Mindwise / The Midnight Spiral
The Midnight Spiral Spielzeit: 47:35
Medium: CD
Label: Finest Noise, 2013
Stil: Alternative Rock, Metal

Review vom 11.05.2013


René Francke
Wenn ich an Hannover denke - in musikalischer Hinsicht wohl gemerkt - fallen mir, wie könnte es anders sein, als Erstes die Scorpions ein. Und just nach diesem Gedanken fliegt auch schon Klaus Meines schmalziges "Wind Of Change"-Gepfeife in mein Ohr, das er wie eine volltrunkene Hummel trällert, die von einem spontanen Trinkgelage aus dem Musikantenstadl heimkehrt. Doch aus der niedersächsischen Hauptstadt kommen natürlich noch andere Künstler wie zum Beispiel das 1999 gegründete Quintett Mindwise. 2004 erschien das erste offizielle Album "Why Start Breathing?". Nach einigen Neubesetzungen kam der Nachfolger After All 2009 auf den Markt - produziert von Henning Rümenapp (Guano Apes) und Frank Bornemann (Scorpions, Revolverheld). In diesem Frühjahr versucht man das dritte Werk "The Midnight Spiral" unter die Leute zu bringen. Doch anstatt ähnlich einer Spirale gleichmäßig in einer Linie emporzusteigen, windet sich der Sound dieser Band und dreht sich gleichbleibend um die eigene Achse.
"The Midnight Spiral" von Mindwise rauscht in Windeseile wie ein nahezu geräuschloser Nachtzug durch meine Lauscher, ohne anzuecken, ohne zu berühren, und hinterlässt allenfalls einen schalen Beigeschmack. Klar: Einflüsse von Bands wie Deftones, Incubus, Faith No More, Creed und Alice In Chains sind durchweg herauszuhören, aber von deren Qualitäten ist die niedersächsische Band leider meilenweit entfernt.
Eintönige Melancholie wabert schwerfällig durch die meisten Stücke des Albums - bereits nach den ersten vier Nummern möchte ich die Platte am liebsten stoppen, meine Musik-Anlage ausschalten und einmal tief durchatmen. Wobei ich hinzufügen muss, dass zum Ende von "Chasing The Sun" durch den gewaltigen Instrumentalpart sich ein erster Silberstreifen am Horizont abzeichnet.
Und so geht ganz plötzlich die Sonne auf, um scheinbar alle Gähnattacken hinfort schmelzen zu wollen. Als eingefleischter Depeche Mode-Fan stehe ich Coverversionen von Songs der Synthie Pop-Band aus England natürlich sehr skeptisch gegenüber - wenn ich nur an die unsägliche Vertonung von "Stripped" durch Rammstein denke, läuft es mir eiskalt den Rücken hinunterů Doch beim Depeche Mode-Klassiker "World In My Eyes" ist Mindwise eine gleichermaßen gewagte wie beeindruckende Eigeninterpretation geglückt. Die Hannoveraner versuchen erst gar nicht sich zu sehr am Original festzukrallen, wodurch Vergleiche unmöglich und auch fehl am Platze wären. Das imposante Schlagzeugintro, der selbstbewusste Gesang und ein massiger Refrain, der die letzten Härchen in den Gehörgängen niedermäht, lassen diese Nummer in einem wesentlich bewegungsfreieren Licht erstrahlen als alle vorangegangenen Stücke zusammen.
Bei den darauffolgenden Liedern erwecken Mindwise den Eindruck, aus ihrer anfangs gähnerauslösenden Wehleidigkeit ausbrechen zu wollen, was ihnen allerdings nur eingeschränkt gelingt. Zu unspektakulär und austauschbar verhallen Songs wie "Complaint", "For A While" und "Sin". Die Combo dreht sich in ihrer selbst erschaffenden Spirale im Kreis. Schade, denn eins ist klar: Hier wäre durchaus mehr möglich gewesen. Bei "Longing For A Better Day" flackert dieses Potenzial auf - da wirkt der Titel des Songs schon fast ironisch, wie ein Flehen in eigener Sache. Die Aufforderung "Take A Walk" würde ich mir gerne noch vor dem Ende der Platte zu Herzen nehmen, doch zunächst muss ich noch den Closer "Spiral (Too Many Days)" über mich ergehen lassen.
"The Midnight Spiral" schlängelt sich dröge und einfältig durch eine dunkle Nacht mit nur sehr wenigen lichten Momenten. Sorry, aber bis auf "World In My Eyes" schafft es keiner der Songs auf dem neuen Album, mich wirklich vom Hocker zu reißen. Anleihen anderer bereits oben genannter Bands werden blind kopiert und reichen selbstverständlich nicht aus, um aus der Masse herauszustechen. Doch es wird schwer in selbiger zu bestehen, wenn wie hier die Eigenständigkeit und der individuelle Ton fehlen.
Line-up:
Stefan Kreutzfeldt (Gesang)
Marius Rolf (Gitarre)
Ingo Werthmann (Gitarre)
Ingo Virkus (Bass)
Phillipp Schepan (Drums)
Tracklist
01:What If
02:You
03:Once
04:Chasing The Sun
05:World In My Eyes
06:Out Of Time
07:Complaint
08:Redefine
09:For A While
10:Sin
11:Longing For A Better Day
12:The Perfect Statement
13:Take A Walk
14:Spiral (Too Many Days)
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