Alvin Lee / In Flight
In Flight Spielzeit: 40:37 (CD 1), 55:34 (CD 2)
Medium: CD
Label: Repertoire Records, 2012 (1974)
Stil: Rock


Review vom 01.12.2012


Daniel Daus
Durfte ich noch vor einigen Tagen die Wiederauferstehung des Kultalbums von Alvin Lee und Mylon LeFevre On The Road To Freedom mitbegleiten, ist es mir nun auch vergönnt, einen weiteren Klassiker aus Lees Solo-Frühzeit, das Live-Album "In Flight" von 1974 zu begutachten, das Repertoire Records jetzt ebenfalls neu aufgelegt hat.
Meine bisherigen persönlichen musikalischen Kontakte zu Alvin Lee sind eher limitiert:
Das Ten Years After-Album "About Time" gefiel mir (mit dem an ZZ Top angelehnten Ambiente) äußerst gut und weiß auch heute noch mit einer recht guten Produktion (für die auch bereits verstrichenen Jahre) zu überzeugen. Etwas später, ich weiß es nicht mehr so genau - ich meine, es wäre Anfang der Neunziger gewesen - habe ich ihn in der Rheinberger Stadthalle im Rahmen der legendären Blues Parties (schade, dass es sie schon lange nicht mehr gibt) als gleichberechtigten Act mit Mick Taylor zusammen live erlebt, auch das war damals ganz unterhaltsam und gut.
Das jetzt zu besprechende Teil ist die Wiedergabe eines Konzerts im Londoner Rainbow (früher Astoria, in dem namhafte Interpreten wie Genesis, Jimi Hendrix und Eric Clapton zuvor bereits aufgetreten waren), das Alvin relativ kurze Zeit später nach der Kooperation mit Mylon LeFevre, mit einer flugs zusammengestellten neuen Band, bestehend aus Mel Collins (Saxophon, Flöte), Alan Spanner (Bass), Neil Hubbard (Gitarre), Dylan Birch, Frank Collins, Paddie McHugh (allesamt Background-Gesang), Ian Wallace (Schlagzeug) und Tim Hinkley (Keyboards) im Rahmen einer Wette mit George Harrisons Geschäftsführer Terry Doran in die Wege geleitet hatte. Die beiden Letztgenannten hatten auf dem o.a. Album bereits sporadisch mitgewirkt.
Schön die Liner Notes von Chris Welch im eingesteckten Booklet des hochwertigen Klapp-DigiPaks (mit einigen schönen Bildern), der auch hier wieder (wie zur "On The The Road To Freedom"-CD) einige Anekdoten aus Lees damaliger Zeit zum Besten gibt. Man erfährt zum Beispiel, dass für den Gig extra der John Players Special-Formel 1-Wagen von Jacky Ickx als Bühnendekoration aufgefahren wurde.
Musikalisch ist das Ganze trotz guter Musiker aus heutiger Sicht auf bescheidenem Niveau anzusehen, wenn es auch als eines der besten Werke von ihm gilt. Aber der muffige Siebziger-Sound ist (trotz Nachbearbeitung) omnipräsent. Das Konzert wurde mit teilweise brachialen, unschönen Übergängen aus dem Zusammenhang gerissen. Wer braucht heute im Jahr 2012 noch Coverstücke aus dem Elvis Presley-Dunstkreis wie "Don't Be Cruel", "Money Honey" oder "Mystery Train"? Ich, ehrlich gesagt, nicht! 'Grausig' auch die Akustikversion von "All Life's Trails", die Lees limitiertes Gesangskönnen (trotz seiner unverkennbaren und zum Blues Rock-Genre zumindest gut passenden Stimme) ziemlich deutlich offeriert. Nicht zu vergessen die nervigen Backs (eigentlich höre ich solche ja richtig gerne) von Paddie McHugh, die mit ihrem hölzernen Gequäke, ihre beiden männlichen Mitstreiter völlig überflüssig erscheinen lässt.
Ganz gut gefallen mir das ruhige "Coming Through The Door", das schön, fast schon jazzig verschachtelte Instrumental "Freedom For The Stallion" (klasse hier die 'Konversation der Instrumente' von Collins und Lee) und die flotten, mit viel Power gebrachten "Ride My Train" und "I've Got Eyes For You Baby". Der Rest ist so eine Art soulig angehauchter Rhythm'n'Blues, wie ihn die Commitments Anfang der Neunziger etwas peppiger aufgeführt haben.
Hier hätte ich eine DVD viel schöner gefunden. So hätte man sicher das Siebziger-Feeling (vielleicht mit Impressionen vom Rainbow und den Leuten mit ihren damaligen Zottel-Matten, langen Koteletten, Batikhemden und Schlaghosen) zumindest etwas unterhaltsamer und authentischer rüberbringen können. Aber vermutlich gab es entweder hierzu keine Filmaufnahmen oder es ist halt nicht mit dem heutigen Kosten-Nutzen-Prinzip vereinbar.
Wem kann ich die Doppel-CD "In Flight" jetzt empfehlen? Nun ja, natürlich meinen liebgewonnenen Freunden, die die Siebziger-Ära immer noch als einzig wahre Musik vergöttern, als wenn es überhaupt kein Danach mehr gegeben hätte () und den Lee-Alles-Sammlern. Die erhalten nämlich noch mit "Somebody Callin' Me" (live) und der ausgedehnten Studioaufnahme "Put It In A Box" (hier wird Alvins Gitarrenspielkunst nochmal eindrucksvoll im fast dreiminütigen Instrumentalfinish dokumentiert) zwei Bonustracks on top. Ich persönlich werde allerdings, wenn in mir ein plötzliches Verlangen nach Alvin Lee-Musik durch den Körper strömen sollte, auch in Zukunft eher wohl doch die oben erwähnte Ten Years After-Scheibe "About Time" in den Player legen.
Tracklist
CD 1:
01:Got To Keep Moving
02:Going Through The Door
03:Don't Be Cruel
04:Money Honey
05:I'm Writing You A Letter
06:You Need Love Love Love
07:Freedom For The Stallion
08:Every Blues You've Ever Heard
09:All Life's Trails
 
 
 
 
 
 
 
 
 
CD 2:
01:Intro
02:Let's Get Back
03:Ride My Train
04:There's A Feeling
05:Running Round
06:Mystery Train
07:Slow Down
08:Keep A Knocking
09:How Many Times
10:I've Got Eyes For You Baby
11:I'm Writing You A Letter
Bonustracks:
12:Somebody Callin' Me
13:Put It In A Box
Externe Links: