Manilla Road / Mysterium
Mysterium Spielzeit: 49:45
Medium: CD
Label: GoldenCore Records/Zyx, 2013
Stil: Epic Metal


Review vom 07.02.2013


Andrea Groh
Seit der Gründung 1977 haben Manilla Road einige Phasen und Höhepunkte hinter sich gebracht. Ob in den psychedelischen Anfangstagen, mit den 80er-Epic Metal-Klassikern "Crystal Logic",
Open The Gates und "The Deluge" bis zur "Courts Of Chaos" (1990) mit ihren tollen Keyboardteppichen.
Dann war erst einmal gut zehn Jahre Pause, bis mit der "Atlantis Rising" 2001 das Comeback eingeleitet wurde, wenn auch nicht mehr in der klassischen Besetzung. Bryan 'Hellroadie' Patrick übernahm Schlagzeug und Gesang, später sollte er sich auf letzteres konzentrieren und Mark Shelton entlasten, wobei die beiden sich verblüffend ähnlich anhören.
Seit 2010 ist der aktuelle Bassist Josh Castillo dabei, seit 2011 Drummer Andreas 'Neudi' Neuderth (u.a. Roxxcalibur, Jameson Raid und Viron), zunächst live beim Auftritt auf dem
Hammer Of Doom und nun auch auf der neuen Studioscheibe. Diese heißt "Mysterium" und ich öffne mal das Tor, um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Es ist mindestens die beste seit dem Comeback.
Ein Vergleich mit den Mittachtziger-Werken kann und will ich nicht ziehen, dafür sind die Songs einfach zu vertraut, dafür habe ich diese einfach zu oft gehört, "The Ninth Wave" ist mittlerweile eher die 999. Welle, wenn nicht noch mehrů
Noch etwas vorweg: Der Sound bei Manilla Road war seit jeher eine Sache für sich, durch die Fanbrille betrachtet kann man 'eigenwillig' dazu sagen. Die "Mysterium" klingt erstaunlich gut - manche Manilla Road-Hasser werden trotzdem auch jetzt wieder meckern. Aber wenn ich mir ansehe, welchen Beliebtheitsaufschwung die Kultband in den letzten Jahren erfahren hat - kann ihnen das reichlich egal sein, und die treuen Fans werden (müssen!) die Scheibe lieben. Denn schon bei den ersten Sekunden ist unverkennbar, mit wem man es zu tun hat. Großes Lob für den eigenen Stil und die jahrzehntelange Konsequenz, diesen zwar zu variieren und erneuern, ihn aber dennoch beizubehalten.
'Manilla Maniacs' das hier schildern zu wollen, wäre wie Eulen nach Athen zu tragen. Andere Metaller werden wohl wieder den Kopf schütteln (und nicht bangenderweise), was denn daran so toll sein soll. Die Faszination kann man nicht erklären.
Während der Opener "The Grey God Passes" ein typisches Manilla-Metal-Stück ist, folgt danach mit "Stand Your Ground" etwas Kürzeres und Flotteres - hier kommt die thrashige Seite der Band zum Vorschein.
"The Battle Of Bonchester Bridge" dagegen ist eine Halbballade mit schönen akustischen Gitarrenparts. Solche Songs mögen auch nichts Neues sein, was aber ihre Größe nicht im Geringsten schmälert.
Die nächsten vier Tracks wirken zunächst etwas unspektakulärer (müssen vielleicht noch wachsen bei einigen Hördurchgängen), wobei "Do What Thou Will" eine interessante versetzte Rhythmik bietet und "Only The Brave" etwas Heroisches hat, ohne dabei so platt wie manche andere Epic-/Power-/Heavy Metal-Truppe zu wirken. Die Stärke von "Hallowed Be Thy Grave" hingegen liegt in der Titelzeile.
Doch dies war irgendwie alles nur die Vorbereitung für die Zielgrade, so scheint es. Wie schon auf dem Vorgänger "Playground Of The Damned" wurden die Highlights bis zum Ende aufgehoben, wobei es sich hier um 20 von 49 Minuten handelt, was fast die Hälfte bedeutet.
Bei "The Fountain" scheint man meinen Wunsch erhört zu haben, zu den Wurzeln in den 70ern zurückzugehen. Wunderschön, folkig, akustisch.
"The Calling" ist ein großartiges, verträumtes und bombastisches Instrumental und dient quasi als Einleitung für den Titeltrack (bei dem es inhaltlich um die Australien-Reisen von Ludwig Leichhardt geht - laut Angabe von Mark handelt es sich dabei um seinen Groß-Groß-Groß-Onkel). Dieser hat seinen Namen "Mysterium" nicht zu Unrecht. Beginnt (mal wieder) sanft und akustisch, dies ändert sich nach drei Minuten nach einem wunderbar harmonischen Gitarrensolo, danach setzen Riffs ein und ein Midtempo-Metal-Part kommt, es wird episch bis zum Schluss Gitarrenklänge ertönen, die ich in dieser Form nur von Mark Shelton kenne. Einzigartig, grandios. Es ist immer wieder ein Mysterium, wie Manilla Road solche Songs schreiben können.
Verdammt, jetzt muss ich doch den 80er Vergleich holen: Das könnte so auch von "The Deluge" stammen.
Fazit: Eine homogene Manilla Road-Platte gab es nie, Übersongs standen oft neben sehr guten oder nur guten Stücken. "Mysterium" stellt da keine Ausnahme dar und das auf einem erstaunlich hohen Level (das für einen Tipp ausreicht), das ich mir so nicht zu erhoffen gewagt habe. Hier gibt es zudem ein paar der Gänsehautmomente, für die ich diese Band so mag.
»The Founders Of Epic Metal - Die Legende ist zurück« - schreibt das Label auf seiner Facebook-Seite. Recht haben sie.
Dafür bedürfte es nicht einmal des Zusatzargumentes einer Bonus-DVD mit 60 Minuten "Live From The Hammer Of Doom 2011" (auf der Special-Version). Oder des gelungenen Cover-Artworks, das bei der Vinylausgabe natürlich noch besser wirkt.
Line-up:
Mark 'The Shark' Shelton (guitars, vocals)
Bryan 'Hellroadie' Patrick (vocals)
Joshua Castillo (bass)
Andreas 'Neudi' Neuderth (drums)

Guest:
E.C. Hellwell (synthesizers - #9, bass - #10)
Tracklist
01:The Grey God Passes (4:05)
02:Stand Your Ground (2:57)
03:The Battle Of Bonchester Bridge (4:29)
04:Hermitage (6:02)
05:Do What Thou Will (4:09)
06:Only The Brave (3:37)
07:Hallowed Be Thy Grave (4:37)
08:The Fountain (4:28)
09:The Calling (4:00)
10:Mysterium (11:21)
  I.Sea Of Dreams
  II.The Quest
  III.Into The Unknown
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