Ein Rockstar zu sein war das Letzte, was ich wollte
The King Interview mit The King am 08.05.2010 am Rande des Bikerfestes beim Motorradausstatter POLO in Jüchen

Fotos: ©Marcus Brüggemann

Interview vom 20.05.2010


Udo Gröbbels
Lange war es sehr still um The King, der mit bürgerlichem Namen James Brown (!) heißt und aus Belfast stammt. Nach langer Tour- und Albumpause war ich sehr erstaunt, als ich vor ein paar Monaten las, dass er mehr oder weniger exklusiv beim Bikerfest von POLO in Jüchen spielt. Der dortige Club, das Red Hot, sollte also vielleicht ein Comeback einläuten. Diese und einige andere Dinge gab es zu klären und so machten es sich der 'König' und ich auf der Sonnenterasse des Firmengeländes bequem und plauderten ein wenig über Coverversionen, die Schattenseiten des Erfolges und ob es eine richtige Rückkehr ins Musikgeschäft geben wird.
The KingRockTimes: Ich habe dich zuletzt live vor fünf Jahren gesehen. Danach warst du komplett von der Bildfläche verschwunden. Was hast du in der Zwischenzeit gemacht?
King: Zuerst habe ich mich mal wieder intensiv um meine Familie gekümmert. Familie ist mir sehr wichtig und durch das viele Touren war ich immer lange Zeit fort. Ich bin sogar jetzt seit zwei Jahren Großvater (grinst stolz) und das ist schön, so etwas hautnah miterleben zu dürfen.

RockTimes: Warst du also einfach müde vom Touren und vom ganzen Rock-Zirkus?
King: Nein, das würde ich nicht sagen. Platten aufnehmen ist anstrengend, aber abends live auf der Bühne zu stehen, habe ich immer genossen. Deshalb macht man ja schließlich Musik, um live auftreten zu können. Außerdem ist der Adrenalinkick auf der Bühne mit nichts zu vergleichen. Trotzdem brauchte ich einfach mal eine Auszeit.

RockTimes: Warst du sehr enttäuscht, dass dein letztes Album "Any Way You Want Me" total gefloppt ist?
King: Ehrlich gesagt war es eigentlich abzusehen. Die Platte wurde nicht wie die ersten beiden reinen Cover-Alben über eine Plattenfirma vertrieben, sondern man bekam die nur über die Homepage oder bei Konzerten. Es war mehr ein Experiment. Nach zwei Alben nur mit Fremdkompositionen wollte ich einfach mal meine eigenen Lieder, die ich zusammen mit einem anderen Songwriter komponiert hatte, veröffentlichen. Aber, wie du schon sagtest, war es insgesamt ein ziemlicher Flop.

RockTimes:The King Was man von deinen ersten beiden Alben "Gravelands" (1998) und "Return To Splendor" nicht behaupten konnte!
King: Erfolgreich waren diese beiden Platten schon, aber reich bin ich damit nicht geworden. Das Problem war ja, dass es sich um reine Coveralben handelte und man ja immer Tantiemen an den Künstler bzw. an deren Plattenfirma zahlen muss. Da bleibt dann nicht viel über. Verdienen konnten wir damals nur durch Konzerte.

RockTimes: Das Konzept war damals bei diesen beiden genannten Alben, dass du ausschließlich Lieder von Künstlern coverst, die bereits verstorben sind. Seit "Return To Splendor" sind ja zwischenzeitlich leider wieder viele große Künstler wie Johnny Cash, Joey Ramone, George Harrsion oder Michael Jackson gestorben. Damit ist doch eigentlich wieder genug Material für ein drittes Coveralbum am Start.
King: (lacht laut) OK, unter diesem Aspekt gesehen hast du schon recht. Gestorben wird immer (lacht). Aber ernsthaft: Soweit bin ich noch nicht. Ich arbeite aktuell mit einem Produzenten zusammen und wir haben ein paar Ideen gesammelt. Konkret würde das aber erst nächstes Jahr. Kurzfristig ist also erst mal nichts zu erwarten.

