Jason Lytle / Dept. Of Disappearance
Dept. Of Disappearance Spielzeit: 49:49
Medium: CD
Label: Anti/Indigo, 2012
Stil: Indie

Review vom 14.01.2013


Sabine Feickert
Mit "Dept. Of Disappearance" legt Jason Lytle, der ehemalige Hauptsänger und Songwriter der kalifornischen Band Grandaddy, sein zweites Solo-Album vor. Lytle lebt mittlerweile in Montana und muss mal ganz flapsig ausgedrückt auf einen Hochgebirgstrip (Höhenluftnebenwirkungen inklusive?) geraten sein. Dabei haben es ihm nicht nur die Anhöhen vor seiner Haustür angetan, nein, auch die Alpen ziehen sich durch die Songs.
Überwiegend handelt es sich dabei um einen ziemlichen Alleingang Lytles, der alle Songs schrieb und einspielte sowie das Cover-Artwork gestaltete.
Und ich muss ganz ehrlich gestehen, das allein schon macht mich ein wenig ratlos. Von außen wirkt das Digipak in sich stimmig Gebirgsfotos, auf der Vorderseite Lytle selbst mit rotem Helm - im ersten Moment weckte der bei mir die Assoziation zum Fire Dept. - soll wohl aber der eines Bergsteigers sein, der in (warum auch immer?) mit weißer Farbe verkleckster Hose, vor einem Bergmassiv steht. Auf der linken Innenseite dann das Foto zweier Jungs mit Tiermasken, die in einer Raumecke stehen. Auf das Foto wurden asiatische Schriftzüge und amerikanische Anmerkungen geschrieben, sowie ein Handy in die Hand eines der Jungen gezeichnet. Ein Zusammenhang zum Rest wird für mich nicht erkennbar. Dieser Eindruck zieht sich durchs Booklet durch. Viele Fotografien aus den Bergen, ein Gemälde des Matterhorns, dazwischen dann eine sehr einfach gemachte Collage, die den Sänger, eine barbusige Blondine mit sehr verzerrtem Gesicht und einen Fuchs auf einer Wasseroberfläche versammelt. Und auch der weiße Pudel vor gelben Blüten, der das Titelbild des Booklets ziert und dem um jeglichen Zweifel zu vermeiden? - »Lyrics« auf die Stirn geschrieben wurde, wirkt auf mich etwas verschroben.
Mit Keyboards wird die Vorstellung seines "Dept. Of Disappearance" eingeleitet die ersten Töne klingen so ein wenig wie die Sendersuche am Radio (vielleicht auch Funkgerät?). Nach kurzem Intro setzt der Gesang ein, der auf mich relativ gleichförmig und etwas konturlos wirkt.
Gehen "Dept. Of Disappearance" und "Matterhorn" noch ziemlich an mir vorbei, bleibt "Young Saints" doch soweit im Ohr hängen, dass ein Wiedererkennungseffekt nach einigen Hördurchläufen auftritt. Auch "Hangtown" prägt sich ein. "Get Up And Go" hat was von der Einfachheit eines Kinderliedes, eines von der Sorte, das die Oma singt, wenn sie den kleinen Enkel auf den Schoß nimmt, um ihn zu trösten und das dem längst erwachsenen Enkel in schwierigen Lagen immer wieder in den Sinn kommt.
Sehr zärtlich und melancholisch klingen "Last Problem Of The Alps" und "Somewhere There's A Someone". "Chopin Drives Truck To The Dump" als sehr kurzes instrumentales Intermezzo könnte fast als Intro für "Your Final Setting Sun" durchgehen, das ziemlich langgezogen und elektronisch klingt.
Die Grundausrichtung der Musik ist durchaus melodiös, wird aber immer wieder mit Effekten verfremdet. Die Texte sind metaphorisch und lassen sehr viele Deutungsmöglichkeiten offen. Alles in allem wirkt das Album auf mich ein wenig diffus, schwer greifbar. Es kann aber eine durchaus angenehme, ganz leicht beschwingte Stimmung erzeugen, wenn es im Hintergrund läuft.
Line-up:
Jason Lytle (all instruments)
Brett Allen (additional drums, piano)
Tracklist
01:Dept. Of Disappearance
02:Matterhorn
03:Young Saints
04:Hangtown
05:Get Up And Go
06:Last Problem Of The Alps
07:Willow Wand Willow Wand
08:Somewhere There's A Someone
09:Chopin Drives Truck To The Dump
10:Your Final Setting Sun
11:Gimme Click Gimme Grid
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