Makeshift Innocence / Yours To Keep
Yours To Keep Spielzeit: 45:37
Medium: CD
Label: Deag Music / Sony, 2013
Stil: Singer/Songwriter, Roots Rock, Reggae

Review vom 12.05.2013


Sabine Feickert
Reden wir doch mal über's Wetter. Nach diesem endlos langen Winter und dem Frühling, der auch nicht wirklich das hält, was man sich von ihm erhofft, wäre es nun ja bald an der Zeit für Sonne. Und zwar richtig heiß, intensiv und brennend, mit Wasser, Strand und Urlaubsfeeling. So wie Reggae das verkörpert für mich zumindest.
Bob und Peter aus Jamaika, aber auch Alpha Blondy aus Afrika sind gern gesehene Gäste in meinem Player, wenn die Sonnensehnsucht gar zu groß wird oder das Wetter auch in unseren Breiten tatsächlich mal zur Musik passt. Wer's nicht ganz so heiß verträgt, sollte sich mal Makeshift Innocence anhören. Der Kanadier Jesse-James Cameron verbrachte drei prägende Jahre auf Jamaika.
'Roots-Rock-Reggae' nennt er, laut Promoterinformation und auf seiner Homepage, seinen Stil, mit dem er in Kanada einen Radio-Award gewann und in ausverkauften Locations auftritt. Doch 'Vorsicht Falle!' - wer hier Reggae im Stil der oben genannten Referenzen erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Auf der Facebookseite wird als Genre 'Singer/Songwriter, Roots Rock, Reggae' angegeben und das trifft's dann schon eher. Nennt mich meinetwegen engstirnig, aber mich stört so ein 'Etikettenschwindel' manchmal ganz schön, auch wenn ich gar keinen bewussten Täuschungsversuch unterstelle.
Ende 2012 stellten sich Makeshift Innocence erstmals in Deutschland vor und konnten etwa 1000 Gäste der deutschen Musik- und Medienwirtschaft bei der European Music & Media Night begeistern. Einzug ins deutsche Radio schafften sie per Online Voting ebenfalls und wurden bei Bayern 3 zu 'Matuschkes Liebling' gewählt.
Tja und hier kommen wir dann zu der Krux an der Geschichte, mir persönlich ist das Album ein wenig zu weichgespült. Was ja durchaus auch seine Berechtigung haben kann, nicht jeder mag immer die volle Ladung. Oder, um aufs Wetter zurückzukommen, auch ein warmes Lüftchen ist ja manchmal ganz angenehm. Man kann den Kanadiern auch nicht absprechen, dass "Yours To Keep" wirklich eine angenehme Scheibe ist. Schön als Hintergrund für nette, sonnige Frühsommernachmittage.
Und wenn man keinen Roots-Reggae erwartet, kann man sich mit dem Mix der Kanadier schon anfreunden. Karibisches Flair schwingt in den meisten Songs mit mal stärker wie bei "Your Body", während der Titelsong "Yours To Keep" noch ein bisschen Countryfeeling aus der Hinterhand zieht. Ganz leichte Hip Hop-Anklänge schimmern hier und da durch, beispielsweise bei "Lights On" mit seinem schnellen Sprechgesang.
Ob nun der Opener und Aufmunterer "When I'm Down" oder die erste Single "All You Need Is Love" (nein, kein Beatles-Cover, sondern ein ganz eigenständiges Lied) ich kann mir gut vorstellen, dass diese poppig-leichten Songs die Radiostationen hierzulande erobern können und die Leute auf die Konzerte locken. Auch die aktuelle Singleauskopplung "Your Body" ist eingängig und wird ganz sicher jede Menge Freunde finden.
Bei "Always Be True" wurden Jesse und Tammy von Daniel Bennett aka Transit (ein Hip Hop-Musiker aus Calgary) unterstützt, bei "Summer's Kiss" wirkt die kanadische Singer/Songwriterin Alanna Clarke mit. Und weil aller guten Dinge drei sind, haben sie die ebenfalls kanadische Country-Sängerin und Gitarristin Lindsay Ell zu "Hold Me Up" dazugeholt.
Wundern würde es mich nicht, wenn Makeshift Innocence bei den typischen Sommersounds der Radiosender, die mit '3' enden, ihr Plätzchen finden würden, zu gönnen wäre es ihnen.
Line-up:
Jesse James Cameron (vocals, guitar)
Tammy Anstutz (bass)
Tracklist
01:When I'm Down
02:Your Body
03:Always Be True (feat. Transit)
04:Summer's Kiss (feat. Alanna Clarke)
05:Yours To Keep
06:Crime Of The Century
07:Lights On
08:All You Need Is Love
09:Hold Me Up (feat. Lindsay Ell)
10:Tides
11:One Love
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