RockTimes: Nach diesem Blick in die Zukunft, möchte ich gerne mal in der Zeit etwas zurück gehen. Wie war das damals im Jahre 1998 als "Gravelands" mit der Hitsingle "Come As You Are" (Nirvana-Cover) heraus kam und sich gut verkaufte - hat das dein Leben von heute auf morgen komplett verändert?
King: Nicht wirklich. Das Album war in Europa sehr erfolgreich und auch etwas in den USA. Die Leute denken immer, dass man dann sofort in Geld schwimmt. Wie bereits erwähnt, ist dem natürlich nicht so. Trotzdem habe ich diese Phase sehr genossen und manchmal denke ich heute noch: 'Wow, warst du das damals wirklich?' Es kommt mir heute manchmal nach all den Jahren immer noch wie ein Traum vor. Natürlich haben wir, als wir "Gravelands" aufnahmen, zu keiner Zeit auch nur ansatzweise mit diesem Erfolg gerechnet.

RockTimes:The King Hast du dich seinerzeit eigentlich wie ein richtiger Rockstar gefühlt? Immerhin bist du im Jahre 2000 sogar bei "Wetten, dass...?" aufgetreten, was ja damals und heute auch noch eine der größten TV-Abendshows in Europa ist.
King: (schaut etwas ernster) Wenn ich ehrlich bin, mag ich diesen ganzen Ruhm gar nicht und ein Rockstar zu sein ist das Letzte was ich wollte. Damals konnte ich wirklich nirgendwo hingehen, ohne dass mich die Leute erkannt haben und dann auch angesprochen haben. So etwas behagt mir überhaupt nicht. Ich mag es einfach normal zu sein und unerkannt beim Bäcker Brötchen zu holen, oder mit meiner Frau in ein Restaurant zu gehen. Das ist für mich wichtig und ein Stück Lebensqualität. Die Sache wurde mir dann bei "Return To Splendor" langsam unheimlich und das hat mich auch bewogen, mich das erste Mal aus dem Business zurückzuziehen. Manchmal passiert das heute auch noch, mit dem Erkannt-Werden. Als ich gestern am Flughafen London-Gatwick umsteigen musste, hat mich auch jemand erkannt und auf mich gezeigt. Ich fühle mich dann nie ganz wohl und weiß auch nie, was ich dann machen soll. Ich habe nett »Hello« gesagt und bin dann weiter gegangen.

RockTimes: Als ich dich vor zehn bzw. zwölf Jahren live gesehen habe, hattest du eine wirklich tolle Band am Start. Hast du heute wieder komplett neue Musiker für das Konzert oder sind noch Leute von damals dabei?
King: Das mit der Band ist ein eher unschönes Kapitel. Im Jahre 2000, einige Tage vor dem Start der Deutschlandtour, mussten wir die komplette Band ersetzten, da es damals große Probleme mit den Musikern und dem Management gab. Ich musste also mit ganz neuen Leuten in vier Tage das komplette Programm einstudieren, aber es hat geklappt.
Heute habe ich alles neue Musiker dabei, alles Deutsche. Bassist Stefan kommt aus Hamburg und ist sogar ein richtiger Doktor und die anderen Musiker Uwe, Toshi und Jan stammen alle aus Freiburg.

RockTimes: Freiburg ist so etwas wie dein Sitz in Deutschland. Dein Manager Zeus kommt auch daher, oder?
King: Zeus ist nicht mein Manager, sondern er ist Produzent und hat in Freiburg ein Studio und wir arbeiten eng zusammen. Er ist heute hier vor Ort als eine Art Betreuer.
(Anmerkung: Zeus B. Held hat früher u.a. bei Birth Control gespielt und war als Produzent für Leute wie Lindenberg oder auch Nina Hagen tätig).

RockTimes: Deine heutige Show steht unter ganz anderen Vorzeichen als damals. Du warst jetzt lange weg und was hast du nach dieser langen Pause für Erwartungen an den heutigen Abend? King: Ich habe keine besonderen Erwartungen. Ich freue mich wieder live auf der Bühne stehen zu dürfen und das Red Hot gefällt mir sehr gut. Ich hoffe, dass die Leute Spaß haben, tanzen und einfach eine gute Zeit haben werden. Die Umstände stimmen alle und jetzt hoffe ich auf einen schönen Konzertabend.
(Anmerkung: Es wurde ein toller Konzertabend).

