Latin Quarter / 29.02.2012, Folkclub Isaar, Töpen
Support: Catherine Burke
Live Latin Quarter
Support: Catherine Burke
Folkclub Isaar, Töpen
29. Februar 2012
Stil: Polit Pop
Konzertbericht


Artikel vom 05.03.2012


Norbert Neugebauer
Mittwochabend in Deutschland: Die Fußballnation hockt vor der Kiste und schaut »den Klassiker« Deutschland - Frankreich. In Ruhpolding erleben 20.000 Besucher und die Teams der internationalen Biathlonwelt deutsche Kultur in Form von Peitschenknallen, Schuhplatteln und Jodeln bei der WM-Auftaktfeier. Gejodelt wurde im vollbesetzten Folkclub Isaar auch, aber das war nur eine Randnote. Die gut 100 Fans kamen wegen »dem Highlight des Jahres« (versprach der Folkclub) Latin Quarter - auferstanden zwar nicht aus Ruinen, aber aus den Trümmern ihrer Vergangenheit.
Latin QuarterGebucht war zunächst die Steve Skaith Band, wie Folkclub-Chef Horst Ortmann beiläufig erzählte. »Und dann haben wir richtig gekämpft, dass wir Latin Quarter herbekamen«. Offensichtlich hatte die Entscheidung, die alte Band von Skaith und Co. wiederzubeleben, eine längere Zeitigung. Für eine Nachfrage bei den Briten reichte leider die Zeit nicht. Das Risiko für den Gastgeber hat sich jedenfalls gelohnt, was heißt, mit dem vollen Wirtshaussaal wird gerade die Gage abgedeckt sein. Aber die Chance, so eine weltweit bekannte Band einmal im eigenen Haus zu haben, wird es für den Verein mit seinen beschränkten Mitteln sicher nicht oft geben.
Latin QuarterOb Latin Quarter nach der Clubtour durch Deutschland bald auch wieder die größeren Hallen füllen kann, wird sich zeigen. Mit dem neuen Album Ocean Head bestehen jedenfalls gute Chancen, an Popularität zurück zu gewinnen. Dass die neuen Songs beim Publikum ankommen, zeigte sich in Isaar deutlich. Von Beginn an fand Frontman Steve Skaith den Kontakt zum Publikum, das ausgesprochen lebhaft auf die Ansagen von der Bühne reagierte. Auch die war für die ehemaligen Stars aus UK sicher gewöhnungsbedürftig. Da aus Platzgründen die sonst vorhandene Dekowand abgebaut war, kaschierte gelbe Faschingsseide die Rückseite eingermaßen. Who cares Dass die Garderoben- und Toilettenräume eben auch dem Niveau eines alten Dorfwirtshauses entsprachen, war sicher eine neue und sehr 'frische' Erfahrung, die aber auch mit viel Charme kommentiert wurde. Der Weg zurück zum Erfolg ist halt kein Wellnessurlaub
Latin QuarterDas zweiteilige Set war gut gemischt mit den alten und neuen Songs, die auch bei der 'Wohnzimmerlautstärke' gut groovten. Das Bühnenquartett (verstärkt durch Computer-Drumming) brachte seine Songs ohne jegliche Show-Effekte oder überlange Statements, was bei anderen so engagierten Künstlern im Missionierungseifer schon mal der Fall sein kann. Zwei Keyboards links und rechts, eine abgewetzte Guild-Gitarre, Bass, Steuerboard, ein paar gute Mikros sowie ein Set von kleinen Monitor - und Ständerboxen, mehr brauchte es dazu nicht. Die Kombination kritischer Inhalt - poppige Verpackung traf genau die Erwartung der Fans, die durchaus mit dem alten LQ-Material vertraut waren. Der dünne Steve Skaith mit seinen grauen Bartstoppeln hat eine ansprechende Live-Präsenz und mit Yona Dunsford einen (immer noch) sehr attraktiven Gegenpol auf der Bühne. Sie verfügt zwar nicht über das große Stimmvolumen, ergänzt sich aber perfekt mit dem Leadsänger und konnte auch bei ihren Solonummern voll überzeugen.
Latin QuarterBassman Greg Harewood und Haupt-Keyboarder Steve Jeffries gaben die 'Unscheinbaren' an ihren Instrumenten, sind jedoch für den LQ-Sound ebenso maßgeblich. Der Bass lieferte den Basis-Groove, zusammen mit den etwas zu laut ausgesteuerten E-Drums, oft Reggae-mäßig, wobei Harewood eher grundsolide, als spektakulär spielte. Die 'typischen' Effekte kamen von Jeffries, der neben seinen beiden Manualen auch die Melodica spielte, ein Markenzeichen der Band. Die Band agierte ausgesprochen kollektiv und harmonierte gut nach der langen Pause. Dass es zwischendurch ein paar Macken gab, quittierten die sympathischen Engländer mit Routine und typischem Humor. Überhaupt waren die Vier mit viel Spaß am Werk. Für das Finale hatten sie sich zwei der hitverdächtigen Songs des neuen Albums im Doppelpack aufgehoben: "No Mans's Land" und "Ocean Head".Latin QuarterDer dritte, "If I Believe In God" folgte in der Zugabe. Zwei Stunden gute Musik, eingängig, aber kein 'Easy Listening', mit viel Inhalt hinter den schönen Melodien und Harmonien - Latin Quarter waren das versprochene »Highlight des Jahres« im Folkclub Isaar!
Die Band leistet sich auf dieser Tour auch eine 'Anheizerin'. Cathrine Burke, sonst als reguläres Miglied der Steve Skaith Band mit on the Road, verstand ihren Job offensichtlich als Alleinunterhalterin. Latin QuarterSie quasselte mehr (in Deutsch) in ihrer Dreiviertelstunde, als sie ihre Songs » über Jungen und Mädchen« zur Gitarre spielte. Am Ende hatte sie noch einen Jodler auf der Playlist, wobei ihr das 'American Yodeling' sogar halbwegs gelang. Da auch nicht optimal ausgesteuert, blieben ihre sonstigen musikalischen Qualitäten aber weitgehend indifferent.
Der »Klassiker« ging mit 1:2 in die Hose, 'Goaßlschnolzn', Schuhplatteln und Jodeln mag ja auch recht schön sein, aber für den Musikfan im nordöstlichen Oberfranken war an diesem Schalttag 2012 auf jeden Fall einmal mehr Isaar, das »Dorf zum Folk« die beste Wahl!

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