Gerry Mulligan / The Gerry Mulligan Quartet + Spring Is Sprung
The Gerry Mulligan Quartet + Spring Is Sprung Spielzeit: 78:57
Medium: CD
Label: Essential Jazz Classics, 2013 (1962)
Stil: Westcoast Jazz


Review vom 04.09.2013


Wolfgang Giese
Zwei Platten aus dem Jahr 1962 sind auf dieser CD zusammengefasst worden. Beiden ist die Zusammenarbeit mit dem Posaunisten Bob Brookmeyer gemein. Seinerzeit erschienen die Platten bei Verve und Philips, dabei stammen die Titel eins bis sechs von der Platte "The Gerry Mulligan Quartet" und die Titel sieben bis zwölf von "Spring Is Sprung". Zwei Bonustracks - live in Paris am 6. Oktober 1962 eingespielt - wurden noch beigefügt. Davon scheint der zweite lediglich eine etwas über eine Minute dauernde Zugabe zu sein, nun dennů Die anderen Aufnahmen stammen alle aus New York City. Der sechste Titel ist übrigens eine Liveeinspielung. In dem eigentlich pianolosen Quartett wird dieses dennoch zweimal von Brookmeyer und einmal von Mulligan selbst gespielt - siehe Hinweise in der Besetzungsliste.
Gerry Mulligan lebte vom 6. April 1927 bis zum 20. Januar 1996 und gilt als einer der führenden Baritonsaxofonisten. Bekannt wurde er in der Ära des Cool Jazz, einer Stilrichtung, die sich etwa ab Ende der vierziger Jahre entwickelte. Sein Quartett mit Chet Baker in den Fünfzigern gilt noch heute als wohl eine der wichtigsten Bands dieser Spielart. Der Start war jedoch in der neunköpfigen Gruppierung um Miles Davis, das war 1948 und der "Birth Of The Cool". Bereits hier zeigte Mulligan bei einigen Titeln sein Talent als Arrangeur.
Obwohl in New York geboren, wurde der Saxofonist eine der treibenden Kräfte des West Coast Jazz und ließ sich auch in Los Angeles nieder. Sein leichter, luftig anmutender Ton entwickelte sich und wurde sein Markenzeichen. Er war unverkennbar in seiner Spielweise.
Diese paarte er nun auf nicht übliche Weise mit einer Posaune. Beide Instrumente - nicht für schnelle und flexible Spielweise ausgerichtet - schufen einen ganz besonderen Sound. Sie verzahnen sich wunderbar miteinander, gestalten Themen und Improvisation oft gleichzeitig. Die luftig leichte Atmosphäre wird gelegentlich durch zupackende Songs wie "Piano Train" unterbrochen, das sogar Spuren von Boogie und R&B aufweist. Dennoch bleibt Mulligan cool - es ist in der Tat beeindruckend, mit welchem Ausdruck er gestalten konnte. Am besten kommt sein Ton jedoch bei Balladen zur Geltung. Damit sind diese beiden Platten jedoch rar gesät - dafür ist "Lost In The Stars" wunderschön!
Diese beiden Platten sind hervorragende Beispiele einwandfreien Jazz' von der Westküste, nicht mehr im Stil der Fünfziger, sondern bereits mit sich öffnenden Ausprägungen. Wunderbarer und einfühlsamer Jazz erster Güte, mit dem Prädikat 'Besonders wertvoll'!
Line-up:
Gerry Mulligan (baritone sax, piano - #11)
Bob Brookmeyer (valve-trombone, piano - #2, 10)
Bill Crow (bass)
Gus Johnson (drums - #1-6,13,14)
Dave Bailey (drums - #7-12)
Tracklist
01:I'm Getting Sentimental Over You [Bassman/Washington] (5:08)
02:Piano Train [Mulligan] (6:14)
03:Lost In The Stars [Weill/Anderson] (5:57)
04:I Believe In You [Loesser] (4:40)
05:Love In New Orleans [Mulligan] (5:47)
06:I Know, Don't Know How [Mulligan] (7:52)
07:Jive At Five [Basie/Edison] (6:33)
08:Four For Three [Mulligan] (4:03)
09:Mile Drive [Mulligan](4:03)
10:Subterranean Blues [Mulligan] (9:50)
11:Spring Is Sprung [Mulligan] (6:52)
12:Open Country [Brookmeyer] (4:38)
13:Five Brothers [Mulligan] (5:59)
14:Utter Chaos [Mulligan] (1:13)
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