Leadbelly / Diggin' My Potatoes
Diggin' My Potatoes Spielzeit: 62:14
Medium: CD
Label: Blue/SPV, 2007
Stil: Blues


Review vom 14.07.2007


Joachim 'Joe' Brookes
RockTimes goes back to the roots, part 3.
Es gibt wenig, was von Leadbelly nicht hörenswert ist. Songs wie "C.C. Rider", "Rock Island Line" und "Irene (Goodnight Irene)" avancierten zu Klassikern der Musik. Wohl im Januar 1888, da ist man sich nicht so sicher, als Hudson William Ledbetter geboren, hatte der Musiker ein durchaus bewegtes und bewegendes Leben. Dazu später mehr.
Ob nun Lead Belly oder Leadbelly geschrieben, handelt es sich um einen der einflussreichsten Blueser der Geschichte, der die 12-saitige Gitarre zu seinem Lieblingsinstrument kürte. Darüber hinaus war er auch mit der Mandoline, dem Klavier und der Mundharmonika vertraut.
Er tourte zusammen mit Blind Lemon Jefferson, T.Bone Walker, Josh White und Lightnin' Hopkins durch den Süden der USA. Während dieser Zeit, in den Zwanzigerjahren, wechselte er von der 6-saitigen zur 12-saitigen Gitarre, die zu seinem Markenzeichen werden sollte.
1915 wurde er zum ersten Mal für 30 Tage inhaftiert. Sein Leben war gekennzeichnet von Raufereien, Verurteilungen, Gefängnisaufenthalten undů Musik. 1917 wurde er wegen Mordes an Will Stafford zu 30 Jahren Haft verurteilt, die wegen eines fehlgeschlagenen Ausbruchs um 6 Jahre verlängert wurde.
Beim damaligen Gouverneur des Staates Texas, Pat Neff bat Leadbelly in Form eines Songs um vorzeitige Entlassung, die ihm 1925 gewährt wurde.
Fünf Jahre später wurde er, dieses Mal wegen Körperverletzung, erneut inhaftiert. Einsitzen musste er in der Angola Prison Farm im Staat Louisiana.
Na ja, zumindest sein letzter Gefängnisaufenthalt hatte auch eine gute Seite. Im Juli 1933 spürten die für die Library of Congress tätigen Musik-Scouts John Lomax sowie sein Sohn Alan den Musiker Leadbelly, was übrigens soviel wie Bleibauch heißt, auf und man machte erste Aufnahmen. Auf Gesuch von den beiden Lomax' wurde Leadbelly entlassen und fand als Chauffeur der Familie eine Tätigkeit. Natürlich war er weiterhin als Musiker tätig.
Innerhalb von drei Monaten nahm er sowohl für die Library als auch für American Record Corporation Songs auf, bevor er einen Vertrag mit ARC bekam, der die Aufnahme von 40 Liedern in vier Sessions beinhaltete. Daraus resultierten "C.C. Rider", "Alberta", "Red River Blues" und eine überarbeitete Version von Blind Lemon Jefferssons "Matchbox Blues".
Alle vertreten auf dem vorliegenden Sampler, der durch seine Songauswahl sehr gut verdeutlicht, dass Leadbelly nicht nur im traditionellen Blues zuhause war.
Country- und Folk-Blues waren ihm verraut, er schrieb auch Kinderlieder oder Squaredance-Songs.
Auf den sogenannten grünen Zweig kam Leadbelly nie so richtig. Dieser John Lomax war nicht nur in Sachen Musik-Scouting unterwegs. Leadbelly unterschrieb einen Management-Vertrag mit Lomax. 50 % der Leadbelly-Einnahmen flossen in die Tasche, oder besser Taschen von Lomax. Ein kompromissloses Geschäftsgebaren ließen die 50 % Beteiligung schnell in die Höhe schießen, sodass Leadbelly kaum etwas von seinen Einkünften sah.
Vielseitig war sein Stil.
"Rock Island Line" ist ein lupenreiner A cappella-Song mit dem Golden Gate Quartet. Mit diesem Song sollte Lonnie Donegan die Skiffle-Ära im Königreich einläuten. Aus dem Jahr 1944 stammt "Take This Hammer", einem Song mit 12-Takter-Basis, in dem Leadbelly sich von einem Cisterspieler begleiten ließ. Auch in "Irene (Goodnight Irene)" glänzt Paul Howard auf dem Instrument.
Er ist nicht nur an der Gitarre zu hören. In "Eagle Rock Rag" begleitet er sich am Piano und in "Corn Bread Rough", einem dieser Songs im bereits erwähnten Squaredance-Muster, an der Konzertina. Schlussendlich zeigt der letzte Track (live), "Shine On Me" welch ein toller Entertainer Leadbelly war, der ohne Probleme das gesamte Publikum zum Mitsingen animiert.
Der Titelsong des Samplers, "Diggin' My Potatoes" ist eine Zusammenarbeit mit den Folk-Bluesern Sonny Terry und Brownie McGhee.
Pete Seeger ist sicherlich vielen Lesern ein Begriff. "Goodnight Irene" wurde zu einem Tophit für seine damaligen Band The Weavers. Auch andere Musiker und Sänger konnten mit Leadbelly-Songs echt Kohle verdienen, was dem Herrn Ledbetter leider nicht sosehr zuteil wurde.
Abschließend noch etwas zur Soundqualität des interessanten und flott durchzuhörenden Samplers: Einige (wenige) Abstriche muss man schon hinnehmen. Bei den Songs handelt es sich schließlich um Zeitzeugen. Diese Tatsache sollte das Hörvergnügen aber nicht schmälern.
Tracklist
01:Packin' Trunk Blues (2:55)
02:C.C. Rider (2:56)
03:Honey, I'm All Out And Down (3:12)
04:New Black Snake Moan (3:10)
05:Alberta (3:06)
06:Red River Blues (2:58)
07:Mr Tom Hughes' Town (3:04)
08:Matchbox Blues (3:02)
09:Pig Meat Papa (3:16)
10:The Bourgeoise Blues (5:35)
11:Whoa Back, Buck (3:05)
12:Rock Island Line (2:35)
13:In The Evenin' When The Sun Goes Down (2:31)
14:Take This Hammer (2:51)
15:Irene (Goodnight Irene) (2:52)
16:Eagle Rock Rag (2:48)
17:Grasshoppers In My Pillow (2:46)
18:Diggin' My Potatoes (2:33)
19:Corn Bread Rough (2:06)
20:Shine On Me (4:06)
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