Kourtyl / Same
Same Spielzeit: 55:44
Medium: CD
Label: Ex-Tension Records, 2006
Stil: Prog Rock

Review vom 04.11.2007


Ulli Heiser
»What is the coolest thing you can hear in France right now?«
Ich weiß es nicht, aber obiges Zitat will wohl suggerieren, dass dies die Band Kourtyl ist. Nun kennt sich der gemeine Rockfan, so er denn kein Franzose ist, nicht unbedingt aus, in der französischen Rocklandschaft, aber ein Vergleich mit dem Bekannten tut das keinen Abbruch, denn auf was es beim Rezensieren ankommt, sind die Ohren und die sind international gleich. Textlich sieht es anders aus, denn da machen Kourtyl nicht den Versuch, wie die meisten andern Musiker aus nicht englischsprechenden Landen, anders zu singen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Ich sag nur 'Freedom Fries', aber das ist eine andere Geschichte ...
2001 beschlossen vier Studenten, gemeinsam Musik zu machen und bis auf den Urbasser Pierre sind auch alle noch mit im Line-up. Verschrieben hat sich die Band dem Prog Rock und stellenweise klingt das sogar ein wenig metallisch, so dass man eine Mischung aus Prog und ansatzweisem Prog Metal attestieren kann.
Melodische Strukturen, oft verstärkt durch akustische Gitarren, wechseln sich ab mit metallischen Momenten. Zarte Vocals, spärlich instrumentiert, stehen powervollen Sangesausbrüchen gegenüber und wie das im Progbereich so üblich ist, sorgen passende Breaks für stilgerechte Trennung. Jedes Instrument bekommt Zeit und Raum, um sich darzustellen. In "Marie" zum Beispiel werden die Felle erst zart gestreichelt und Paulo haucht zurückhaltend ins Mikro, bis die volle, brachiale Progmaschine zuschlägt. Harte Riffs und gewaltige Basspumper sorgen für ein Wechselbad der Gefühle. Wer die Geige spielt, entzieht sich meiner Kenntnis, aber dieses Instrument ist zu Beginn von "Damnee" ganz lieblich zu hören und sorgt für interessante musikalische Aspekte, zumal im weiteren Verlauf der Nummer doch gewaltige Soundwände aufgefahren werden.
Die Stärke der Band liegt genau in diesem Kontrast aus akustischen und zerbrechlich wirkenden Passagen und den gewaltigen Eruptionen, zu denen die vier Jungs an ihren Instrumenten fähig sind. "Le Royaume De Mu" beginnt mit einer perkussiven Einlage, die den Weg freitrommelt, der dann ganz progressiv vom Rest der Franzosen weitergegangen wird. Totale Breaks, sprich kurze Stille, lassen die folgenden Ausbrüche besonders wirken und die verzerrte Gitarre klingt gar ein wenig orientalisch. Zumindest kann ich mir so eine morgenländisch klingende E-Gitarre vorstellen.
Immer wieder führen gekonnte Melodien aus der Proglandschaft hin zu Siebzigerjahre-Flair. Überhaupt wirkt die Musik auf mich vertraut, und das trotz der französischen Lyrics. Das liegt daran, dass man songwriterisch keine Experimente macht und eine Linie verfolgt wird, die niemanden überfordert, aber auch niemanden langweilt. Sehr gut getroffen, lässt sich also überzeugt feststellen. Gerade läuft zum wiederholten Mal der Opener "Renes" mit den saustarken Gitarren, die ein spanisch anmutendes Metal-Solo zelebrieren.
Die eingangs gestellte Frage kann ich aber auch beim zweiten Durchlauf des Albums nicht beantworten. Aber würdige Botschafter der Grande Nation in Sachen Rock sind Kourtyl allemal.
Line-up:
Briac Maillard (bass)
Jérémie Calani (guitar)
Marcus Linon (drums)
Paulo Curralo (guitar, vocals)
Tracklist
01:Renes
02:Princesse
03:Gabrielle
04:Marie
05:Damnee
06:Cathy
07:Le Royaume De Mu
08:L'extension
09:Solei Deviant
10:Un Monde Parfait
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