Moondive / Dive With Me
Dive With Me Spielzeit: 42:08
Medium: CD
Label: Rock Express, 2004
Stil: Gothic Metal

Review vom 05.03.2007


Ulli Heiser
Sollte ich vorliegendes Album jemandem so kurz als möglich schmackhaft machen müssen, dann könnte ich den Tray-Aufkleber zitieren: »Neo-classical gothic metal à la Nightwish«.
So weit so gut; ich finde allerdings, dass Moondive etwas härter beim Doublebassknüppeln zu Werke gehen. Und sie haben eine Nummer auf der Scheibe, die mich erst mal ungläubig aufhorchen ließ und mir dann ein anerkennendes »Affengeil« von den Lippen stahl: "Evil & Live", ein Instrumental, startet erst mal mit tollen Doublebass-Attacken, leicht klassische Keyboardtunes liefern sich mit Metalriffs der Gitarre einen schönen Zeitvertreib und plötzlich legt die Band, total aus dem Blauen heraus, einen Blues auf die Matte, um nach ein paar Momenten wieder dem Gothic Metal zu frönen. Das hat was. Aber damit nicht genug, es folgt ein Ausschnitt eines serbischen Folklorestückes mit dem unaussprechlichen Namen "Užičko kolo". Klingt auf jeden Fall östlich und kommt mindestens so unerwartet, wie das Blues-Intermezzo.
Moondive kommen aus Belgrad und präsentieren uns eine Gothic Metal-Scheibe, die sich gewaschen hat. Neben Härte gibt es die typischen, zarten, stellenweise opernhaften Gesangseinlagen von Smiljka, die allerdings auch anders kann und die Kollegen an den Instrumenten mit sich zieht. Man darf Moondive eine anspruchsvolle und stellenweise mutige Choreografie ins Poesiealbum schreiben, denn die genreüblichen Übungen beherrschen sie so perfekt, dass sie zwischen irrwitzigen Gitarrenläufen und Drumgewittern schon mal ganz plötzlich und unerwartet voll die Bremse treten und Tonart und Stil so schnell wechseln, dass man es erst merkt, wenn sie wieder auf dem Weg sind.
In "Sin For Atlock" z.B. gibt es eine Keyboardpassage - sehr klassich angehaucht und bevor man sich verwundert die Augen reibt, hängt sich Marko Čeleketić ein Schild um, auf dem steht: »Was Yngwie kann, kann ich auch«. Den Beweis tritt er an und besteht ihn. Geiles Solo. Wie auch in "End The Night" übrigens. Mal sägt er harte Riffs aus dem Steg, um sofort zu flinken Sololäufen zu wechseln. Als Kontrast steigt Ivan Šišović an der klassischer Konzertgitarre ein, die jedoch nach kurzer Zeit von der einsetzenden Doublebass aus den Boxen gefegt wird.
Gleich in der nächsten Nummer, "Get One Go", gibt es eine Melodie wie aus einem Märchen. Harmonien, die man als Kind wohl einer Engelschar zugeordnet hätte. Gitarre und Bass versuchen mit 'abgehackten Angriffen' die Idylle zu stören. Aber das Gegenteil passiert. Smiljka Milosavljević assimiliert die Saitenmänner und das Ganze verschmilzt zu einer Hammernummer. Da sind Könner am Werk.
Von gleicher Durchschlagskraft ist "Untitled". Auch, weil Smiljka Milosavljević auf serbisch singt, was dem Stück noch mehr Tiefe und Dichte verleiht. Zu der eh schon aufwühlenden und spannenden Musik gesellt sich das Fremde einer Sprache, die man (ich) nicht versteht. Bis auf das letzte Drittel der Nummer, da ist Smiljka Milosavljević wütend und schimpft mit tränenerstickter Stimme auf englisch und sie sagt das 'F-Wort' so schön...
Was soll man noch erwähnen bzw. herausheben? Ivan Stojkovićs und Milan Panić als zusätzliche Sänger in "Red" und "The Bad In Me"? Klar, gerade Milan zeigt in Kombination mit Smiljka, wie anspruchsvoll Vocals auch (oder gerade?) in diesem Metalgenre sein können.
"Dive With Me" ist aus dem Jahre 2004 und 2006 hat sich das Line-up geändert. Anderer Keyboarder, anderer Drummer und mit Anita Gvozdić kam auch eine neue Sängerin. Die Band arbeitet zur Zeit am Folgealbum und ich bin sehr neugierig, ob das Niveau gehalten wurde. Eine Steigerung wäre 'ne Sensation. Auf der Bandseite unter Medien gibt es einen Link zum Titeltrack. Hört unbedingt mal rein.
Line-up:
Smiljka Milosavljević (vocals)
Marko Čeleketić (guitars)
Vladimir Vlakey Jovanović (keyboards)
Ivan Hadži-Ilić (bass)
Milan Kole Kostić (drums)

Guests:
Ivan Šišović (classical guitar -#2)
Ivan Stojković (additional vocals -#6)
Milan Panić (additional vocals -#7)
Tracklist
01:Moonlight
02:End The Night
03:Dive With Me
04:Chanceless
05:Evil & Live
06:Red
07:The Bad In Me
08:Sin For Atlock
  pt.I - Sleeping Lullaby
  pt.II - King's March
  pt.III - Stuffed Turkey
  pt.IV - Espana Gypsing
  pt.V - Red Bells Of Fury
  pt.VI - Noble Speed
  pt.VII - King's April
09:Let One Go
10:Untitled
Externe Links: