James LaBrie / Elements Of Persuasion
Elements OF Persuasion
Das ist es also! Das dritte Soloalbum von James LaBrie, bekannt als Sänger des Progmetal-Flaggschiffs Dream Theater. "Elements Of Persuasion" hat der für seine Tiefgründigkeit berüchtigte Musiker seinen erneuten Seitensprung genannt. Soviel sei schon an dieser Stelle verraten: Der Output ist absolut überzeugend!
Man findet viele Facetten bei der "Auditüre" des Werkes. Es ist zunächst einmal verdammt hart geworden. Der Schwerpunkt der Produktion liegt eindeutig auf der Gitarre. Bedient wird sie technisch sehr versiert von Marco Sfogli. Er raspelt brillante Soli herunter. Hört euch nur mal die Kleinodien bei "Crucifey" und "Freak" an.
James LaBrie verwendet Samples. Er baut sie geschickt in die Kompositionen ein. Sie lockern das Geschehen auf. So sorgt er für eine gewisse Entspannung inmitten der teilweise doch etwas düsteren Gitarrenwände. Witzig ist, dass mir die Loops, (Dark) Waves und Sequenzes eigentümlich bekannt vorkommen. Nicht, dass er sie dort requiriert hat, aber so ähnliche Töne hat der "Rave-eJay" auch drauf. - ein Programm mit dem prima das soziale Umfeld in den Wahnsinn getrieben werden kann.
James ist sicher nicht der Erste, der mit solchen Samples und Sounds herum experimentiert. Man denke nur an unsere wahnwirtzigen Kumpels von Waltari. Aber im Gegensatz zu denen klingt "Elements Of Persuasion" niemals überdreht und (absolut positiv gemeint) durchgeknallt. Im Gegenteil, man merkt der Scheibe ihren inneren Ernst an.
Einige wenige Stellen auf dem Album verraten ganz leichte Industrial-Einflüsse. Die sind nie so brutal oder plakativ wie beispielsweise bei Ministry. Trotzdem ist es doch ungewohnt, Ministry und James LaBrie in einem Satz zu schreiben. Aber auch diese Industrial-Parts werten die Arrangements auf. Irgendwie freut man sich immer gespannt auf den nächsten Takt. Es gibt jedes mal was Neues zu entdecken.
Das ganze Album wirkt sehr dynamisch und lebendig. Die Samples sind spannend platziert, die Gitarrenarbeit ist überzeugend und die Kompositionen so, wie wir sie im Prog-Metal am liebsten haben: komplex, aber nicht durcheinander!
Die Anspieltipps:
Gleich zu Beginn kommt der Hammersong: "Crucifey". Er beginnt mit einem kurzen Akustikgitarren-Intro. Nach knapp vier Umläufen des kleinen Themas übernimmt die tiefe E-Gitarre und donnert einen Monsterriff aus dem Amp. Damit nicht genug! Marco Sfogli brät eine "mighty, pretty Tune" obendrüber, die in einem markigen Feedback ausklingt. Dann kommt die Hauptsache des Songs: Ein schneller Killerriff brennt durch die Luft. Diese Performance hätte auch zu Metallicas "Master Of Puppets" gepasst. Bei "Crucifey" spielt Marco eigentlich schon nicht mehr, er füsiliert bereits.
Mit Samples und einem seichten Industrialfeeling ist "Freak" gesegnet. Nach dem ersten Durchlauf des von satter Gitarre und bolzendem Bass inszenierten brachialen Riffs folgt erst mal wieder eine kurze Samplepassage. Dann legen die Jungs im Midtempo los. Der Refrain ist das Aushängeschild des Songs. Den Höhepunkt aber stellt das bereits oben erwähnte irisierenden Gitarrensolo dar. WOW!
Ein Refrain, wohl ohne Umwege direkt von der Muse importiert, macht "Undicided" zu einem Ankerpunkt der CD. Auch in Midtempo gehalten kann dieser Song gut als für diese CD typisch angesehen werden. Alle Musiker lassen eindringlich hören, was sie an ihren Instrumenten so alles drauf haben. Das Gitarrensolo von Marco Sfolgi ist ebenso treffsicher wie die Keyboardarbeit von Matt Guillory.
"In Too Deep" vereinheitlicht Samples, einen Wahnsinnsriff und eruptives Schlagzeugspiel in sich. Die Spielzeit von fast sieben Minuten macht "In Too Deep" zu dem "Longrider" auf dem Album. Der Song wartet mit Breakes und mindestens drei verschiedenen Geschwindigkeiten auf.
Wenig geäußert habe ich mich zu James LaBrie an sich. Seine Kreativität ist ungebrochen, seine Absicht klar. Die James LaBrie-Band benutzt er offenbar als Spielwiese für seine Visionen. Er ist sicherlich ein hervorragender Sänger, seine Timbre ist aber nicht unbedingt jedermanns Sache. Aber welcher Shouter kann das schon von sich behaupten? Obwohl mich seine Stimme auch nicht unbedingt vom Hocker reißt, bleibt zu rufen: "Weiter so, Mann!"
8 lockere Punkte für dieses inspirierte, abwechslungsreiche und auch mutige Album auf der Wahnwirtz-Skala.
Spielzeit: 66:50, Medium: CD, InsideOut Music, 2005
1:Crucify, 2:Alone, 3:Freak, 4:Invisible, 5:Lost, 6:Undecided, 7:Smashed, 8:Pretender, 9:Slightly Out Of Peach, 10:Oblivious, 11:In Too Deep, 12:Drained
Olli Wahn Wirtz, 28.03.2005