The Loyalties / So Much For Soho
So Much For Soho Spielzeit: 33:15
Medium: CD
Label: Devil's Jukebox Records, 2008
Stil: Punk

Review vom 21.02.2009


Moritz Alves
Es ist irgendwie ganz schön lange her, dass zuletzt richtig guter und packender Punk Rock aus London kam. Die Zeiten nämlich, als man die Hauptstadt Englands als Zentrum des britischen Punk bezeichnen konnte, sind anno 2009 schon eine halbe Ewigkeit vorbei, und doch bekommt der geneigte Hörer dieser Tage endlich wieder ordentlichen Stoff auf die Ohren: The Loyalties nennen sich vier Kerle, die mit ihrem saustarken Debütalbum "So Much For Soho" für Furore sorgen und dem Rezensenten die Freudentränen in die Augen treiben. (Dass Tom Spencer, Rich Jones, Lee Jonez und Craig Herdman in eben diesem Stadtteil Soho beheimatet sind, sollte klar seinů).
Man hat es hier 33 Minuten lang mit einer packenden Mischung aus 1970er Punk und einer Prise Rock'n'Roll zu tun, ausstaffiert mit massenweise ohrwurmverdächtigen Melodiebögen, die das Ganze höchst interessant und verdammt wiedererkennbar machen. Dargeboten werden diese von einer Stimme, die man ungefähr als Mischung aus Mike Ness (Social Distortion) und Kelly Jones (Stereophonics) bezeichnen kann, denn Tom Spencers Organ klingt ebenso nasal und angeraut wie diese beiden Herren.
Betrachtet man die Liedtexte, so fällt auf, dass die Band hier eine Menge Melancholie und Herzschmerz verarbeitet. Das ist erfreulich, denn die Loyalties verwenden mitnichten die ewig gleichen Punk-Textbausteine um plattitüdenhaft sozialkritisch zu werden, sondern wenden sich lieber anderen Themengebieten zu, u.a. dem Infantilismus (der hübsch wortspielerische Titel "30nage" spricht Bände) oder dem übermäßigen Alkoholkonsum, den sie in "Two Ladies (The Ballad Of The Wishful Drinker)" wunderbar augenzwinkernd thematisieren. Darüber hinaus gibt es große Momente wie "Sugarcoat", "Five Aces", "Green Eyes" oder "Ain't Love A Drag", die unglaublich vielschichtig und überhaupt nicht klischeehaft das ewige Thema 'Liebe' in all seinen weniger schönen Facetten beleuchten.
Abschließen möchte ich nun nur noch mit folgendem Auszug aus "30nage":
»Check out my MySpace page
Don't give away my age
The photo's 5 years old
I carry no baggage
Setting the stage
For a 30nage rampage«

In diesem Sinne sei jedem Freund von melodiös-rohem, melancholischem Punk das Album "So Much For Soho" wirklich wärmstens ans Herz gelegt. Also, schnell die Loyalties auf MySpace besuchen und freuen!
Line-up:
Tom Spencer (bass, vocals, extra guitar)
Rich Jones (guitar, vocals)
Lee Jonez (guitar, vocals)
Craig Herdman (drums, vocals)

Gaff (extra percussion)
Tracklist
01:Jimmy Does (2:54)
02:5 Aces (2:39)
03:Sugarcoat (3:25)
04:Soho (2:24)
05:Sofa Surfing UK (2:55)
06:Green Eyes (2:44)
07:The Girl Upstairs (2:22)
08:The 12th Bar Blues (2:43)
09:30nage (2:27)
10:Two Ladies (The Ballad Of The Wishful Drinker) (2:48)
11:Ain't Love A Drag (2:31)
12:Bring On The Bomb (3:23)
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