Lösekes Blues Gang / Old Masters And Soul
Old Masters And Soul Spielzeit: 47:49
Medium: CD
Label: LAVA Records, 2015
Stil: Blues

Review vom 31.01.2015


Joachim 'Joe' Brookes
Blues aus Hildesheim. Blues eines deutschen Urgesteins. Wir schreiben das Jahr 2015 und Lösekes Blues Gang (LBG) ist seit »über 40 Jahren [...] "on the road".« Die gesamte RockTimes-Redaktion gratuliert. Mit "Old Masters And Soul" blickt die sechsköpfige Combo zurück auf Zeiten, als sie »mit einigen der alten Meister auf der Bühne [...]« stand. Genannt werden im Booklet-Text
Memphis Slim, Sunnyland Slim, Willie Marbon, Champion Jack Dupree, Little Willie Littlefield und Blind John Davis.
Ein Auszug aus der Diskografie: 1976 erschien das Album "Best Wishes", 1982 hieß es "Red Hot Mama", 1992 kam "A Small Point" auf den Markt und 2013 veröffentlichte man "Just Four Nights".
Aus der theoretischen Basis des Albums entstand ganz praktisch eine Platte, die mit Liedern unter anderem von Muddy Waters, Jimmy Reed, Memphis Slim oder Chris Vachon (Roomful Of Blues) die Vergangenheit aufleben lässt und in kraftvollen Eigenkompositionen die eigene LBG-Sichtweise auf das Genre lenkt.
Gotteshäuser gibt es in Hildesheim reichlich und Lösekes Blues Gang predigt den Blues auf den Konzertreisen. "Old Masters And Soul" ist eine dieser Platten, die einen mit ihrer magnetischen Wirkung stante pede an die heimischen Lautsprecher fesselt. LBGs Zwölftakter ist einfach ansteckend, verlangt nach mehr von der Band und zeigt auch nach vielen Hördurchgängen keine Abnutzungserscheinungen.
Das Sextett hat mit dem Gründungsmitglied Falk Stehr einen exzellenten Sänger in seinen Reihen. Er besticht durch eine raue Stimme, die wie geschaffen für den Blues ist. Gitarrist David Ludz bringt die Saiten seines Arbeitsgerätes zum Swingen und hat darüber hinaus ein nicht von der Hand zu weisendes Faible für die rockigen Riffs. Seine unterschiedlich ausgedrückten Emotionen werden von einem ungemeinen Feeling für jede Gelegenheit geprägt und der virtuose Tastenmann Lukas Bente ist sein kongenialer Partner.
Christian Hönniger ist ein einfühlsamer Harp-Musiker, der mit seinem kleinen Instrument mehr zum Ausdruck bringen kann, als es Stimmfedern darin gibt. Bassist Stefan Quast und Alex Mause sind für den guten Rhythmus zuständig. Sie sind mehr als nur zwei Ventile des Sextett-Zylinders und die fundmentalen Säulen der Combo. Schließlich verfeinern Die Löseke Horns in Person von Saxofonist Tom Müller sowie Stefan Grössinger (Trompete) den sehr guten Ton des Albums.
"Old Masters And Soul" ist frisch, locker, der Blues kommt wie selbstverständlich in einer überzeugenden Art und Weise rüber. Man spürt es in jedem Song ... hier sind Musiker am Werk, in deren Blut bestimmt eine große Menge Blues-Additive vorhanden sind. Ob Kompositionen mit viel Drive oder die Blues-Balladen, der Slow Blues die fast achtundvierzig Minuten Gesamtspielzeit haben keine Risse oder Füllstoff. Wer einen langsamen 12-Takter wie "Whiskey Woman Blues" schreibt, benutzt eine Feder, die Noten zu Papier bringt, die direkt aus der tiefen Seele kommen, denn dort hat der Blues seine Heimat.
"Soul City" belegt, dass man sich nicht bei den Blues Brothers bedienen muss, um die Leute auf die Tanzfläche zu bekommen. Das Titelstück "Old Masters And Soul" ist eine herrliche Eigenkomposition bei der es ordentlich abgeht. Klasse Chorgesang, ein in die Tiefe gehendes E-Gitarrensolo, ein Piano, das den Honky Tonk hat, eine Harp, die wunderschön soliert und eine Bläserabteilung, die ihre Flexibilität voll zum Ausdruck bringt, sind Belege für einen überzeugenden Blues aus deutschen Landen.
Jimmy Reeds "Honest I Do" ist zunächst geprägt vom gemeinsamen Gesang. Die Herren haben Gospel-Feeling! Das Christian Hönniger-Solo ist zum Niederknien.
Das von Stefan Quast komponierte "She's Untrue" ist die feine Krönung des Albums. Der Groove aktiviert die Fußwippe. Die Nummer offenbart eine fast schon freche Lockerheit, eine Lockerheit, die überwältigend ist. Das Stück enthält viele Blues-Stationen, an denen man gerne Halt macht. Ein dezentes Boogie Woogie-Piano zu Beginn, flächige Bläser zwischendrin, ein jazziges Saxofonsolo, ein David Ludz, der feinste Blues-Licks kreiert und ein Falk Stehr, der pikant-lässige Stimmung verbreitet. Die Textzeile
»So I asked her what to do and she said: "Take me to the church"«
nimmt die Bläserabteilung auf, um den Hochzeitsmarsch zu intonieren.
"Old Masters And Soul" von Lösekes Blues Gang gehört in jede gut sortierte Blues-Sammlung. Wenn man sich etwas Gutes gönnen möchte, legt man dieses Album auf und erfährt durch die Musik etwas über die inneren Werte des 12-Takters.
Line-up:
Falk Stehr (vocals)
Christian Hönniger (harmonica)
David Ludz (guitar)
Alex Mause (drums, vocals)
Stefan Quast (bass, vocals)
Lukas Bente (piano, organ)
Die Löseke Horns:
Tom Müller (tenor saxophone, baritone saxophone)
Stefan Gössinger (trumpet)
Tracklist
01:Running Out Of Time [Chris Vachon] (3:55)
02:Anything You Do Id Alright [Earl Cage/Quinton Claunch/Rudoph Russell] (3:39)
03:Soul City [S. Quast/F. Stehr/D. Stehr] (3:44)
04:You Keep Me Hanging On [S. Quast/F. Stehr/D. Stehr] (4:59)
05:I Want To Be Loved [Muddy Waters] (2:13)
06:It's Too Late Brother [Little Walter] (2:52)
07:Whiskey Woman Blues [F. Stehr] (7:24)
08:Days Of Old [B.B. King] (2:52)
09:I've Been Lost Without You [Colin James] (3:16)
10:Old Masters And Soul [S. Quast/F. Stehr/D. Stehr] (3:36)
11:Honest I Do [Jimmy Reed] (4:42)
12:She's Untrue [S. Quast] (4:38)
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