RockTimes: Habt ihr auch neue Stücke einstudiert, die nicht auf deinen beiden Coveralben waren?
King: Wir spielen heute ein Best Of-Set aus "Gravelands " und "Return To Splendor". Dazu kommen noch einige Elvis-Klassiker. Lass dich überraschen.

RockTimes:The King Mal was ganz anderes: Deine Homepage ist sehr einfach gemacht und aus heutiger Sicht ziemlich veraltet. Gehe ich Recht in der Annahme, dass du mit so etwas nichts anfangen kannst?
King: Ja, ganz genau. Ich habe zwar zu Hause einen PC, aber von Homepages und so etwas keine Ahnung. Ich habe eine Freundin, die diese Website betreibt und ich soll ihr immer News schicken und Infos, aber ich vergesse das regelmäßig. Als Großvater darf man auch mal was vergessen (lacht).

RockTimes: Abschließend möchte ich natürlich noch wissen, was nach dem heutigen Termin ansteht. Auf deiner besagten Homepage stehen jedenfalls keine weiteren Termine mehr.
King: Ich komme am 04.06.2010 zu einem weiteren Konzert nach Deutschland und werde in Soest bei einem Elvis-Gospelabend singen. Elvis hat ja seinerzeit auch Gospel gesungen und das wird sicher eine interessante Sache. Ich bin jedenfalls gespannt auf diesen etwas anderen Auftritt. Ansonsten, wie gesagt, arbeiten wir an Plänen für ein neues Album. Ich bin aber auch Realist genug, um zu wissen, dass wir wohl nicht mehr an die alten Glanzzeiten anknüpfen können. Bei uns sagt man »Every dog has his day« (bedeutet soviel wie 'Jeder hat nur einmal Glück im Leben') und ich weiß einfach, dass ich damals zur richtigen Zeit mit der richtigen Platte am Start war. Heute ist das Musikgeschäft ganz anders geworden und daher wäre ich froh, wenn ich in dieser schnelllebigen Zeit trotzdem nochmals eine Platte veröffentlichen kann und eine kleine Tour machen darf.

RockTimes: Dann wünschen wir dir viel Erfolg mit der Plattenproduktion und hoffentlich sieht man dich 2011 mal wieder auf einer richtigen Deutschlandtour.
Konzert

The KingUm 21.00 Uhr legt zunächst die Vorband Danny & The Wonderbras gut vor. Das Rockabilly-Trio aus Leimersheim/Rheinland-Pfalz sorgte für 45 sehr abwechslungsreiche Minuten, in denen man eine gute Mischung aus eigenen Songs und Coverstücken präsentierte. Frontmann Danny mit seiner Megatolle hatte das Volk schnell im Griff und extra für die Location gab man den Oldie "Red Hot" von Ronnie Hawkins zum Besten.
The KingNach einer Umbaupause war es dann endlich soweit und mit "That's Alright" von Elvis gab der King sofort einen klasse Einstieg. Wie angekündigt, gab es bekannte Nummern aus den beiden Erfolgsalben, wobei "Gravelands" fast komplett gespielt wurde. Natürlich kann man aber auch mit Gassenhauern wie "Sweet Home Alabama", "Whole Lotta Rosie" oder "Whole Lotta Love" bei einem Bikerpublikum nichts falsch machen.
The KingDas Red Hot (mit 600 Leuten ausverkauft) jedenfalls feierte den 'König', dem sein Comebackkonzert richtig Spaß machte, gut ab. Krönung waren die beiden Elvis-Zugaben in Form von "Suspicious Mind" und "A Little Less Conversation". Gerade bei der letzten Nummer wurde von Seiten des Publikums nochmals alles mobilisiert und man tanzte richtig ab.

Nach knapp 100 Minuten war dann Schluss und mit dem obligatorischen "Elvis Has Left The Building" endete ein tolles Konzert eines sehr sympathischen Künstlers. Long live the King.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Friedhelm Kortmann von POLO, der uns das Interview organisiert hat und natürlich auch bei Zeus.
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