Killing Joke / The Singles Collection 1979-2012
The Singles Collection 1979-2012 Spielzeit: 66:59 (CD 1), 67:24 (CD 2)
Medium: Do-CD
Label: Spinefarm Records, 2013
Stil: Alternative / Post-Punk

Review vom 17.04.2013


Jens Groh
Killing Joke halten Werkschau. Bei einer Band, die etliche an genialen Liedern ihr eigen nennt, allerdings nur einen wirklich großen Hit hat, nämlich "Love Like Blood" (das war auch meine Einstiegsdroge, damals noch auf einem Sampler der 'Formel Eins'-Show), kann man schon mal locker eine Doppel-CD auf die Fans loslassen.
Nur kommt hier gleich die Frage auf. Braucht ein echter Fan diese Kompilation??? Eigentlich nicht.
Denn erstens sind die Single-Versionen oft sehr dicht an den Originalen. Oder es gibt gar keinen Unterschied zu den regulären Album-Versionen. Okay, ab und zu klingt ein Song schon ein ganz wenig anders, "The Beautiful Dead" z. B. ist ein wenig langsamer. Aber wirklich essentiell ist dieser Doppelplasteteller nicht. Für Fans wohlgemerkt.
Sollte man nur Gelegenheitshörer dieser Kultband sein, lohnt sich der Kauf allerdings. Denn gerade die Songs, die von Scheiben wie "Democracy" oder "Killing Joke" stammen, sind nicht so einfach zu haben. Für beide Scheiben latzt der geneigte Hörer relativ hohe Preise bei den üblichen Verdächtigen unter den Mailordern. Allerdings erschließt sich mir nicht, wieso gerade "Loose Cannon" statt "Astroid" (beide auf "Killing Joke") es auf diese Best Of geschafft hat. Na egal, das weiß wahrscheinlich nur Mister Coleman selbst. Jener Querdenker, Philosoph, Kosmopolit, Zigarrenliebhaber und - seien wir ehrlich, Psychopath in Reinkultur - ist der Dreh und Angelpunkt der Briten. Seine Texte, die er mal lieblich klingend, oft wütend fauchend von sich gibt, sind nach wie vor 'over the top'.
Hier dürfte sich so mancher Möchtegern Revoluzzer und Weltverbesserer eine ganz dicke Scheibe abschneiden. Coleman haut um sich, wo immer er Ungerechtigkeiten in der Welt erblickt und bringt diese Eloquent zu Papier.
Allerdings möchte ich nicht verschweigen, dass ich letztes Jahr als der Joke in Frankfurt/Main zu Besuch war, doch ein wenig ins Grübeln kam, wenn ich Titel wie "Money Is Not Our God" kenne und dann für ein läppisches Shirt 25!!! und eine CD 20!!! Europadollar verlangt werden. Da schlägt es doch dem Fass den Boden aus.
Oder wie war das mit Wein trinken und Wasser predigen???
Neben der normalen Doppel-CD-Version, die in der limitierten Erstauflage mit einer dritten CD mit Raritäten kommt, gibt es auch die Zigarrenschachtel (von denen die Burschen so einige wegpaffen, deren Wert sich auf einige Monatslöhne von Billiglöhnern in Drittländern liegen dürfte. Hier wettert Jaz Coleman ja auch ganz gerne über die Dekadenz von uns Europäern) mit einigen Extras, bei der man kräftig zur Kasse (jenseits der 200 Pfund) gebeten wird, diese Tatsache lässt mich doch ein wenig angepisst zurück.
Und noch mal so am Rande: Die Herren ließen auf ihrer letzten Tour auch schon mal das ein oder andere verdutzte Gesicht zurück, denn während ich das Glück hatte, den 'Witz' in Höchstform zu erleben, gab es davor und danach einige Ausfälle in Punkto Performance und Songauswahl, so wunderte sich unser Udo ein paar Tage zuvor, dass nicht einmal "Love Like Blood" gezockt wurde und insgesamt alles etwas gelangweilt vorgetragen wurde.
Auch hinterher zeigte man (hier im speziellen Kevin 'Geordie' Walker von seiner schlechtesten Seite, indem er Weinflaschen von der Bühne nach den Fans schmiss.
Schade dass gerade jemand, der das zweite Erkennungsmerkmal einer Band verkörpert, sein Gitarrenanschlag ist mehr ein Streichen über die Saiten und macht viele Songs zu Gänsehauterruptionen, sich so billig benimmt. Zumal auch er schon die fünfzig überschritten hat. Naja, vielleicht kommt hier der Punk zum Vorschein, schön ist so was dennoch nicht.
Ich hatte das Glück, damals einen guten Best Of-Auftritt zu erleben und bekomme auch hier das volle Brett aus der Silberscheibe. Wenn man also nicht das Vergnügen hatte, die Kerle live zu erleben kann man sich diesen Doppeldecker gerne unter den Laser legen.
Allerdings sollte vielleicht die Grundvariante langen. Immerhin gibt's 33 Songs zu erleben von denen viele Kultstatus ("War Dance", "Requiem") erlangt haben.
Und es wird das ganze Spektrum abgedeckt, also von einfachen punkigen Songs ("Nervous System") über die Pop-Phase ("Kings And Queens") zum Industrialkrachern ("Hosannas From The Basements Of Hell") bis hin zu tanztauglichen Ohrwürmern ("European Super State") bis zum Rock ("Jana").
Killing Joke zeigen den Nachfolgern, wo der Hammer hängt. Zumindest auf CDů
Line-up:
Jaz Coleman (vocals,keyboard)
Kevin 'Geordie' Walker (guitar)
Paul Ferguson (drums) [1979-1987, seit 2008]
Martin 'Youth' Glover (bass) [1979-1982, 1994-1996, seit 2008]
Paul Raven † (bass) [1982-1987, 1990-1991, 2003-2006]
Martin Atkins (drums) [1988-1991]
Tracklist
CD 1:
01:Nervous System
02:War Dance
03:Requiem
04:Follow The Leaders
05:Empire Song
06:Chop-Chop
07:Birds Of A Feather
08:Lets All Go (To The Fire Dances)
09:Me Or You
10:Eighties
11:A New Day
12:Love Like Blood
13:Kings And Queens
14:Adorations
15:Sanity
16:America
17:My Love Of This Island
CD 2:
01:The Beautiful Dead
02:Money Is Not Our God
03:Exorsism
04:Millenium
05:Pandemonium
06:Jana
07:Democracy
08:Loose Cannon
09:Seeing Red
10:Hosannas From The Basements Of Hell
11:In Exelsis
12:Fresh Fever From The Skies
13:European Super State
14:Ghosts Of Ladbroke Grove
15:In Cythera
16:Corporate Elect
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