besonders gut kommt da zumeist Songmaterial an, das so ziemlich jeder kennt und mitgrölen kann. Je nach Freundeskreis sind das dann Rolling Stones, AC/DC, Deep Purple oder auch die Böhsen Onkelz. Ja, auch letztere werden massenhaft gecovert, getributet oder als Inspiration genutzt. Wie mein Kollege Moritz in seinem Saitenfeuer-Review mit den Worten »bierselige, deutschsprachige Rockmusik mit kleiner Oi!-Kante à la Frei.Wild, Unantastbar, Kärbholz, Kneipenterroristen, Krawallbrüder oder Betontod« ein Genre beschreibt, in dem sich viele tummeln, alte Götter aus dem Dreck auferstehen und jeder ein Stück vom Kuchen abhaben will.
Genrebedingt ist dabei der Anspruch der Fans nicht unbedingt auf virtuose Musikalität und feingeistige Texte ausgerichtet. Derb und derber darf es sein, Suff und diese Sch***welt, Fußball und Frauen, 'alloholgestützte' Freundschaft und 'wir halten zusammen' sind die typischen Themen. Rotzig, laut, knüppelhart und oft gitarrenlastig der Sound mit dem Ruch von Straßendreck. Wenn die Truppe gut ist...
Das vorliegende Album reißt mich allerdings nicht wirklich vom Hocker. Irgendwie kommt das ein bisschen lahm rüber und wirkt auf mich wie gewollt aber nicht gekonnt. Vielleicht hat mich auch das von Moritz geschilderte Phänomen der Übersättigung mit diesem Musikstil gepackt? Oder komme ich gar ins gesetztere Alter, in dem früher alles besser war?
Wie gut, dass ich unser Redaktionsküken Nadja gerade im Haus habe, hören wir doch mal gemeinsam rein. Doch meine Punk'n'Oi!- und Straßenrock-Expertin hat auch nur ein müdes Lächeln übrig. Wir finden zusammen die Versatzstücke von Onkelz und Frei.Wild in den Songs und können uns recht schnell darauf einigen, dass die Nummern klingen, als habe eine Vollsufftruppe Texte und Melodien ihrer Lieblingsbands mit gefühlten drei Promille durcheinandergewürfelt. In "Schöne Lieder" schimmert "Halt deine Schnauze" der Tiroler mit dem Text der "Heiligen Lieder" durch, das "Kleine Licht" beginnt wie "Freddy Krüger", wird dann aber recht schnell von einer zu dominanten Gitarre versaut. In "Goodbye Deutschland" darf Exploited den Anfang prägen. Kein Song ist wirklich geklaut, aber alle sehr stark 'inspiriert'.
Die eigene Note besteht im verschlimmbesserten Zusammenmontieren von Fundstücken. Dabei ist nicht die 'Montage' verwerflich, auch das kann ja durchaus reizvolle Ergebnisse bringen, wenn das abschließende Gesamtbild stimmig ist. Genau diese Stimmigkeit fehlt hier aber. Die Texte sind pathetische 'Reim-dich-oder-ich-fress-dich' Lyrics mit zurechtgequältem Versmaß. Der Gesang klingt nach so schlimm verstellter, gepresster Stimme, dass der Hals schon beim Zuhören anfängt zu schmerzen.
Wobei sich das Thema Gesang wohl mittlerweile erledigt haben dürfte, denn bei der Recherche prangte mir auf der Band-Homepage eine Sängersuch-Anzeige entgegen. Nun denn, wir wünschen viel Glück dabei!
Line-up:
Karsten (Gesang)
Sebastian (1. Gitarre)
Arno (2. Gitarre)
Michael (Drums)
Tom (Bass)
Tracklist
01:Uns doch egal
02:Alte Zeiten
03:Schöne Lieder
04:Wahre Freunde
05:Wo ist der Krieger
06:König Fußball
07:Kleines Licht
08:Goodbye Deutschland
09:Es ist die Zeit
10:Buch mit 7 Siegeln
11:Schmerz
12:Falsche Ziele
13:Ab heut
14:Immer weiter (Bonus-Track Erstauflage)
15:Blanker Hass (Bonus-Track Erstauflage)
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