Metallica / Death Magnetic
Death Magnetic Spielzeit: 74:48
Medium: CD
Label: Vertigo, 2008
Stil: Heavy Metal

Review vom 27.11.2008


Stefan Gebauer
Wie heißt es in dem alten Schlager von Katja Ebstein? »Wunder gibt es immer wieder«. Aber mit diesem Wunder hätte ich nie im Leben gerechnet, dem Wunder nämlich, dass meine alten Jugendidole Metallica noch einmal eine gute Platte heraus bringen würden.
Das letzte wirklich überzeugende Album "And Justice For All" liegt immerhin zwanzig Jahre zurück, alles was danach kam, war für einen Fan der ersten Stunde fast unerträglich. Okay, das so genannte "Black Album", das mit seinem glattpolierten Hausfrauen-Metal astronomische Verkaufszahlen erzielte, konnte man sich noch mit sehr viel Mühe schön trinken, aber das "Load/Reload", auf dem nur noch ein verschwindend geringer Anteil brauchbaren Materials enthalten war, ging beim besten Willen nicht mehr. Und zu "S&M" und "St.Anger" verkneife ich mir lieber jeden Kommentar, sonst würde ich meine gute Kinderstube vergessenů
Über die Meldung, dass sich Metallica auf ihrem neuen Album wieder an ihren alten Glanztaten aus den Achtzigern, wie "Master Of Puppets", orientieren würden, konnte ich nur mitleidig lächeln. Als aber bekannt wurde, dass Produzenten-Guru Rick Rubin die Band unter seine Fittiche nehmen würde, wurde ich doch hellhörig, schließlich hatte Rubin schon bei einigen meiner Lieblingsalben von Slayer und Trouble Geburtshilfe geleistet.
Und tatsächlich; der Meister hat es geschafft, die satten Millionäre aus ihrem kreativen Tief zu reißen und sie dazu zu bringen, sich auf ihre alten Stärken zu besinnen, die in den letzten zwei Jahrzehnten verloren gegangen waren. So frisch und dynamisch wie auf "Death Magnetic" habe ich Metallica seit 1988 nicht mehr gehört.
Schon nach ersten Sekunden des Openers "That Was Just Your Life" hört man unverkennbar, welche Band hier am Werk ist. Die Nummer strotzt vor Energie und ist vollgepackt mit einem Haufen brachialer Riffs und großartigen, eingängigen Gesangslinien, vielen Rhythmuswechseln, und vor allem enthält sie endlich wieder schöne, schnelle Thrash-Parts und geile Soli von Kirk Hammet, kurzum, alle Zutaten, die ein guter Metallica-Song braucht. Auch die darauf folgenden "The End Of The Line", in das eine schöne ruhige Passage eingebaut wurde, und "Broken, Beat & Scarred" bewegen sich auf dem gleichen hohen Level. Die erste Singleauskopplung "The Day That Never Comes" beginnt zunächst als Ballade, die mich etwas an "Until It Sleeps" und die Bob Seger-Coverversion "Turn The Page" erinnert, und sich ab dem Mittelteil ähnlich wie "One" zum Ende hin in einen harten Metal-Song verwandelt.
Bei meinem momentanen Favoriten "All Nightmare Long", der von einem aggressiven Thrash-Riff eingeleitet wird, klingt Metallicas Vorliebe für klassische Hard Rock-Acts durch. Die Nummer, die sich auch gut als Single-Auskopplung eignen würde, verfügt über einen tierischen treibenden Groove und einen wirklich fantastischen Refrain, der sofort im Ohr hängen bleibt. Großartig.
"Cyanide" klang für mich ebenso wie "The Judas Kiss" zunächst zwar gut hörbar aber doch recht unspektakulär, entwickelt sich jedoch mit jedem Hördurchgang zu einem ähnlichen Knaller, wie die vorangegangenen Songs.
Tja, und dann wird meine Begeisterung doch noch etwas gedämpft. Mit "The Unforgiven III" (eine unglückliche Titelwahl) folgt der Tiefpunkt des Silberlings. Hier wurde ein weiteres Mal erfolglos versucht, an den Megahit von 1991 anzuknüpfen. Das an Savatage erinnernde Orchester-Intro klang zwar recht vielversprechend, aber der Rest des Songs ist nichts weiter als eine langweilige durchschnittliche Halbballade, die anscheinend aus den "Load/Reload"-Sessions übrig geblieben ist. Verzichtbar.
Auch das mit zehn Minuten viel zu lang ausgefallene Instrumental "Suicide & Redemption" kann das ansonsten hohe Level der Scheibe nicht ganz halten. Es enthält sicher einige sehr gelungene Parts, die allerdings zu sehr in die Länge gezogen und zu oft wiederholt werden. Älteren Instrumentals wie "The Call Of Ktulu", "Orion" oder "To Live Is To Die" kann es aber zu keiner Zeit das Wasser reichen.
Zu guter Letzt lassen Metallica doch noch einmal gewaltig den Hammer kreisen. Mit "My Apocalypse" hat das Quartett eine reinrassige Thrash-Nummer aus dem Hut gezaubert, die Erinnerungen an "Damage Inc." oder "Dyers Eve" weckt. Schön schnell, simpel und voll auf den Punkt. Ein geiler Abschluss.
Fazit: Metallica ist es tatsächlich gelungen, noch einmal eine Platte aufzunehmen, die ihrem übermächtigen Namen auch gerecht wird, und sie konnten das alte Feuer neu entfachen. Sie haben es geschafft, den klassischen Metallica-Sound wieder zu beleben, ohne sich dabei selbst zu kopieren. Es wurde vielmehr die alte Songwritingmethode wieder aufgegriffen und mit zeitgemäßen Elementen verbunden. Man merkt, dass die Jungs wieder hungrig sind und richtig Bock auf Metal haben, und sie klingen dabei hundertprozentig glaubwürdig.
Aufgrund ihrer noch immer enormen Verkaufszahlen hätten sie es auch nicht nötig, sich bei Irgendjemandem anzubiedern. "Death Magnetic" ist trotz der beiden schwächeren Nummern ein saustarkes Album geworden und sollte auch den letzten Zweifler überzeugen.
Welcome Back, Guys!
Line-up:
James Hetfield (vocals & guitars)
Kirk Hammet (guitars)
Lars Ulrich (drums)
Robert Trujillo (bass)
Tracklist
01:That Was Just Your Life
02:The End Of The Line
03:Broken, Beat & Scarred
04:The Day That Never Comes
05:All Nightmare Long
06:Cyanide
07:The Unforgiven III
08:The Judas Kiss
09:Suicide & Redemption
10:My Apocalypse
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