Minotaurus / The Call
The Call Spielzeit: 48:00
Medium: CD
Label: Limb Music, 2013
Stil: Celtic Folk Metal

Review vom 01.07.2013


Sabine Feickert
Erstaunlich, dass wir bei so vielen Bands in unserem Index immer wieder auch CDs von Gruppen kriegen, die schon lange Jahre umtriebig sind und bisher noch keinen Einzug in unsere 'heiligen Hallen' gefunden haben. Minotaurus gehört zu dieser Spezies, was umso erstaunlicher ist, da die Sechs doch bereits seit 1997 aktiv sind und schon auf sieben Veröffentlichungen zurückblicken können. "The Call", die achte Scheibe der Aschaffenburger, flatterte auf der CD-Hülle als Melodic Metal tituliert (das Promoterschreiben gibt den - ebenfalls vertretenen - Celtic Folk Metal an), in unseren Redaktionsbriefkasten und durfte die letzten paar hundert Kilometer im Player meines Autos rotieren.
Den Sprachenmix englischer und deutscher Nummern, der mich zunächst irritiert, klärt ein Blick in die Bandbiografie. Ursprünglich im Folk-Metal beheimatet, bereicherte die Akustik-EP "The Silent Cave" ihr Spektrum und prägte den weiteren Sound. Hier zeigen sie nach eigenen Angaben erstmals ihre weichen Seiten in Form von mittelalterlichen Weisen.
Und auch wenn ich in den meisten Fällen noch immer nicht wirklich begreife, welchen Sinn es haben soll, englische und deutsche Texte zu mischen, wird es hier zumindest vom Hintergrund der Songs und Bandgeschichte ein Stück weit verständlich.
Denn unter den gut gemachten 'Schönwettermetal' (der unseren hartgesottenen Kuttenträgern wahrscheinlich nur ein sehr müdes Lächeln entlockt) haben sich mit "Erlkönig" und "Hinterhalt" zwei lupenreine, deutschsprachige Mittelalterrocker geschlichen. Beim "Erlkönig" handelt es sich tatsächlich um eine Vertonung der Goethe-Ballade damit befindet sich Minotaurus in guter Gesellschaft: Auch Leichenwetter, Falkenstein, Goethes Erben und etliche andere haben sich dieses Klassikers bereits angenommen.
Die mittelalterliche Melodieführung, die schon den zweiten Song "Wanna Be Your Wife" bereichert, bleibt nach diesen beiden Liedern auch im "Lovesong" erhalten, bevor dann "The Call" wieder melodramatisch, ähm, melodischrockig wird. Schön eingesetzt wird eine melodiöse Eröffnung auch bei "Varus Battle", dem dann ein härterer Paargesang folgt. Überhaupt der Gesang, größtenteils clear, gefällt mir überwiegend gut. Sparsam dosiert singt Oliver Klump auch mal rau oder growlig, das aber immer songdienlich und glaubwürdig. So richtig stark werden die Vocals dann, wenn auch Julia Hofmeister ins Spiel kommt nicht nur, dass sie 'ne wirklich feine Stimme hat, die beiden ergänzen sich einander auch ausgesprochen gut.
Was ich ein wenig vermisse, ist die ganz individuelle Note. Alles klingt gut und stimmig und dabei dann aber doch so, wie man es schon oft in ähnlicher Form gehört hat. Noch ein bisschen mehr Mut zum eigenen Profil würde Minotaurus gut zu Gesicht stehen. Sich auch mal etwas weiter abseits der breiten Wege trauen. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau, denn "The Call" braucht sich wirklich nicht zu verstecken und es wäre Minotaurus sehr zu wünschen, dass das Album breite Öffentlichkeit findet.
Erste Schritte in dieser Richtung sind schon zu vermelden: Im Mai waren die Aschaffenburger als Support vonFreedom Call im Hüttenwerk Michelstadt dabei.
Line-up:
Oliver Klump (lead vocals)
Julia Hofmeister (lead vocals)
Reiner Zumkeller (guitar, backing vocals)
Sebastian Bach (guitar, backing vocals)
Richard Kinzel (bass)
Hagen Fitz (drums)
Tracklist
01:Free Our Souls
02:Wanna Be Your Wife
03:Erlkönig
04:Hinterhalt
05:Love Song
06:The Call
07:Varus Battle
08:Chains Of Captivity
09:Spirit Island
10:Defenders Paradise
11:Father And Son
12:Princess Of Destruction (Version 2013)
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